03. November 2017, 13:00 Uhr

Dreiste Ausrede

Dreiste Ausrede zieht vor Gericht nicht

Ein Sexualstraftäter, der sich an einer Frau aus Biebertal vergangen hatte, ist mit einer dreisten Ausrede vor einer Berufungskammer des Landgerichts gescheitert.
03. November 2017, 13:00 Uhr
hanak_steffen_sha
Von Steffen Hanak

Zu einem Gerichtsprozess einfach nicht zu erscheinen, ist schon ziemlich dreist. Vor allem, wenn man selbst dieses Verfahren eingefordert hat. Den Vogel schoss am Mittwoch ein verurteilter Sexualstraftäter ab. Der 31-Jährige hatte vor dem Gießener Landgericht Berufung gegen eine Entscheidung des Amtsgerichts eingelegt, dort war er wegen schwerer sexueller Nötigung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden (wir berichteten).

Der Mann aus dem Lahn-Dill-Kreis hatte erst eine halbe Stunde vor Prozessbeginn bei Vorsitzendem Richter Heiko Söhnel angerufen und mitgeteilt, dass er nicht kommen werde. Begründung: »Ich kann mir die Busfahrkarte nicht leisten.« Selbst wenn der zuletzt arbeitslose Dillenburger Schwierigkeiten gehabt haben sollte, das Geld für den Fahrschein aufzutreiben – es wäre kein Hinderungsgrund gewesen.

Der Staat übernimmt die Kosten der Anreise für mittellose Angeklagte, erläuterte Staatsanwalt Rouven Spieler. Sogar für Bahnreisen aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Vater eines Sohnes hätte nur einen Antrag stellen müssen. Das hatte der Hesse aber nicht getan. Zu seinem Verteidiger habe er angeblich keinen Kontakt aufnehmen können.

Ausreden, die Richter Söhnel nicht gelten ließ und die Berufung des unentschuldigt fehlenden Angeklagten verwarf. Die Kosten des Prozesses muss der Täter trotzdem zahlen – mehrere Hundert Euro, wie eine Rechtspflegerin mitteilte.

Der 31-Jährige hatte sich im November 2015 in Biebertal an seiner Ex-Freundin vergangen. Er hatte eingeräumt, die damals 24-Jährige in ihrer Wohnung angegriffen zu haben. Etwa eine Stunde hatte er die Frau mit seinem Körpergewicht in ihrem Bett nach unten gedrückt und so gefangengehalten. Wenn sie schrie oder weinte, hielt er ihr den Mund zu oder würgte sie. Im weiteren Verlauf demütigte und erniedrigte der gebürtige Baden-Württemberger die Biebertalerin auch sexuell. 

Nachdem er sich anschließend mit der 24-Jährigen im Bad eingeschlossen hatte, um zu duschen, gestattete er dem Opfer plötzlich, die Polizei anzurufen. Später gab er zu, die Frau dafür »abgestraft« zu haben, dass sie die Beziehung beenden wollte.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos