16. August 2017, 20:59 Uhr

Die Lady singt den Blues

16. August 2017, 20:59 Uhr
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Aus der Redaktion
Ein stimmungsvolles Sommerkonzert mit feiner Blues-Note bietet die Band mit (v. l.) Jonas Noll, Peter Herrmann, Johannes Langenbach, Sigrun Bepler und Burkhard Mayer. ( kdw)

Musik war am Sonntagnachmittag auf dem Gleiberg angesagt. Die Burkhard-Mayer-Bluesband (Gießen) spielte im Burghof und zeigte sich bei fast richtigem Sommerwetter in bester Verfassung. Die Zuhörer waren vom Gebotenen höchst angetan. Die Band besteht schon länger. Ihre bekanntesten Mitglieder sind Gitarrist Burkhard Mayer und Sängerin Sigrun Bepler, die ansonsten auch im Duo schon länger versierten Jazz spielen. Auch Bassist Peter Herrmann ist in allen Genres zu Hause, und Schlagzeuger Johannes Langenbach kennt man als kompetenten Jazzmusiker. Last not least ergänzte der junge Lukas Noll von »Retina Crude« am Keyboard mit substanziellen Beiträgen die Besetzung.

»Billie Jean« im Überraschungsformat

Hatte man die Band so noch nie gehört, war man zunächst von der Spielfreude und handwerklichen Kompetenz freudig überrascht; zudem tat die Akustik im Freien ihre förderliche Wirkung. Los ging’s mit »Pride and joy« des Texaners Stevie Ray Vaughan. Schon da ahnte man, dass hier nichts schiefgehen würde. Mit fabelhaft dosiertem Druck und authentischem Fendersound nahm der unwiderstehliche Drive dieses Hits die Zuhörer sogleich mit. Bepler überzeugte mit sehr angenehmem, runden Klang und fabelhafter Intonation. Sie hat eine Art, den Blues wirklich überzeugend zu singen, stellte man später noch öfter fest. Solcherart auf Tempo gebracht, wippten die Zuhörer bereits mit den Füßen. Das erste Glanzlicht auf diesem warmen Bluesstrom war dann »Sorrow«. Mitreißender Drive prägte das Geschehen, Bepler segelte durch die Höhen und die bei ihr sehr angenehmen Tiefen, Mayer zeigte sich im Solo als niveau- und gefühlvoll – die Bandbreite stimmte.

Der größte Treffer im ersten Set war dann die eigene, gefühlt halb so schnelle Version von Michael Jacksons »Billie Jean«. Zunächst kaum erkennbar, fand man durch den vertrauten Text und die Melodie dann zum Original – aber nur theoretisch. Die »Hausversion« machte mit enormem Druck und ungeahnter Emotion einen enorm kraftvollen Eindruck aufs Publikum: da konnte man auch rocken; großartig.

Insgesamt überzeugte die Band zum einen durch ihr sehr kontrastreiches Repertoire, das sich im eher anspruchsvollen Bereich zwischen Blues, Pop und Jazz bewegt. Zum anderen kann Bepler in diesem Genre praktisch alles singen. Ihre Interpretation etwa von Melody Gardots »Worrisome heart« war herausragend emotional und nuanciert, zudem wunderbar gekonnt verschleppt; der Applaus war konstant herzlich und intensiv. Ein weiteres Merkmal der Band ist die exzellent geschlossene und immer aufmerksam interagierende Spielweise, die rundum kontrastreiche und berührende Ergebnisse zeigt.

Hervorragend war auch die wiederum verlangsamte Version von Edwin Starrs 1970er Superhit »War«. Auch ein Blues – und was für einer: herausragend gesungen und gespielt, ein reines, kraftvolles Vergnügen – Blues auf hohem Niveau.



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