27. Juli 2017, 19:18 Uhr

Ein Tag in der Tierarztpraxis

27. Juli 2017, 19:18 Uhr
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Aus der Redaktion
Border-Collie Eida lässt sich geduldig von den Kindern abhören. (Foto: jws)

Tierärztin Dr. Anja Hesse hängt ein weiteres Röntgenbild auf. Die Diagnose: Ein verschluckter Nagel, der sich im Darm des Hundes festgesetzt hat. »Drei lange Tage konnte der Vierbeiner sein Geschäft nicht erledigen, jaulte jämmerlich beim Indiehockegehen«, erzählt die Tiermedizinerin den Kindern.

Nachdem der Nagel in der Klinik entfernt wurde, ging es dem Hund sofort besser – und als erstes setzte er ein Häufchen auf den Rasen vor der Praxis. Diese und viele weitere spannende Geschichten aus dem Praxisalltag erzählte die Tierärztin den Ferienspielkindern aus Lollar und Staufenberg am Mittwoch.

Das nächste Röntgenbild. »Eine Schlange!«, ruft ein Kind aufgeregt in die Runde. »Die kenne ich von meinem Vater!« Das Röntgengerät zeigt ihr Mittagessen: eine Maus, komplett mit Haut und Haaren. Damit die Schlange keine Bauchschmerzen bekommt, sollte das Nagetier vorm verfüttern an die Schlange komplett aufgetaut sein.

Auch hinter den folgenden Röntgenbildern steckt jeweils immer ein neuer Fall, unter anderem Knochenbrüche, Zahnprobleme beim Kaninchen oder eine schwangere Hündin. Einige Tiere erkennen die Kinder sofort, bei anderen brauchen sie etwas Hilfe von Hesse und ihrer Kollegin Vanessa Vergenz.

Auf den Bildern lassen sich außerdem Ähnlichkeiten zwischen den Säugetieren und Menschen erkennen. Die Hundepfote mit ihren separaten Zehen könnte glatt als menschliche Hand durchgehen. »Eigentlich sind wir im Tierreich gar nicht so etwas Besonderes«, stellt die Tierärztin fest.

Meerschweinchen im Trend

Wie finde ich eine Büroklammer, die meine Katze verschluckt hat? Was macht man mit einer Schildkröte mit Verstopfung? Was die Kinder noch nicht von ihren eigenen Haustieren wissen, erfahren sie in der Tierarztpraxis.

Spannender als die Bilder sind aber lebende Tiere: Gerhard Fröder hat zwei Prachtexemplare aus seiner Kaninchenzucht mitgebracht. Zum einen der schneeweiße Johnny, dem man sein Alter von sieben Jahren schon etwas anmerkt. Von den Kindern wird er eifrig geknuddelt und geherzt. »Die Streicheleinheiten reichen dann erst einmal für das ganze Jahr« scherzt Fröder. Das rehbraune Rex-Kaninchen Felix erkundet neugierig die im Kreis versammelten Kinder.

»Wie vielleicht auch eure Eltern, sind alle Kaninchen tätowiert, wenn auch in den großen Schlappohren«, berichtet der Züchter. Die Tätowierung enthält den Zuchtverein und das Geburtsdatum des Tieres. Johnny hat eine kleine »2009« in seinem rechten Ohr stehen. »Da wurde ich auch geboren!«, ruft ein Kind.

Zwar werden Hase und Kaninchen oft verwechselt, sie sind aber grundlegend verschieden. »Einen Hasen könnte man unter keinen Umständen zu Hause halten«, sagt Fröder. »Der braucht ganz viel Auslauf und würde bei Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometer pro Stunde nur gegen die Wände rennen«. Hasen werden außerdem als voll entwickeltes Lebewesen mit Haut und Fell geboren, Kaninchen sind hingegen beinahe nackt, haben geschlossene Augen und sind noch taub.

Hund, Katze und Kaninchen sind die häufigsten Patienten in der Kleintierpraxis. Die Tiere bekommen quasi all die Krankheiten, mit denen sich auch die Menschen herumschlagen, vom Schnupfen über Bauchschmerzen bis zum Zahnweh. »Bei Singles und allergiegeplagten Menschen sind aber auch die Reptilien immer mehr im Trend«, berichtet die Tierärztin. Familien entscheiden sich dann oft für diese etwas weniger aufwendigen Haustiere. Auch Meerschweinchen und Chinchillas – auch bei Erwachsenen – liegen im Trend. Hesses ungewöhnlichster Patient war eine mit Milben befallene Vogelspinne. Da muss aber auch die Ärztin vorsichtig sein, denn ein Biss und selbst die Haare der Spinne können richtig wehtun.

Von den Kaninchen geht es zu den Amphibien: Die Kinder dürfen zwei Fröschen bei ihrem »Mittagessen« zuschauen. Vanessa Vergenz füllt den Glasbehälter mit einer Handvoll Heuschrecken. Nur wollen die Frösche sich zunächst beim Essen nicht zuschauen lassen. Vergenz hebt leicht den Deckel - schon ist eine Heuschrecke ihrem sicheren Ende entwischt und springt auf das T-Shirt eines Mädchens.

Doch dann wird die Versuchung zu groß: Mit einem Mal schnellt die Zunge hervor und die Heuschrecke ist verschwunden. Die Frösche haben aber mehr als nur eine schnelle Zunge: Mit ihren Füßen ist es möglich, an steilen Wänden hinaufzuklettern. »Das kann ich nicht«, bedauert ein Mädchen.

An den geduldigen Border-Collie Eida dürfen die Kinder selbst Hand anlegen. Das Fell wird auf mögliche Flöhe untersucht: kein Befund. Vorsichtig legen die Kinder das Stethoskop am Herz an, um den Herzschlag zu überprüfen – auch hier alles im grünen Bereich. Der Patient ist wieder entlassen. Mithilfe einer winzigen Kamera betrachten die Nachwuchsveterinärmediziner Ohren und Nase des Vierbeiners und sind überrascht, dass diese gar nicht so unähnlich von ihrem eigenen Innenleben sind. Ohrschmalz und Popel inklusive!



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