10. Juli 2018, 21:17 Uhr

Ein zerbrechlicher Schatz

10. Juli 2018, 21:17 Uhr
Meist Porträts, in kleinerem Umfang auch Szenen aus dem oberhessischen Alltag der 1920er und 1930er Jahre hat die Grünberger Fotografin Marie Kinkel (1896–1976) gefertigt. Über 1000 Fotoglasplatten aus ihrem Nachlass sowie Zelluloidnegative wurden nun Grünbergs Stadtmuseum übereignet. (Fotos: tb)

Einen zerbrechlichen, dafür umso wertvolleren Schatz hütet seit Kurzem das Grünberger Museum im Spital: über 1000 belichtete Glasplatten und eine kleine Zahl von Zelluloid-Negativen aus dem Nachlass der Fotografin Marie Kinkel.

Im Harbacher Forsthaus 1896 geboren und aufgewachsen, später in Göbelnrod zu Hause, betrieb sie von 1926 bis 1945 ihr kleines Fotoatelier. In der Mehrzahl schauten die Kunden vorbei, um zu besonderen Anlässen Porträts anfertigen zu lassen. Dann richtete Marie Kinkel im Hof oder auf dem Gehsteig rasch die passende Szenerie her: ein Sessel, ein kleiner Tisch, Blumen, ein Wandbehang als Hintergrund – auf einigen der Fotos ist noch das Pflaster am Boden zu erkennen. Doch nutzte sie auch Haus und Garten als Kulisse, etwa wenn zwei Fußballer in voller Montur posierten, die Fingerspitzen am damals noch unausgewuchteten Spielgerät. Für die Nachwelt von größerem Interesse sind Aufnahmen, die den Alltag im Oberhessischen vor bald 100 Jahren spiegeln. Die Bäuerin auf dem Ochsengespann, der Kaminfeger mit Kehrbesen, Förster und Arbeiter im Harbacher Wald hat die selbstbewusste Frau auf Glas und später Zelluloid gebannt – all das wertvolle Zeitdokumente.

Dem Museum übereignet wurde der Nachlass von Ria Wilhelm und deren Familie. Bei der Übergabe dankten ihr Bürgermeister Frank Ide, Museumsleiterin Karin Bautz sowie Vertreter des Freundeskreises Museum. Dank galt nicht minder Sven Schepp. Der Harbacher hatte über Jahre hinweg Kontakt zur Familie Wilhelm gehalten und schließlich in akribischer Arbeit die Negative katalogisiert. Aufbewahrt waren die in alten Verpackungen und Briefumschlägen, gelagert auf Dachböden in Göbelnrod und Steinheim. Schepp hat jedes der 1249 Negative mittels Tageslichtlampe und Vergrößerungsapparat abfotografiert, jedes digitalisierte Bild per Photoshop in ein Positiv umgewandelt und eine Farbkorrektur vorgenommen.

Mit der Übergabe des Nachlasses wird es jetzt möglich sein, das fotografische Schaffen der 1976 gestorbenen Marie Kinkel in seiner Gesamtheit zu erschließen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Museumsleiterin Bautz: »Dies ist zugleich Voraussetzung für eine öffentliche Würdigung einer Person, die mit ihren Fotografien dazu beigetragen hat, dass wir gut 90 Jahre nach ihrem Wirken Bilder von dieser Zeit vor uns liegen haben.«

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