30. Januar 2018, 20:51 Uhr

Ein Mann der Tat

Vier Reiskirchener Bürgermeistern stand er als Beigeordneter zur Seite, hat dabei die Entwicklung der Gemeinde maßgeblich mitgestaltet. Viele Kommunalpolitiker hat er in dieser Zeit kommen und gehen sehen. Jetzt sagt Dieter Schepp selbst adieu – nach 45 Jahren im Gemeindevorstand.
30. Januar 2018, 20:51 Uhr
Jahrzehntelang hat Dieter Schepp an diesem Schreibtisch die Unterlagen für den Gemeindevorstand durchgeackert. Damit ist ab heute Schluss. (Foto: ti)

Es ist genug, antwortet Dieter Schepp auf die Frage, warum er der Kommunalpolitik künftig den Rücken kehrt. Er wolle dem Nachwuchs Gelegenheit geben, sich zu engagieren. Denn eine gute Mischung zwischen Jung und Alt ist in seinen Augen wichtig. Heute Abend wird Schepp in der Sitzung der Gemeindevertretung offiziell verabschiedet, auf den Tag genau elf Jahre nachdem er in den beruflichen Ruhestand gegangen war. Seine Nachfolge als Erster Beigeordneter wird Dr. Thomas Stumpf antreten, der dem Gemeindevorstand bereits angehört. Er und Schepp hatten nach der Kommunalwahl 2016 vereinbart, sich den Posten in der neuen Legislaturperiode zu teilen, weil Schepp eigentlich aufhören wollte, Stumpf sich aber aus beruflichen Gründen zunächst nicht in der Lage sah, das Amt auszuüben. Als Nachrücker für Schepp steht Peter Zinkann in den Startlöchern.

In die Politik kam der 74-Jährige 1972 durch den damaligen Bürgermeister Helmut Becker (SPD). »Er sprach mich an, ob ich nicht in Gemeindevertretung oder -vorstand mitmachen wollte«, erinnert sich der Saasener. Ersteres allerdings kam für ihn nicht infrage. »Ich bin ein Typ, der etwas umsetzen will«, beschreibt sich der Sozialdemokrat. In seinem Fall das, was andere zuvor beschlossen hatten.

Und das waren in den Anfangsjahren vor allem Projekte, die der Verbesserung der Infrastruktur auf den Dörfern dienten, wie der Bau der Sport- und Kulturhalle in Saasen oder des Dorfgemeinschaftshauses in Hattenrod. Denn als Schepp am 18. Dezember 1972 erstmals zum Beigeordneten gewählt wurde, steckte die Großgemeinde noch in den Kinderschuhen. Am 31. Dezember 1970 hatten sich Reiskirchen, Hattenrod, Saasen und Winnerod freiwillig zusammengeschlossen (die anderen Ortsteile kamen 1972 und 1977 dazu) und die Verantwortlichen aus den jeweiligen Ortsteilen in den Grenzänderungsverträgen Forderungen ausgehandelt. Die galt es umzusetzen. »Jeder wollte damals etwas für sich herausschlagen«, erinnert sich Schepp. Heute sei das Kirchturmdenken längst nicht mehr so ausgeprägt. »Die Menschen haben mehr Verständnis für die Situation in der Gesamtgemeinde.«

Verständnis, das musste in den vergangen 45 Jahren auch seine Familie aufbringen. Mehr als 3000 Sitzungen hat der Kommunalpolitiker in dieser Zeit hinter sich gebracht. Daneben forderten einige weitere Ehrenämter seine Zeit. Und natürlich ist man als Erster Beigeordneter (Schepp war dies von 1977 bis 1981 und übernahm das Amt im Juli 2013 erneut) stärker gefordert als der Rest des Gemeindevorstandes. »Wenn der Bürgermeister Urlaub macht oder krank ist, bin ich täglich drei bis fünf Stunden in der Verwaltung«, sagt Schepp. Frau und Kinder standen da oft hintenan. »Es war eine entbehrungsreiche Zeit für die Familie, aber wenn ich A sage, sage ich auch B.«

Und damit meint er vollen Einsatz, den er sich all die Jahre abverlangte und so an der Entwicklung der Großgemeinde maßgeblichen Anteil hatte. Heute meint er, dass viel erreicht wurde, nennt als Beispiele die Neuordnung der Wasserversorgung, den Bau der Großsporthalle oder des Saasener Kindergartens und die Gründung der Sozialstation. Vor allem Bauangelegenheiten gehörten dabei zu seinem Metier, denn er hatte in Frankfurt Vermessungstechnik studiert und über 40 Jahre beim heutigen Amt für Bodenmanagement gearbeitet. Job und Ehrenamt hatten dabei eine positive Wechselwirkung aufeinander. »Bei vielen beruflichen Terminen war die Arbeit im Gemeindevorstand für mich von Vorteil. Umgekehrt galt das ebenso.«

Ob es Phasen gab, in denen er alles hinwerfen wollte? »Im Großen und Ganzen nicht«, sagt Schepp. Aber hin und wieder habe es Momente gegeben, in denen er sich fragte: »Warum tust du dir das an?« Speziell denkt er dabei an jene Zeit, in der sich die Fraktionen im Parlament heftige Gefechte lieferten, was sich auch auf die Beigeordneten übertrug. Oder an den Skandal um den früheren Bürgermeister Holger Sehrt. Schepp: »In solchen Situationen ist kein begeisterndes Arbeiten möglich.« Heute sei die Kooperation im Gemeindevorstand ausgesprochen gut, dafür die Arbeit anspruchsvoller als früher. Ob Bauleitplanung, Kindergartensituation oder interkommunale Zusammenarbeit – das geforderte Wissen um Zusammenhänge sei umfangreicher und bedeute mehr Arbeit. Die können künftig aber andere machen. Schepp will sich ab heute mehr um die Familie kümmern.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Beigeordneter
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Entwicklung
  • Familien
  • Helmut Becker
  • Kommunalpolitiker
  • SPD
  • Christina Jung
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.