10. Dezember 2018, 21:32 Uhr

»Die Laubacher liebten seine Bilder«

10. Dezember 2018, 21:32 Uhr
Carl Barnas (1879 - 1953).

»Lost Art Salon« nennt sich die Galerie, eine Viertelstunde Fußweg entfernt von Ashbury Heights im Herzen von San Francisco. Die Inhaber haben sich auf die »Wiederentdeckung historisch bedeutender Künstler« spezialisiert. 5000 Arbeiten umfasst der Fundus, darunter einige Bilder des Landschaftsmalers Carl Barnas (Foto).

13 Jahre nur, 1921 bis 1934, lebte der in Laubach, doch ist er bei vielen Bewohnern der Residenzstadt bis heute unvergessen. Und so lautet denn auch der Titel der neuen Sonderausstellung im Museum Fridericianum.

Noch bis 24. März frischt der Heimatkundliche Arbeitskreis als Träger des Museums das Gedächtnis an den Maler auf, zeigt nahezu 60 seiner Ölbilder, Zeichnungen und Radierungen. Es überwiegt Landschaftsmalerei, meist idyllische Szenen aus Oberhessen. Sehenswert sind ebenso seine einzigen Industriebilder, entstanden in den 1920ern in der Gießerei Friedrichshütte.

Geboren wurde Barnas 1879 in Friedberg, nach Studium und Heirat zog er nach Windhausen. Vermutlich wegen des hochstehenden Bildungsangebots entschied sich die Familie, zu der inzwischen vier Kinder gehörten, 1921 für Laubach, baute sich am »Roten Berg« (Dörrenberg) ein Haus. Carl Barnas »zog viel hinaus«, wie es in einer Chronik heißt, hielt Ansichten seiner Heimatstadt, der Dörfer und Landschaften der Umgebung fest. »Die Laubacher liebten seine Bilder«, ist auf einer Infotafel der Ausstellung zu lesen. Doch nicht nur die Malerei, auch sein Engagement für die Ortsgeschichte machte den Neubürger bald zu einem honorigen Mitglied der Gesellschaft, wie man damals sagte. Das sollte sich unter den Nazis ändern: Zwar kein verfemter Künstler, wurde er doch aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen. Quasi ein Berufsverbot. Ehefrau Elisabeth war Halbjüdin. Die Familie emigrierte, fand in Ecuador eine neue Heimat, wo Barnas sich als Maler und Restaurator einen Namen machte. Die engen Freundschaften mit Laubachern pflegten die Eheleute und deren Kinder auch über den Atlantik hinweg. Ein Jahr vor seinem Tod, 1952, besuchte der unvergessene Künstler letztmals Laubach, um sein Anwesen zu verkaufen. Lange Jahre beherbergte das hernach eine Gaststätte.

Im Museum Fridericianum neben fast 60 anderen Werken von Carl Barnas zu sehen: "Blick auf Laubach" aus dem Jahr 1928. (Fotos: tb)
Im Museum Fridericianum neben fast 60 anderen Werken von Carl Barnas zu sehen: "Blick auf ...

Zur Vernissage am Freitag begrüßte Rudolf Stock vom Heimatkundlichen Arbeitskreis zahlreiche Gäste. Griff sogleich den Ausstellungstitel »In Laubach unvergessen: Carl Barnas« auf, bot dafür mehrere Erklärungen an: So seien es nicht nur die Vielzahl von Bildern, die in Laubacher Wohnstuben hängen. Hinzu komme, dass die Nachfahren der Eheleute Barnas, alle in den USA gelandet, bis heute Freundschaften ins oberhessische Städtchen unterhielten. Etwa mit den Familien Demmer, Römheld, Ehrhardt, Roeschen und Leitzmann. Was die Erinnerung an den Laubacher auf Zeit angeht, so maß Stock der Entscheidung der Stadt, eine unbedeutende Nebenstraße nach Barnas zu benennen, hingegen nur marginale Bedeutung zu. Schärfer sollte es später der Referent des Abends, Prof. Claus Leitzmann, formulieren. Der bundesweit bekannte Ernährungswissenschaftler hatte 1974 das Barnas-Haus gekauft, dort bis 2014 gewohnt. Hatte sich sodann intensiv mit Leben und Werk des Malers beschäftigt, einen regen Briefwechsel mit dessen Tochter Maria (Mi) gepflegt und diese 1998 in Carmel besucht. Wie er am Freitag anmerkte, habe Mi vergeblich versucht, »die Amerikaner von der Schönheit der Bilders des Vaters zu überzeugen«.

 

Leitzmann: Beleidigende Ehrung

 

Nach Leitzmann waren nach Barnas Flucht 1934 viele Bilder in die sichere Obhut der Familie Römheld gelangt. Schließlich erinnerte er an den Kauf des Anwesens am Roten Berg: »Da war viel zu sanieren. Doch war das auch unser Glück – das Haus war günstig.« Was erwähnte Taufe eines Wegs auf den Namen des Künstlers angeht: Für Leitzmann eine »beleidigende Ehrung«, die zurückgenommen werden sollte. Sein Vorschlag: den Dörrenbergweg zum Barnas-Weg machen.

 

*

Die Ausstellung »In Laubach unvergessen: Carl Barnas (1879 - 1953)« ist bis 23. März 2019 zu sehen. Öffnungzeiten des Museums Fridericianum, Friedrichstraße 9, Laubach: Sa. und So. 14.30 - 16.30 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat 10 - 12 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0 64 05-921 602.

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