04. Oktober 2017, 20:35 Uhr

Dorfleben in schwarz-weiß

04. Oktober 2017, 20:35 Uhr
Es war einmal: Die Kanonenbahn macht Halt in Launsbach und bringt die Berufspendler zurück von Wetzlar. (Repro: m)

Wettenberg (m). »Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.« Dieser Spruch des deutschen Dichters Matthias Claudius gilt sicherlich auch für das Zeitreisen. Knapp 50 Gäste des Obst- und Gartenbauvereins begaben sich nämlich in das Launsbach der Jahre 1963/64 – mit einem alten Schwarz-Weiß-Film. Beim Kaffeenachmittag am Wochenende zeigte Jürgen Ross-Walter, den Streifen in dem sich viele der Betrachter auch selbst wiedererkannten.

Adolf Thyssen war seinerzeit der Mann der Kamera und der Volksschullehrer, Rudolf Marquardt, führte Regie. Beiden leben nicht mehr, haben aber mit dem Film ein Stück dörfliche Zeitgeschichte hinterlassen – und das mit professionellem Anspruch. Natürlich kann man das dort gezeigte auch in verschiedenen Chroniken nachlesen und auf Fotos betrachten – unter anderem im Heimatbuch »Launsbach an der Lahn« von Günter Haas – aber bewegte Bilder sind doch etwas ganz anderes für die Betrachter.

»Kreis Wetzlar – Regierungsbezirk Darmstadt« liest man in den ersten Bildsequenzen auf dem Ortsschild. In dem Schwarz-Weiß-Streifen ist zu den unterschiedlichen Anlässen auch Bürgermeister Heinrich Bepperling zu sehen. Der Straßenbau wird gezeigt und der Betrieb der Kiesgrube (heute Silbersee) und die Domäne des Angelvereins. Ausschnitte aus einer »G’manerotssitzung« gehörten ebenso zum Dorfleben wie Hausschlachtungen, bei denen Fritz Pfaff in Aktion zu sehen war. Alles, was mit Landwirtschaft zu tun hatte, war mit prägend für den Dorfalltag.

Bilder aus dem Schulalltag gehörten zum Film und hier stand Schuldirektor Karl Winter am Katheder. Das kirchliche Leben – auch mit dem Bau der katholischen Kirche in Wißmar, nachdem viele Heimatvertriebenen nach dem Krieg die Dörfer an der Lahn besiedelten – fehlte nicht im Streifen. Sogar einen Bahnhof hatte Launsbach noch, und viele Pendler fuhren mit der Kanonenbahn zu ihren Arbeitsstellen in die Kreisstadt Wetzlar. Fasching feiern konnte man vor über einem halben Jahrhundert ebenso wie die Kirmes.

Im Vergleich zur Kirmes hat sich der gemeindliche Seniorennachmittag bis in die jüngste Vergangenheit gehalten, denn der wurde auch in den 60er Jahren schon gut angenommen. Igendwie sahen »die Alten« im Film jedoch älter aus wie die heutigen.

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