09. Oktober 2018, 10:00 Uhr

Feuer

Die Ruhe nach dem Brand in Nordeck

Nach dem Hausbrand in der Nacht auf Freitag ist in Nordeck inzwischen Ruhe eingekehrt, die Straße wieder frei. Während die Ursache noch unklar ist, haben die Opfer vorerst eine Bleibe gefunden.
09. Oktober 2018, 10:00 Uhr
Was genau den Brand in dem Nordecker Fachwerkhaus verursacht hat, ist bislang noch unklar. (Foto: jwr)

Der goldene Oktober taucht Nordeck in ein warmes Licht, die Vögel zwitschern. Am Montagvormittag ist kaum jemand auf den schmalen Bürgersteigen in dem kleinen Dorf unterwegs. Hin und wieder rollt ein Auto über die frisch sanierte Ortsdurchfahrt. Mancher Fahrer blickt erschrocken auf jenes Fachwerkhaus in der Ortsmitte, das in der Nacht auf Freitag ein Raub der Flammen wurde.

Das Leben im Dorf geht seinen gewohnten, ruhigen Gang. Das Brandhaus selbst wirkt auf den ersten Blick kaum wie eine Ruine: Erd- und Obergeschoss scheinen von außen fast unversehrt. Doch vom Dachstuhl sind nur traurige Reste übrig. Verkohlte Dachbalken ragen in die Höhe, ins Nichts. Im Hof türmt sich dunkler Schutt. Stumme Zeugen einer Nacht, die Nordeck so schnell nicht vergessen wird.

Ein paar Häuser weiter werkelt ein älterer Herr an seinem Haus. »Morgens kurz vor vier Uhr habe ich die Sirenen gehört«, blickt er zurück. »Erst dachte ich, das ist wieder mal ein Fehlalarm auf der Burg Nordeck, aber dann sah ich den Rauch«, fügt seine Frau hinzu. Meterhoher Qualm hing über der Ortsmitte, klirrend barsten Scheiben. Die Nachbarn sind in Gedanken bei den obdachlos Gewordenen. »Ich spende auch was, das ist doch klar«, sagt der Mann.

 

Auch Nachbarhäuser waren bedroht

Als die Feuerwehren aus Nordeck und Allendorf, aber auch anderen Kommunen nach der Alarmierung gegen 3.40 Uhr anrückten, galt ihre Sorge auch den Nachbarhäusern. Von zwei Drehleitern aus löschten sie den Brand, verteilten auch Wasser auf den Dächern nebenan.

Es hat bestimmt zwei Tage gedauert, bis wir realisiert hatten, was da passiert ist

Ein Nachbar

Die Bewohner eines der Nachbarhäuser sind froh, dass ihre vier Wände verschont geblieben sind. Der Brand loderte jenseits des Hofs, einige Meter von ihnen entfernt, doch am Fenster habe man es vor Hitze kaum aushalten können. »Wir waren aufgeregt. Es hat bestimmt zwei Tage gedauert, bis wir realisiert hatten, was da passiert ist«, sagt ein anderer Nachbar. »Die Leute stehen jetzt vor dem Nichts.«

Auch für Bürgermeister Thomas Benz, selbst Nordecker, war die Nacht auf Freitag eine kurze. »Ich habe eine Vereinbarung mit dem Stadtbrandinspektor, dass er mich anruft – nicht bei jeder Ölspur, aber wenn etwas Größeres ist.« Diesmal war es ziemlich groß. Zum Glück sei aber schnell klar gewesen, dass die drei Bewohner das Haus rechtzeitig verlassen konnten, niemand verletzt wurde.

Auch die Hunde der Bewohner sind anscheinend mit dem Schrecken davongekommen. Benz zeigt sich beeindruckt davon, wie eingespielt die beteiligten Wehren zu Werke gegangen sind, »das kann man nicht genug herausstellen«.

 

Ursache noch unklar

Ihr Leben konnten die Bewohner retten, doch Hab und Gut sind dahin. Wie geht es nun weiter? Fürs Erste, berichtet der Bürgermeister, seien die drei Personen bei Bekannten in Staufenberg untergekommen. Die Allendorfer Stadtverwaltungen hat Vorbereitungen getroffen: Laut Benz wurde eine kommunale Wohnung in der Lindengasse, die für in Not geratene Bürger vorgehalten wird, umgehend bezugsfertig gemacht. Dort könnten die Brandopfer sofort einziehen.

Was zu dem Brand geführt hat, ist indes noch unklar. Nachbarn bestätigen, dass das Feuer offenbar im Obergeschoss, im Wohnzimmer, seinen Anfang nahm. Eigentlich sollten am Montag Sachverständige anrücken und der Brandursache auf den Grund gehen, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Doch die Begehung sei wegen noch drängenderer Termine der Experten auf Mittwoch verschoben worden.

Der Schaden betrage mindestens 100 000 Euro. Derzeit, so Reinemer, gebe es keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung, »aber wir ermitteln routinemäßig in alle Richtungen«. Wie stark das Haus, in dem einst die Post untergebracht war, von Einsturz bedroht sei, wisse man noch nicht. Immerhin sei es offenbar stabil genug, damit die Brandermittler hinein können.

Info

Spendenaktion im Netz

Wer den unvermittelt in Not geratenen Brandopfern helfen möchte, kann sich an einer Spendenaktion im Internet beteiligen. Die Online-Adresse lautet: https://www.leetchi.com/c/spendenaktion-nach-hausbrand. (jwr)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Feuer
  • Goldener Oktober
  • Kommunalverwaltungen
  • Nachbarn
  • Not und Nöte
  • Obdachlosigkeit
  • Spendenaktionen
  • Allendorf
  • Jonas Wissner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos