09. Januar 2019, 21:38 Uhr

Die selbstschälende Banane

Und Action: Der Jugendraum Ettingshausen verwandelte sich nun für zwei Tage in ein Filmstudio. Unter Anleitung von Urs Daun drehten die Jugendlichen sogenannte Stop-Motion-Filme. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
09. Januar 2019, 21:38 Uhr
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Von Constantin Hoppe
Die Mädchen drehen mit dem Tablet-Computer ihren eigenen Stop-Motion-Film. (Foto: con)

Eine Banane, die sich selbst schält, ein Auto aus Legobausteinen, das sich selbst zusammenbaut und wegfährt, und Menschen, die sich scheinbar bewegungslos fortbewegen.

Theresa steht im Gang, ganz still und ohne sich zu bewegen. Ein Klicken, dann eine kurze Drehung zur Seite. Wieder bewegunsgloses Verharren, bis das nächste Foto gemacht ist. Dann gibt es die nächste kleine Bewegung und das nächste Foto. An einer anderen Stelle im Raum schält Leni eine Banane: Die Schale wird nur ein wenig abgezogen, dann verschwindet Leni aus dem Bild und ein Foto wird gemacht. Nun geht es der Frucht mit einem Messer zu Leibe: Im fertigen Zustand soll es dann so aussehen, als ob sich die Banane von alleine schält, von einem Messer in Stücke geschnitten wird und dann nach und nach verschwindet.

In Ettingshausen entstand nun für zwei Tage ein Filmstudio: Im Jugendraum trafen sich Teilnehmer zwischen 10 und 14 Jahren für einen Workshop über das Erstellen von Stop-Motion-Filmen. Knetanimationen, Puppentrick mit Lego oder Playmobilfiguren und Pixilation – so wird das Filmen von Personen oder Gegenständen mit Einzelbildschaltung genannt – standen hier auf dem Programm. Unter fachkundiger Anleitung von Filmpädagoge Urs Tilman Daun konnten Jugendliche lernen, wie man mit seinem Smartphone oder dem Tablet eigene kleine Animationsfilme dreht.

Daun arbeitet beim Deutschen Filminstitut und ist ein Betreuer bei dem Projekt der Abteilung »FilmMobil«. »Die Jugendlichen haben alle Smartphones in der Tasche und können eigentlich auch mit ihren Geräten kreativ werden, anstatt nur herumzuspielen oder im Internet zu surfen«, erklärt Daun das Anliegen hinter den Projekt: Selbst künstlerisch aktiv werden, herumzuexperimentieren und die Bedeutung der Bildsprache zu erlernen.

Dafür ist nicht mehr nötig als das Smartphone und eine entsprechende App, die es von verschiedenen Anbietern schon für wenige Euros gibt. Die Stop-Motion-Filme entstehen aus zahlreichen, einzelnen Fotos. Pro Sekunde brauchen die Jugendlichen zwischen acht und zwölf Fotografien, bei professionellen Animationsfilmen (beispielsweise bei »Shaun das Schaf«) wird meistens mit zwölf Bildern pro Sekunde gearbeitet. Zum Vergleich: Bei »normalen« Filmen sind es in der Regel 25 Bilder pro Sekunde.

Die Filme, die in Ettingshausen angefertigt wurden, haben dabei eine Laufzeit von 10 bis 15 Sekunden – das macht rund 150 Fotos für einen Clip. Doch auch die Bildsprache ist ein wichtiges Thema während des Workshops, wie Daun erklärt: »Unsere Gesellschaft entwickelt sich derzeit von einer Gesellschaft der Sprache zurück zu einer Gesellschaft des Bildes.« In den sozialen Netzwerken werden heute fast nur Bilder geteilt. Jugendliche sind in diesen Netzwerken zu Hause. »Deshalb sollte viel mehr Filmkompetenz unterrichtet werden«, sagt Daun.

Wenn man sich die fertigen Filme anschaut, die über beide Tage entstanden sind, merkt man schnell: Die Clips werden immer komplexer und anspruchsvoller. Man merkt schnell, dass die Jugendlichen eigene Ideen entwickeln und herumprobieren. So werden die anfangs noch recht einfach gehaltenen Filme schnell von effekt- und bewegungsreicheren Clips ersetzt: Zum Beispiel tanzt ein Mädchen gemeinsam mit einer Playmobilfigur oder ein roter Punkt bewegt sich auf verschiedenen Ebenen durch die Legolandschaft. Eins macht den Teilnehmern besonders viel Spaß: »Das man in wenigen Sekunden eine Geschichte erzählen kann ist wirklich toll«, sagt die zehnjährige Anna aus Ettingshausen. Gemeinsam mit der elfjährigen Lena hat sie den Film mit der sich selbst schälenden Banane erstellt. »Aber es ist auch eine coole Beschäftigung, die man auch zu Hause machen kann und einfach etwas Besonderes.«



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