05. März 2019, 05:00 Uhr

Fundbüro

Ehering verloren: Jennifer Luh vom Lindener Fundbüro half

Ob vergessene Sporttasche oder verlorener Ehering. In Fundbüros wie dem der Stadt Linden wird so ziemlich alles abgeben. Oft braucht es Spürsinn, den Eigentümer zu finden.
05. März 2019, 05:00 Uhr
Der kurioseste Fund auf dem Lindener Fundbüro: Ein verlorener Ehering. Der Besitzer war heilfroh, ihn zurückzubekommen. (Symbolfoto: Schepp) (Foto: SCHEPP_O)

Zum Glück waren die Sportklamotten noch ungetragen. Mit unangenehmen Gerüchen hat Jennifer Luh nämlich auch schon ihre Erfahrung gemacht. Luh ist in der Verwaltung der Stadt Linden zuständig für das Fundbüro. Und so landet auf ihrem Tisch so ziemlich alles, was die einen vergessen und ehrlich Finder abgeben. Wie eben jene Sporttasche, die in der Stadthalle nach dem Training stehen geblieben war. »Wenn die Sachen schon verschwitzt sind, ist das nicht so schön«, sagt Luh.

 

Schlüssel werden am häufigsten verloren

Zwischen 50 und 60 Fundgegenstände werden pro Jahr im Rathaus Linden abgegeben. Fast 80 Prozent davon sind Schlüssel. »Aber fast nie Autoschlüssel«, sagt Luh. Warum das so ist, darüber kann nur spekuliert werden. Interessant ist es allemal.

Und natürlich gibt es auch die kuriosen Geschichten. Luh etwa erinnert sich noch genau an den Tag, als ihr die Polizei Fußmatten vorbeibrachte, die auf der Autobahn lagen. Als städtisches Fundbüro ist sie für alle Fundgegenstände zuständig, die im Lindener Gebiet anfallen. Auch wenn das manchmal mit eher unschönen Folgen verbunden ist. Das Unangenehme an den Matten etwa war, dass sie nach ein paar Tagen furchtbar zu stinken anfingen.

 

Ehrlicher Finder gibt Rolex im Fundbüro ab

Es gibt viele Dinge, die Menschen verlieren und dann im Fundbüro landen. Mitunter auch äußerst wertvolle Stücke. Ein Mann brachte in der Lindener Verwaltung mal eine echte Rolex-Uhr vorbei, erzählt Luh. »Die haben wir dann in den Safe eingeschlossen.«

Es muss nicht nur die Gewissheit sein, etwas Gutes getan zu haben, mit der der ehrliche Finder belohnt wird. Sollte niemand den Fund abholen, bekommt er ihn nach sechs Monaten ausgehändigt – wenn er das denn möchte – und darf ihn ganz legal behalten. Bei einer Rolex-Uhr mag das eine äußerst angenehme Vorstellung sein. Aber was passiert mit einer Tasche voller Sportsachen, die womöglich noch die falsche Größe haben?

Was weder vom Besitzer noch dem Finder abgeholt wird, versucht die Stadt anderweitig zu verwerten. Fahrräder werden beispielsweise an eine Fahrradwerkstatt von Ehrenamtlichen weitergegeben. Die macht sie wieder fahrbereit und überlässt sie Flüchtlingen, sagt Bürgermeister Jörg König. Noch nutzbare Kleidung geht an den Kleiderladen. Und die Schlüssel? »Die darf der Finder nach sechs Monaten natürlich nicht abholen«, sagt Luh. Die Schlüssel werden vernichtet.

 

SIM-Karte führt zum Handybesitzer

Um Besitzer und Fundgegenstand zusammenzubringen, braucht Luh mitunter einiges Geschick. Zum einen veröffentlicht sie auf der Homepage der Stadt sowie im Gemeindeblättchen eine Liste der Fundgegenständen. Bei Handys geht sie zudem noch einen anderen Weg. Wenn möglich entnimmt Luh die SIM-Karte und ruft den Netzbetreiber an. Dieser kann über die aufgedruckte Nummer den Eigentümer herausfinden und kontaktieren.

Besonderen Spürsinn brauchte es einst bei einem ungewöhnlichen Fund: Ein Ehering wurde bei Luh abgegeben. Auf der Innenseite stand lediglich das Hochzeitsdatum und der Vorname. »Da habe ich mein Glück beim Standesamt versucht.« Tatsächlich konnte der Eigentümer – »ein Ehemann« – so ermittelt werden. Selbstredend war jener überglücklich, und wohl auch ein wenig erleichtert. »Die Frau«, erzählt Luh, »hatte den Verlust noch nicht mitbekommen.«

 

Für Fundtiere nicht zuständig

Nur für eine »Fundsache« ist das Lindener Fundbüro nicht zuständig: Haustiere. »Hier haben wir einen Vertrag mit dem Verein TierfreundLich, die kümmern sich um die Tiere«, sagt Bürgermeister König. Sonst hätte Luh womöglich jeweils sechs Monate lang Hunde oder Katzen oder gar beides im Büro.

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