Die erste Halbzeit ist vorbei – und es sind rund 55 Prozent der Mittel ausgegeben. Das passt, so das Signal der Verantwortlichen beim Verein »Gießener Land«. Dort werden die 2,35 Millionen Euro Fördermittel für die Region aus dem europäischen LEADER-Programm gemanagt. Die aktuelle Förderperiode läuft noch bis 2020.

Wo aber gehen die Gelder hin? Was wird unterstützt, weil es den Ideen und Zielen entspricht, die im Regionalen Entwicklungskonzept festgeschrieben sind? Gleich sechs Projekte kommen in den Genuss der Unterstützung mit Steuergeld aus Brüssel: Da ist zum einen die Physiotherapiepraxis von Ute Henrich aus Watzenborn-Steinberg – eine klassische Existenzgründung, die der Idee der medizinischen Grundversorgung im Raum entgegenkommt. Denn immer mehr Kinder haben Entwicklungsverzögerungen, Teilleistungsstörungen oder Konzentrationsschwächen – sie erhalten eine neue Anlaufstelle in Pohlheim, denn die nächsten Einrichtungen gibt es in Garbenteich, Gießen oder Heuchelheim.

Auf Tourismus und Naherholung zielen gleich drei unterstützenswerte Vorhaben ab: Zum einen der Ausbau von touristischen Strukturen im Nordkreis durch die sechs Gemeinden Lollar, Staufenberg, Allendorf, Rabenau, Reiskirchen und Buseck (die Allgemeine berichtete). Zum anderen das Schaffen von sechs Gästezimmern respektive Ferienwohnungen im Laubacher Steakhaus »Zur Eule«. Denn die Nachfrage nach Betten ist größer als das Angebot. Zum dritten ist da das Naherholungsgebiet Wißmarer See, das von der Gemeinde zukunftsfähig gemacht wird. Ein Mammutprojekt, das mit rund drei Millionen Euro Gesamtinvestition veranschlagt ist und ergo mit 200 000 Euro auch die Höchstförderung erhält. Damit genießt die Gemeinde Wettenberg schon seit 2016 Unterstützung aus dem LEADER-Programn. Aktuell entsteht ein neues Sanitärgebäude am Ufer des Sees im Lahnbogen. Es wird zum einen dem Bedarf der Camper gerecht, zum anderen ist es von den Tagesgästen nutzbar und kann Rad- und Kanu-Wanderern dienen. Im weiteren ist die Stromversorgung auf dem Areal zu erneuern, dies im Zuge einer teilweisen Neuparzellierung.

Ein weiteres Projekt aus Wettenberg ist der Erhalt der die heimische Landschaft prägenden Streuobstwiesen: Das Spektrum reicht da von der Pflege der Bäume bis zur Verwertung respektive dem Vertrieb von Äpfeln und Birnen. Warum dies? Zum einen, um Obstbau in der Region zu bewahren, und zum anderen, um zu zeigen, dass die Obst- und Gartenbauvereine längst noch nicht dem Tod geweiht sein müssen. Im Dialog mit Naturschutzbund und Landschaftspflegevereinigung wird an den Konzepten gearbeitet. Der Landkreis hat dafür wertvolle Vorarbeit geleistet, wurden doch alle Streuobstbestände systematisch erfasst und kartiert. Die Idee in Wettenberg: Ein Konzept zu leben, das Vorbild für andere Kommunen sein kann.

Nicht zuletzt erfährt ein Projekt im Lumdatal Förderung: Das Entwickeln eines Bildungs- und Kulturzentrums im Künstlerhof Arnold in Allendorf.

»Wir müssen schauen: Was sind die Stärken des ländlichen Raumes, der in sich sehr heterogen ist. Denn wir wollen die Potenziale heben«, sagt Margot Schäfer vom Amt für den ländlichen Raum. Und Landrätin Anita Schneider spricht von einer »gemeinsamen Gestaltungsaufgabe von Wirtschaft, Staat und Politik: Rund wird es, wenn die Zivilgesellschaft eingebunden wird«. Oder wie es Kurt Hillgärtner, der Vorsitzende des Vereins Gießener Land, formuliert: »Bei jedem Projekt müssen die Bürger dahinterstehen. Das muss von unten kommen!«

Ob Streuobstbestände wie oben nahe Kinzenbach, Ausbau der Infrastruktur für Radeln und Kanufahren zwischen Lahn und Vulkan oder Naherholung am Wißmarer See: Es gibt Förderung. (Fotos: Archiv/Fotofreunde Krofdorf-Gleiberg)

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