23. Oktober 2018, 21:57 Uhr

Ein echter Dialekt – und kein Gebabbel

23. Oktober 2018, 21:57 Uhr
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Von Günther Dickel
Das Quartett »Handvoll« bei seinem Vortrag.

Mit der 20. Auflage »Zum runden Tisch Mundart« erfreute das Team um Karl-Heinz Theiß und Rita Mattern am Sonntagnachmittag über 50 Mundartbegeisterte im Bürgerhaus Oppenrod, darunter Bürgermeister Dirk Haas. Das zugehörige Kuchenbuffet sowie die Dekoration hatte der Oppenröder Bürgerverein mit seinem Vorsitzenden Roland Kauer und der Ortsvorsteherin Renate Renger vorbereitet.

Bestens eingestimmt und im verständlichen oberhessischen Platt serviert, sang das Quartett »Handvoll«, auch bekannt als »Mikrolust« von der Sängerlust Oppenrod, drei bekannte Melodien, in denen heitere oberhessische Mundartgeschichten verpackt waren. Den vierstimmigen, warmen Quartett-Sound hatte Chorleiter Matthias Schulze wie immer bestens intoniert. Bassist Martin Kauer erläuterte den Zuhörern so manche dann folgende Textpassage und die darin zu hörenden Vokale. Vom »Oa«-Laut spannte sich dann der Bogen zum Fachvortrag von Professor Lars Vorberger von der Philipps-Universität Marburg. Darin verdeutlichte er die Gliederung der deutschen und hessischen Dialekte. Mit dem Sprachatlas von Georg Wenkers und Landkarten von 1879 bis heute, wurde der Umfang und die Vielfalt der Sprachen gezeigt und erläutert. Die »Benrather Linie« als Haupttrennlinie zwischen Niederdeutsch (Norden) und Hochdeutsch (Süden) gilt als Grenze der Lautverschiebung, bei der es im Süden »Wasser« heißt und im Norden »Water«. Anhand von regionalen Karten und den damit verankerten Aussprachen bestimmter Wörter wie »Blätter« und »Blerrer« oder dich »lieb haben« bzw. dich »läib hu« beeindruckte er die interessiert lauschende Hörerschaft und löste dabei auch so manches Rätsel über die Herkunft der hessischen Dialekte.

Eine zentralhessische Besonderheit ist etwa auch, in der ersten Person Mehrzahl »sich« statt »uns« zu sagen: »Eich sai de Erwin. Mer duze sich häi.« (Ich bin der Erwin. Wir duzen uns (bzw. wörtlich: sich) hier). Aus den von Vorberger gezeigten hessischen Landkarten konnte man gut die drei Schwerpunktgebiete von Zentralhessisch über Nordhessisch bis Osthessisch erkennen und die unterschiedlichen Sprachklänge besser zuordnen. Folgt man diesen Forschungsergebnissen, muss man zu dem Schluss kommen, dass in der mittelhessischen Region ein Dialekt gesprochen wird, der auch klar in der Syntax der hessischen Dialekte (SyHD) dokumentiert ist. Das heute oft vielerorts für den hessischen Dialekt gehaltene »Frankfurter Geschwätz« kommt geschichtlich eher einem »Gebabbel« gleich, als einem Dialekt.

Nach dem Vortrag erfreuten sich die Gäste noch an den Mundartvorträgen von Karl-Heinz Theiß und dem Ehepaar Heidi und Kurt Klingelhöfer. Nächster Mundart-Stammtisch ist am Samstag, 27. Oktober, um 15 Uhr im Markt-Café in Alsfeld. (Foto: gdp)



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