18. Juni 2018, 22:16 Uhr

Dramatik fantasievoll vermittelt

18. Juni 2018, 22:16 Uhr
Das Duo bei seinem sensiblen Vortrag. (F.:jou)

Ein originelles Programm mit großer Stimmungsbandbreite bot das Duo Christina Brabetz (Violine) und Nicolai Gerassimez (Klavier) am Sonntag im Rahmen der Reihe »Musik und Sprache« auf der Hessenbrückenmühle.

Das Duo stellte ein sehr ernstes Werk an den Beginn: die Suite »Baal Shem«, die Ernest Bloch 1923 im Gedenken an seine Mutter schrieb. Im ersten Satz »Vidui« vermittelte das Duo einfühlsam die tiefe Trauer. Über der tragkräftigen Begleitung des Pianisten spielte Brabetz durchweg sehr ausdrucksintensiv, so auch in »Nigun« und »Simchas Torah«. Auffallend war ihre natürliche Körperhaltung und lockere Bogenführung – elementare Dinge, die ihr Professor Jack de Wet in Kapstadt beigebracht hatte, wie Veranstalterin Dr. Evelyn Sachsenberg zur Begrüßung ausführte. Schon in ihrer Mimik spiegelte sich, in welch hohem Maße die 25-jährige Violinistin Tragik wie Transzendenz mitempfand. Erst im dritten Satz hellte sich die Stimmung deutlich auf.

Von ganz anderem, frei erzählerischem Charakter war der Allegretto-Kopfsatz von Maurice Ravels Sonate Nr. 2. Hier zeigte das Duo feines Gespür für den schattierungsreichen Stil, beleuchtete zarteste Piani ebenso sensibel wie intensive Höhepunkte; ganz sanft geriet der Ausklang. Groteskes offenbarte der folgende Blues, der auf raffinierte Weise musikalische Konventionen brach. Innere Wut und Rastlosigkeit kennzeichnete demgegenüber die von Brabetz virtuos gemeisterte drängende Bewegung im »Perpetuum Mobile«-Finale.

Raum zum Schwelgen gab danach Gerassimez’ kernige Interpretation des Songs »Summertime« aus George Gershwins Oper »Porgy und Bess«. Das Liebesduett »Bess, you is my woman now« gelang ihm gemeinsam mit Brabetz emotional berührend.

Für Staunen sorgte die Violinistin bei den zahlreichen Besuchern nach der Pause in Ernst Heinrich Wilhelms »Grand Caprice« op. 26 nach Franz Schuberts Ballade »Der Erlkönig«. Souverän ersetzte sie auf dem Streichinstrument Gesangs- und Klavierpart, erwies sich dabei den immensen technischen wie gestalterischen Anforderungen gewachsen. Fantasievoll vermittelte sie die ungeheure Dramatik samt Rollenwechseln des zugrundeliegenden Liedes.

Mediterrane Atmosphäre erfüllte den Saal bei Manuel de Fallas »Six chansons populaires espagnoles« – von Sehnsucht und Leidenschaft bis hin zu temperamentvoller Entschlossenheit. Noch etwas gefühlsgeladener mutete Alberto Ginasteras Stück »Pampeana« Nr. 1 op. 16 an. In südliche Gefilde begab sich das Duo auch bei zwei Dauerbrennern des argentinischen Tangokomponisten Astor Piazzolla: »Oblivion« und »Le grand Tango«. Das begeisterte Publikum spendete kräftigen Applaus.

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