08. März 2019, 22:16 Uhr

Ein Ventil für den Kopf

»Ein Kuss an der B 3« – diesen Titel trägt das neue Buch von Alfred Keil. Der 77-jährige Busecker hat darin, umrahmt von Fotografien von Michael Lemmer, die Essenz seiner Werke als Kolumnist zusammengetragen. Mittlerweile gilt seine Aufmerksamkeit dem Blick zurück.
08. März 2019, 22:16 Uhr
Alfred Keil hat den Blick für seinen Heimatort Buseck nie verloren. (Foto: pm)

Das Schreiben ist für Alfred Keil mehr als ein Hobby. Für ihn ist es ein Akt der Selbsterkundung und der Abarbeitung der inneren Verwundung. Sein Kopf braucht ein Ventil. »Das literarische Schreiben ist das Durchpflügen und Durchforsten der eigenen Seele. Es schafft Ordnung«, sagt er. »Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist noch nicht einmal vergangen, denn sie wirkt ständig nach.«

Keil hält es mit Luther und schaut dem Volk aufs Maul. Er hinterfragt vieles. Schreit Kritik aber nicht schrill und laut in die Welt hinaus. Er ist ein Mann der leisen Töne, des geschliffenen Wortes. Und ein Liedermacher.

Als volkstümliche Kunstlieder beschreibt er seine Werke, die er auf der Gitarre begleitet. Bevor er um die Jahrtausendwende zum Erzähler wurde, war er ein bekennender Lyriker. Mit einigem Erfolg, was etliche Kleinkunstpreise belegen. Sein Pseudonym: Angelo Niklas.

Bekannt wurde der ehemalige Ressortleiter »Kultur« der Wetzlarer Neuen Zeitung nicht zuletzt durch seine Kolumne »Des Pudels Kern«. Geschrieben ab dem Eintritt in den Un-Ruhestand, 14 Jahre lang, Woche für Woche. Aus über 700 Kolumnen hat er 90 ausgewählt und in »Ein Kuss an der B3« zusammengeführt. Der Band wurde von seinem Freund Michael Lemmer fotografisch illustriert.

Seit drei Jahren verfasst Keil nun eine wöchentliche Kolumne unter »Es war einmal« auf »Buseck-online«. Woher nimmt er bloß die ganzen Themen? »Ich habe viel erlebt. Viele Menschen haben ebenfalls viel erlebt. Doch sie haben es vergessen, während ich alles aufschreibe«, beantwortet Keil die Frage. Er hat immer Bleistift und Papier parat, auch nachts und sogar sonntags im Gottesdienst.

Früher voller Fernweh und Reiselust, sagt der 77-Jährige: »Ich bin alt geworden. Ich will nicht mehr die Dächer meines Dorfes aus den Augen verlieren.« Sein Dorf, das ist Buseck. Seine Kindheit verbrachte er in Beuern, als Erwachsener lebte er in Großen-Busecken – unterbrochen von zahlreichen Aufenthalten im Ausland. Nach Frankreich, USA, Indien und Kanada zog es ihn. Mit Sohn Ragnar und Enkel Gunnar saß der alleinerziehende Vater am Feuer der Irokesen. Die Indianer Nordamerikas und ihr Schicksal liegen ihm am Herzen. Ihre Ehrfurcht vor dem Leben hat ihn beeindruckt. »Der Hirsch, den du schießt, ist dein Bruder.« So eine Aussage steht im krassen Gegensatz zur christlichen Lehre, zu »Macht euch die Erde untertan«, konstatiert Keil. In Indien wurde das Vater-Sohn-Gespann von falschen Taxifahrern entführt. Die Rettung einer jüdischen Familie und die heftige Auseinandersetzung linker Chaoten mit Vertretern der Bündischen Jugend auf der Burg Waldeck und weitere Abenteuer spielen in der Serie eine wesentliche Rolle.

Ein Sprichwort lautet: Wer schreibt, der bleibt. Und auch diejenigen, über die geschrieben wird, sollen »bleiben«. Darum möchte der Autor seine nächste Lesung seinem im vergangenen August verstorbenen Bruder Gerhard widmen.

Eine Autorenlesung mit Musik von und mit Alfred Keil findet am Freitag, dem 29. März ab 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr), in der Katholischen öffentlichen Bücherei der Pfarrei »St. Marien« in Großen-Buseck, Bismarckstraße 41, statt. Der Autor stellt an diesem Abend seine Texte aus den wöchentlichen Kolumnen unter »buseck-online.de« vor. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Kartenvorverkauf ab sofort in der Bücherei.

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