Kreis Gießen

Ein hartes Stück Arbeit

Gut gerüstet für eine Begehung des 1200 Hektar großen Gemeindewaldes waren am Samstagvormittag die Mitglieder des Wettenberger Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr. Ausschussvorsitzender Oliver Wegener begrüßte die Teilnehmer am Wertholzplatz an der Waldhausstraße. Mit von der Partie waren Bürgermeister Thomas Brunner, Forstdirektor Harald Voll und Förster Udo Steiger. Letzterer hatte als Exkursionsleiter für alle Beteiligten ein 20-seitiges Infoheft mit vielen detaillierten Angaben zum Waldbestand und den Bemühungen um Nachhaltigkeit ausgearbeitet. Eine wertvolle Hilfe war das auch für die nachfolgende Sitzung des Ausschusses in der Vereinshütte des Angelvereins Wißmar.
21. November 2017, 21:32 Uhr
Klaus Moos
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Dank guter Waldbewirtschaftung ist in diesem Jahr wieder eine reiche Holzernte möglich. Ausschussmitglieder begutachten die bis zu 250 Jahre alten Eichen. (Foto: mo)

Gut gerüstet für eine Begehung des 1200 Hektar großen Gemeindewaldes waren am Samstagvormittag die Mitglieder des Wettenberger Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr. Ausschussvorsitzender Oliver Wegener begrüßte die Teilnehmer am Wertholzplatz an der Waldhausstraße. Mit von der Partie waren Bürgermeister Thomas Brunner, Forstdirektor Harald Voll und Förster Udo Steiger. Letzterer hatte als Exkursionsleiter für alle Beteiligten ein 20-seitiges Infoheft mit vielen detaillierten Angaben zum Waldbestand und den Bemühungen um Nachhaltigkeit ausgearbeitet. Eine wertvolle Hilfe war das auch für die nachfolgende Sitzung des Ausschusses in der Vereinshütte des Angelvereins Wißmar.

Deutlich mehr Schälschäden

Brunner bezeichnete die Begehung als »wichtige Serviceleistung«, um den Zustand und die Entwicklung des Waldes im Auge zu behalten: »Ich hoffe, dass auch die Generationen nach uns noch Freude und Nutzen am Wald haben.« Voll war erfreut, den Kommunalpolitikern die Bemühungen vorstellen zu können, die von Forstleuten verantwortet werden, um den Wald zu verjüngen und gegen viele Gefahren, so auch gegen die Rotwildschalschäden zu schützen. Beeindruckt waren die Ausschussmitglieder von der Holz-ernte am Wertholzplatz. Dort lagern fast 200 Eichenstämme bis zu acht Metern Länge, einige weisen einen Durchmesser von über einem Meter auf und sind rund 250 Jahre alt. Diese wertvolle Ernte verweist auf gute Waldwirtschaft und fand am Samstag lobende Anerkennung. Udo Steiger bilanziert: »Dieser Wald, vor rund 170 Jahren gepflanzt, hat schon einiges erlebt und durchlebt und ist jetzt durch die Pflege früherer Förstergenerationen dabei, sich seit gut 20 Jahren zu verjüngen und seine guten Anlagen weiter zu reichen.« Wälder seien aufgrund ihrer Langlebigkeit vielfältigen Risiken ausgesetzt. Dabei seien die von Menschen verursachten Risiken die schwerwiegendsten. Dazu zählten der auf örtlicher Ebene nur marginal zu beeinflussende Säure- und Stickstoffeintrag aus der Luft mit seinen negativen Folgen für Boden, Wasser und Baumwachstum sowie die heute noch kaum absehbaren Folgen der durch den CO2-Ausstoß verursachten klimatischen Veränderungen auf unsere Waldökosysteme.« Steiger bezog sich auch auf die durch das Wild verursachten Schäden im ökologischen wie auch im ökonomischen Sinn. Die Zertifizierung nach PEFX verpflichte den Waldbesitzer dazu, für waldverträgliche Wildbestände zu sorgen. Die kommenden 15 bis 20 Jahre werden darüber entscheiden, ob der Wettenberger Gemeindewald in 170 Jahren die gleiche Qualität besitzt wie heute.

An verschiedenen Exkursionspunkten stellten die Forstleute vor, wie sie durch Einbringung von Nadelholz als Vor-Anbau in Buchenbeständen klimaresistente Mischbeständen begründen wollen. Besprochen und vorgestellt wurden der Einfluss von Rehwild auf Mischbaumarten, die Folgen von Trockenschäden in einem Buchen-Altbestand sowie die Schälschäden durch das Rotwild an Buchen als ein Risiko für die Werthaltigkeit des Wettenberger Waldes.

Vorgestellt und erläutert wurden auch die Bemühungen durch Neupflanzung und den Gatterbau zum Schutz der jungen Bäume vor Verbiss. Die Schälschäden seien gegenüber dem Vorjahr um das Achtfache auf 1,6 Prozent angestiegen – eine Folge davon, dass von übergeordneter Stelle keine Bejagung des Rotwildes freigegeben wurde. »Der heutige Tag soll ihren Blick schärfen, hinzusehen, die Risiken zu erkennen und die in ihrem Einfluss stehenden Möglichkeiten zu ergreifen, um nachfolgenden Generationen einen ebenso schönen, wie wertvollen Wald zu hinterlassen«, lautete der Wunsch der Forstleute an die Kommunalpolitiker.

Für Diskussion hatte im Vorfeld die Terminierung der Waldbegehung und der damit verbundenen Ausschuss-Sitzung gesorgt, denn dort sollte auch der Haushaltsentwurf für 2018 aufgerufen werden: Der wurde erst am Donnerstag vorgelegt, sollte dann am Samstagfrüh beraten werden. Zu kurzfristig, befand die CDU, und drängte drauf, den Haushaltsentwurf in einer separaten Ausschuss-Sitzung zu diskutieren.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Ein-hartes-Stueck-Arbeit;art457,350057

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