28. Juli 2017, 13:15 Uhr

Bibel von 1666

Die älteste Bibel des Landkreises kehrt heim

Wer hat die älteste Bibel im Landkreis Gießen? Ein Aufruf aus Laubach zum 500. Jahrestag der Reformation fördert einen überraschenden Fund in Watzenborn-Steinberg zutage.
28. Juli 2017, 13:15 Uhr

Die »Herborner Bibel« von 1666 kehrt heim. Eine Aktion zum 500. Jahrestag der Reformation und der dazugehörende Bericht in der Gießener Allgemeinen gaben den Anstoß: Als im Frühjahr die Freie Evangelische Kirche Laubach nach der ältesten Bibel im Landkreis sucht, ist für Ewald Fink aus Watzenborn-Steinberg sofort klar, dass er dazu etwas beisteuern kann.

In seiner Wohnzimmervitrine liegt eine Bibel aus dem Jahre 1666. Vor Jahrzehnten hat er sie in Nanzenbach im Dillkreis, wohin Fink verheiratet war, von seinem Schwager Georg bekommen. Bei der Vorlage in Laubach ist es die älteste Bibel, die vorgestellt wird – und es wird auch schnell deutlich, dass es sich um eine ganz besondere Bibel handelt.

 

»Piscator-Bibel« weit verbreitet

 

Gedruckt wurde diese Bibel in Herborn. Dort gründete Graf Johann von Nassau 1584 eine der ersten evangelischen Hochschulen, »eine Akademie von internationalem Rang« zur Verbreitung des reformatorischen Gedankengutes und zur Erforschung der Heiligen Schrift.

Gründungsrektor der Hohen Schule Herborn war Caspar Olevian, einer der Mitverfasser des »Heidelberger Katechismus« Konrektor und Nachfolger Johann Piscator. Dieser erstellte eine neue, möglichst wortgetreue Bibelübersetzung, die »Piscator-Bibel«, die besonders in den Niederlanden, in Nordamerika und in der Schweiz weite Verbreitung fand. Dazu verfasste Piscator umfangreiche Kommentare zu seiner Bibelübersetzung und Einleitungen und Register, um die Bibel besser tauglich für den allgemeinen Gebrauch zu machen.

 

Letzter Wille geht in Erfüllung

 

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Ewald Fink

Gedruckt wurde in aufwändiger Handarbeit in der benachbarten Corvinschen Druckerei, die neben anderen Herborner Druckereien die kleine Stadt an der Dill zu einem Zentrum des Bibeldruckes machten. Als ab 1611 in Deutschland landesweit offiziell nur noch die Lutherbibel in den Kirchen benutzt wurde, brachte die Corvinsche Druckerei in Herborn eine neue Komplettausgabe der Heiligen Schrift heraus: die Bibelübersetzung nach Dr. Martin Luther einschließlich der Apokryphen, dazu Einführung, Register und Erläuterungen von Johann Piscator, ergänzt um den Heidelberger Katechismus und den Psalter mit Noten in einem einzigen dicken Band, in Leder gebunden.

Bis 1666 wurde diese Bibel in Herborn gedruckt, in kleinen Auflagen und hoher Papier- und Druckqualität. Viele dieser Bibeln gingen ins benachbarte Ausland, viele wurden von Auswanderern mit in die Neue Welt genommen, viele haben auch die stürmischen Jahrhunderte nicht überdauert. Aber ein Exemplar lag bis vor Kurzem in Watzenborn-Steinberg – bei Ewald Fink.

Er ist am 6. Juli im Alter von 80 Jahren verstorben. Gemäß seines Willens hat Finks Lebensgefährtin Leni Elbing seine Bibel dieser Tage als Stiftung an das »Museum Hohe Schule Herborn« übergeben. Sie ist damit an ihren geistigen und materiellen Ursprungsort zurück gekehrt. Das Museum präsentiert zur Zeit eine sehenswerte Sonderausstellung zur Reformation und zum Bibeldruck (www.museum-herborn.de).

Wer gerne einen Blick in die Bibel von 1666 werfen möchte, hat dazu die Möglichkeit unter www.joachim-elbing.de.

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