20. März 2018, 21:06 Uhr

»Durchbruch« nach drei Jahren

20. März 2018, 21:06 Uhr
Das Ensemble Barfüßergasse 3–5 in Grünberg: Das mittlere Gebäude soll Domizil des Altbauberatungszentrums werden. (Foto: tb)

Das seit 2015 geplante Altbauinformationszentrum (Albiz) des Kreises ist durchaus ein Vorzeigeprojekt. Und es kann durchaus der erhoffte Beitrag gegen die zunehmenden Leerstände in den Ortskernen werden. Nur: Im hierfür vorgesehenen Haus Barfüßergasse 5 in Grünberg ist bis dato kein Handwerker gesehen worden. Dies trotz eines immensen, auf zwei Jahre geschätzten und mit 550 000 Euro veranschlagten Sanierungsbedarfs. Jetzt aber soll es vorangehen, da steuerliche Hürden überwunden werden konnten. Einiges spricht für einen »Durchbruch« nach drei Jahren.

Vereinssatzung jüngst erst anerkannt

Rückblick: Bei einem Pressetermin im Grünberger »Märchencafé« war es, dass Landrätin Anita Schneider für 2018/2019 die Eröffnung des Albiz avisierte. Eine Einrichtung des Kreises, betrieben von einem Förderverein, der – weil gemeinnützig – Spenden und Sponsorengelder beschaffen und so die fünfstellige Finanzierungslücke schließen sollte. Wie es damals hieß, sollten in Grünberg alle Interessierten, vor allem natürlich Bauherren, Rat von Experten erhalten, wenn es um die Sanierung eines Altbaus, die Anforderungen der Denkmalpflege ginge. Ebenso wurden Finanzierungstipps und Kontakte zu Handwerkern als Teil des »Servicepaketes« genannt.

Zweieinhalb Jahre also sind seit besagtem Termin im »Märchencafé« vergangen, bis dato aber liegt nur eine bauhistorische Untersuchung für den spätgotischen Ständerbau in Grünbergs Altstadt vor. Damit nicht genug: Jüngst bauten sich neue Hürden auf, verlautete aus den Reihen des Fördervereins, das Finanzamt verweigere ob des gewerblichen Charakters der Bauherrenberatung die Gemeinnützigkeit.

Werden jetzt Befürchtungen der Skeptiker wahr, als Grünbergs Stadtverordnetenversammlung im Mai 2015 das Sanierungsgebiet »Innenstadt II« eigens auf die Barfüßergasse erweiterte, um an Zuschüsse für die mit rund 550 000 Euro veranschlagte Sanierung zu gelangen? Bleibt die Kommune am Ende noch auf der 2015 mit EU-Geldern gekauften Bauruine, auf den Folgekosten sitzen?

Befürchtungen, die der Kreis jetzt doch entkräften kann. Wie es auf GAZ-Nachfrage hieß, konnte jüngst die Steuerfrage geklärt werden, stehe viel mehr der Abschluss der Verträge mit der Stadt an.

Im einzelnen verweist auch der Landkreis darauf, dass der Verein vor allem weitere Spenden für die Sanierung des Gebäudes akquirieren solle. Satzungsgemäße Aufgaben seien ferner »Öffentlichkeitsarbeit« für den Bereich Denkmalschutz und Altbauten. Wozu etwa die fachkundige Aufklärung über Erwerb, Nutzung, Erhalt und Sanierung denkmalgeschützter Gebäude zähle.

Wie sodann betont wird, beinhalte die aktuelle, dem Finanzamt vorgelegte Satzung aber keine individuelle Beratung und Begleitung von Eigentümern und Erwerbern denkmalgeschützter Immobilien. »Diese Beratungstätigkeit für Bauherren gilt tatsächlich als gewerbliche Tätigkeit und konnte daher nicht zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit führen.« Diese sei jedoch auch nicht vorgesehen gewesen.

Vielmehr habe eine niedrigschwellige Beratung möglicher Bauherren dazu führen sollen, »dass eine Entscheidung für den Kauf einer Immobilie rational getroffen werden kann«. Diese Beratung werde nun von der SWS GmbH (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderungsgesellschaft mbH) übernommen. Oben beschriebene weitere Aufgaben des Albiz e. V. blieben davon unberührt. Erst jüngst, am 23. Februar 2018, hat laut Kreispressestelle das Finanzamt Gießen die Vereinssatzung – von einer Mitgliederversammlung am 25. Januar 2018 abgesegnet – genehmigt. Somit ist der Verein als gemeinnützig anerkannt.

Womit erst die Grundlage geschaffen wurde, um den Vertrag mit der Stadt Grünberg zu unterschreiben. Dieser regelt die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis, was die Sanierung, die Aufgabenverteilung im Rahmen der Modernisierung und Instandsetzung des Gebäudes sowie die Finanzierung unter Einsatz öffentlicher Fördermittel angeht.

Apropos: Dank der Gemeinnützigkeit des Vereins bleibt es bei der ursprünglich vorgesehenen Finanzierung. Hauptpfeiler sind die von der Stadt Grünberg bereitzustellenden Gelder aus der Städtebauförderung (Bundes-, Landes- und Eigenmittel), des Fördervereins sowie jeweils 100 000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Landkreis Gießen.

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