26. März 2019, 22:07 Uhr

Die Rahmenhandlung

Hier bekommt Kunst den passenden Rahmen. Uta Kolmer und ihr Team von Artikum in Heuchelheim sind seit 40 Jahren Spezialisten für alle Fragen rund ums Bild.
26. März 2019, 22:07 Uhr
Sie sorgen für den passenden Rahmen: Uta und Jürgen Kolmer sowie Sitthipong Ratanasombat (v. l.) bei Artikum in Heuchelheim. (Foto: us)

Manche Kunden kommen mit Babyfotos. Andere mit einem alten Stich, einem geerbten Ölgemälde oder einem Bild, das sie im Urlaub erstanden haben. Und alle suchen nach einem passenden Rahmen. Doch den zu finden, ist heutzutage gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht, wenn es sich nicht gerade um Standardformate handelt. »Die alten Einrahmer aus Gießen sind alle weg«, weiß Uta Kolmer. Doch ihren Familienbetrieb gibt es noch. Nicht in Gießen, sondern in Heuchelheim. In Räumen der ehemaligen Rinn&Cloos-Zigarrenfabrik ist Artikum zu Hause. Inhaber Jürgen Kolmer, seine Eltern, die Firmengründer Uta und Günter Kolmer, sowie zwei Mitarbeiter sind Spezialisten für alle Fragen rund ums Bild. Vor Kurzem hat das Unternehmen sein 40-jähriges Bestehen gefeiert.

Die Firma hat erst seit fünf Jahren ihren Sitz in Heuchelheim. Und erst seit dieser Zeit heißt sie Artikum. Gegründet wurde sie 1979 unter dem Namen BK Bilderrahmenfabrik in der Bahnhofstraße in Lich. Seitdem haben sich Adresse und Arbeitsschwerpunkt mehrfach geändert. In Heuchelheim fühlt sich Uta Kolmer angekommen. »Dieses restaurierte Gründerzeitgebäude hat eine ganz besondere Ausstrahlung.«

Vorher, in Lich und auch in Gießen, wo die Kolmers in der Westanlage, der Bahnhofstraße und schließlich in der Margarethenhütte arbeiteten, lag der Schwerpunkt auf der Produktion von Rahmen und dem Großhandel. »Es kamen aber immer häufiger Privatleute, die ihre Bilder gerahmt haben wollten«, erzählt Uta Kolmer. Diese Wünsche wurden erfüllt. Als mit dem Umzug nach Heuchelheim auch noch das Angebot an Künstlerbedarf wie Farben, Pinsel oder Leinwände stark erweitert wurde, war die Zeit endgültig reif für einen neuen Namen. »Wenn es in Gießen ein Mathematikum gibt, darf es in Heuchelheim auch ein Artikum geben«, sagt die Chefin fröhlich.

Personal in dieser sehr speziellen Branche zu finden, ist gar nicht so leicht. Die beiden Mitarbeiter der Kolmers sind Quereinsteiger. Andrea Viehmann ist gelernte technische Zeichnerin, Sitthipong Rattanasombat Fotograf. »Es bedarf einer dreijährigen Einarbeitung, bis jemand im Verkauf arbeiten kann«, sagt Uta Kolmer. Sie selbst hat Kunst studiert und auch unterrichtet. »Ich hatte also Vorwissen, was Einrahmung und Stilepochen angeht«, sagt sie.

Für die Suche nach dem richtigen Rahmen nimmt sie sich immer viel Zeit, manchmal zwei oder drei Stunden. Wie breit soll die Außenleiste sein? Welche Farbe und Form soll sie haben? Entscheidet man sich für eine Binnenrahmung, einen Einleger oder einen Doppelpassepartout? »Es ist ein ästhetischer Prozess, den man gemeinsam mit dem Kunden durchläuft« erzählt die Verkaufsleiterin und versichert: »Das macht Spaß.«

Für die frühere Kunstlehrerin hat ihre Arbeit auch eine metaphysische Seite. »Das mag jetzt hochtrabend klingen, aber ich erkenne die Seele eines Bildes. Ich weiß, was es braucht.« Und dass es einen Rahmen braucht, ist für sie unstrittig. Mit der Modeerscheinung, Bilder einfach so an die Wand zu hängen, ist sie nicht immer einverstanden. »Ein Bild braucht eine Abgrenzung gegen seine Umgebung«, findet sie und untermauert ihre These mit einem Beispiel aus der Kunstgeschichte, dem mittelalterlichen Gemälde vom Paradiesgärtlein. »Das schönste am Gärtlein ist die Mauer. Ohne Mauer kein Paradies.«

Aber für eine Rahmung sprechen auch ganz praktische Argumente. Zwar bietet Artikum einfache Standardrahmen an, aber die hochwertige konservierende Rahmung von Sonderformaten überwiegt. Museumsglas, eine säurefreie Unterlage und die Versiegelung bieten Schutz vor Staub, UV-Strahlen, Verfärbungen und den gefürchteten Gewitterfliegen, die so winzig sind, dass sie durch die Rahmenfugen kriechen und hässliche Flecken hinterlassen können.

Anfang März gab es bei Artikum zum 40-jährigen Firmenbestehen zwei Tage der offenen Tür. Im Vorfeld hatten die Kolmers breit dafür geworben. Mit guter Resonanz. »Wie gut, dass wir jetzt wissen, wo wir hingehen können« – Diesen Spruch hat Uta Kolmer von etlichen Neukunden gehört. Manche hätten gleich restaurierungsbedürftige Bilder dabei gehabt, denn auch das wird im Artikum in Heuchelheim erledigt. Bei schweren Fällen arbeitet man mit einer Restauratorin zusammen.

Uta Kolmer ist bereits im Rentenalter. Sie gönnt sich manchmal etwas freie Zeit, aber ans Aufhören denkt sie nicht. »Ich freue mich jeden Tag, wenn ich hierher fahre.« Das hat auch etwas mit ihrer Familiengeschichte zu tun. Ihr Vater Lutz Dönges, der unter dem Künstlernamen Hieronymus Caesar humoristische Gedichte schrieb, war Apotheker in Heuchelheim. Uta hat ihn als Kind dort an seiner Arbeitsstätte oft besucht. »Es ist wohl Fügung, dass ich hierher zurückgekommen bin.«

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