27. März 2019, 22:23 Uhr

Ein Leben fürs Handwerk

27. März 2019, 22:23 Uhr
Ehrenobermeister Klaus Freitag mit seinem Sohn und Nachfolger Steffen und Obermeister Kay-Achim Becker (v. l.). (Foto: sel)

Auch die berufsständischen Organisationen des Handwerks leben vom Ehrenamt. Dazu zählen vor allem die Innungen. Ihre Obermeister, stellvertretende Obermeister, Vorstandsmitglieder, Lehrlingswarte und Prüfungsausschussmitglieder sorgen mit ihrem Einsatz für Leben in der Innung – manches Mal sogar für das Überleben. Klaus Freitag ist so einer. Seit insgesamt 23 Jahren legt sich der 65-jährige Freitag für die Bauinnung Gießen ins Zeug.

Von 1996 bis 2011 war der Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der Carl Freitag GmbH mit Sitz in Rödgen Obermeister der Bauinnung Gießen, in den vergangenen acht Jahre hatte er dann das Amt des stellvertretenden Obermeisters an der Seite von Innungschef Kay-Achim Becker (Beuern) inne. In der jüngsten Innungsversammlung in Steinbach nun wurde Freitag zum Ehrenobermeister ernannt.

Die Carl Freitag GmbH ist einer von 37 Mitgliedsbetrieben in der Innung des Baugewerbes Gießen. In Sachen Obermeister und Stellvertreter führt allerdings kein Weg an den Freitags vorbei. Seit 1956 ist der Chef des Gießener Traditionsunternehmens zugleich auch Obermeister oder Stellvertreter der Innung. Und das wird auch nach 63 Jahren so bleiben. Zwar scheidet Klaus Freitag nun aus. Doch an seiner Stelle tritt Sohn Steffen Freitag, Jahrgang 1981 und seit drei Jahren Geschäftsführer des 30 Mitarbeiter großen Betriebes, in die Fußstapfen seiner Vorfahren – sowohl in der Innung als auch in der Bezirksstelle Gießen des Verbandes baugewerblicher Unternehmer (VbU).

In der Versammlung in Steinbach wurde Steffen Freitag einstimmig gewählt. Doch im Mittelpunkt der Versammlung stand Vater Klaus. Innungsobermeister Kay-Achim Becker etwa würdigte seine Verdienste um das Baugewerbe. Stets habe er im Sinne der Innung und ihrer Mitgliedsfirmen gehandelt. Viele entscheidende Weichen seien von Freitag gestellt worden. Dabei habe sich der neue Ehrenobermeister ebenso kompetent wie konsequent für die Sache eingesetzt. Das habe ihm nicht immer Freude gemacht, die Ergebnisse aber, so der Obermeister, gaben Klaus Freitag stets recht.

Neben der Innung und dem VbU gehört Freitag seit 1997 auch dem Vorstand der Kreishandwerkerschaft Gießen an. Seit 2009 ist er stellvertretender Kreishandwerksmeister. Zudem ist er Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Wiesbaden. Diese Ämter wird er in den nächsten Versammlungen dieser Gremien ebenfalls abgeben.

Auch Frust und Kampf

Allerdings endet das ehrenamtliche Engagement Freitags damit nun wahrlich nicht. In der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft wird er weiter aktiv sein. ob nun als stellvertretendes Mitglied im Vorstand der BG Bau in Berlin oder im Vorstand der BG-Unfallklinik in Frankfurt. Zudem ist er Mitglied und Vorstand in zahlreichen Ausschüssen der AOK. »23 Jahre im Ehrenamt waren nicht immer nur eine Ehre, sondern nicht selten auch Frust und Kampf – wie das Leben eben so spielt«, sagt Freitag. Gemeinsam sei vieles erreicht worden, auch gegen Widerstände. Was ihm Sorge bereite, sei die Tatsache, dass die Zahl der Mitgliedsunternehmen in der Bauinnung Gießen in 25 Jahren von 96 auf aktuell eben noch 37 zurückgegangen ist. Betriebsaufgaben, Konkurse und Insolvenzen seien dafür verantwortlich. Nur ein einziger Bauunternehmer sei in dieser Zeit aus persönlichen Gründen aus der Innung ausgetreten. Freitag hofft, dass diese Entwicklung nicht nur gestoppt, sondern vielleicht sogar wieder umgekehrt werden könnte.

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