24. April 2018, 21:46 Uhr

»Die Dörfer nicht ausbluten«

24. April 2018, 21:46 Uhr
Nachverdichtung statt Neubaugebiet: Auf dem brach liegenden Disco-Gelände in Nonnenroth sollen 25 Bauplätze entstehen. Auch in anderen Hungener Stadtteilen will die Politik den Blick künftig stärker auf ungenutzte Grundstücke richten, um Häuslebauern ihren Traum vom Eigenheim zu ermöglichen. (Archivfoto: pad)

In Nonnenroth sollen auf dem ehemaligen Disco-Gelände 25 Bauplätze entstehen, im erweiterten Neubaugebiet am Inheidener Ortsrand 19. Die Bauleitplanverfahren dazu laufen. Darüber hinaus aber haben Häuslebauer, die in Hungens Stadtteilen ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen, schlechte Karten. Denn dort, wo noch Grundstücke zur Verfügung stehen, sind sie meist in privater Hand. Die SPD-Fraktion will hier etwas ändern. Sie fordert den Magistrat auf, kurz und mittelfristig überall in der Großgemeinde die Voraussetzungen für die Einrichtung von Baugelände herzustellen. Ansonsten, so befürchten die Genossen, hätten die bereits jetzt sinkenden Einwohnerzahlen verheerende Folgen für das Sozialgefüge. »Wir müssen Möglichkeiten schaffen, damit die Dörfer nicht ausbluten«, begründete Gunter Schmidt den Antrag seiner Fraktion im Bauausschuss.

Diskussion um Leerstandskataster

Dabei geht es den Sozialdemokraten nicht nur um die Ausweisung von Neubaugebieten, sondern auch um die Innenverdichtung. Auf Letztere zielte ein weiterer SPD-Antrag ab, der ebenfalls im Bauausschuss zur Diskussion stand: das Erstellen eines Leerstandskatasters für ganz Hungen. Dieses sollte nach Auffassung der SPD alle leerstehenden und zum Wohnen geeigneten Gebäude sowie Baulücken erfassen. Doch dafür fanden die Fraktion, im Gegensatz zu ihrem anderen Antrag, keine Mehrheit. Aus unterschiedlichen Gründen.

Frank Bernshausen (Grüne) begrüßte den Vorstoß zwar, aber in der vorliegenden Form greife er zu kurz. Bernshausen: »Ein Leerstandskataster ist ein guter Anfang, aber es reicht nicht.« Sein Vorschlag: Verwaltung und Politik sollten ein Siedlungskonzept entwickeln.

Bedenken kamen aus den Reihen von CDU und Freien Wählern. Hartmut Gall (FW) bezweifelte, ob der Aufwand für ein solches Papier überhaupt verhältnismäßig sei. Immerhin könne niemand gezwungen werden, seine Grundstücke zu bebauen. Auch den Datenschutz sah er als Problem. Manfred Paul (CDU) brachte den Denkmalschutz aufs Tablett. Der bringe nicht selten Auflagen für die Bebauung in den alten Ortskernen mit sich, die modernem Wohnen entgegen stünden. Ohne Änderungen in diesem Bereich lasse sich die Leerstandsproblematik nicht lösen. Kataster hin oder her.

Die Verwaltung hat dennoch bereits erste Schritte unternommen, um den Ist-Zustand zu erfassen. Stadtverordnetenvorsteher Karl-Ludwig Büttel (CDU), der auch Utpher Ortsvorsteher ist, informierte, dass Ortsbeiräte angeschrieben wurden, um Fragen nach freien Flächen, Leerständen und Bedarf zu beantworten. Büttel: »Diese Erhebungen werden derzeit durchgeführt.« Neben Utphe auch in Steinheim, Langd und Trais-Horloff. Eben dort, wo das Interesse an Bauland bekannt ist. In Nonnenroth ist man schon einen ganzen Schritt weiter. Wegen der großen Nachfrage werden auf dem ehemaligen Disco-Gelände neue Grundstücke entstehen. Auch die Ortsbeiräte in den übrigen Stadtteilen bekämen in Kürze Post, sagte Bürgermeister Rainer Wengorsch im Anschluss auf GAZ-Anfrage.

Bei der Abstimmung votierten FW und CDU (4) gegen ein Leerstandskataster, die SPD (3) dafür. Der Vertreter der Grünen enthielt sich. Der Antrag wurde abgelehnt. Nicht so der Auftrag an den Magistrat, in allen Stadtteilen die Voraussetzungen für die Einrichtung von Baugrundstücken zu schaffen. Eine Gegenstimme kam von den Grünen, zwei Enthaltungen von der CDU. SPD und FW (5) votierten dafür.

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