05. März 2019, 21:38 Uhr

Strohbär

Der »gefährliche Strohbär« treibt in Trais-Horloff sein Unwesen

Er ist eine sagenumwobene Gestalt: der Strohbär. Immer am Fastnachtsdienstag taucht er in Trais-Horloff auf – so auch heute. Nur mit zwei Dingen lässt er sich besänftigen..
05. März 2019, 21:38 Uhr
Der Tod führt den Strohbären an einer Kette durch Trais-Horloff. Ein gruseliges Gefolge begleitet sie. (Foto: pad)

Die Augen der kleinen Kinder am Straßenrand in Trais-Horloff werden immer größer, als sie die gewaltige Gestalt sehen: Über zweieinhalb Meter ist der Strohbär groß. Augen, Nase oder Mund scheint er nicht zu haben, was ihn noch gruseliger macht. Anscheinend muss er sehr gefährlich sein – schließlich wird er an einer Kette geführt. Wobei man eher vor der Gestalt am anderen Ende Angst bekommen kann: der Tod persönlich. Begleitet wird er von einer Gruppe gruseliger Figuren mit Affen- und Geistermasken. Sie klingeln an den Türen, bitten um Speck und Eier, um das Untier zu besänftigen.

Unterwegs mit 80 Kilogramm Stroh am Leibe

Gut zweieinhalb Stunden zuvor liegt in einer Scheune nur ein harmloser Haufen Stroh. Wer in die Rolle des Strohbär schlüpft, bleibt streng geheim. Auch seine Begleiter sind maskiert. Kein Geheimnis ist es, dass es eine große Zahl an Helfern braucht, um den Bär zu binden. Denn jedes Jahr muss das Kostüm aus losem Stroh neu angefertigt und an seinen Träger angepasst werden. »Das sind am Ende gut 70 bis 80 Kilogramm, die der Strohbär mit sich herumträgt«, sagt Mit-Organisator Peter Schindler. »Bei Regen wird es schnell noch mehr. Man muss körperlich recht fit sein, das durchzuhalten.«

Denn in voller Montur geht es nun einmal durch Trais-Horloff, die Bellersheimer Straße hinauf und dann die Friedrich-Ebert-Straße wieder hinunter – eine Strecke von rund 1,7 Kilometern. Gut zwei Stunden braucht der Strohbär dafür. Vor einigen Häusern warten bereits die Senioren auf ihn mit einem Grinsen im Gesicht. Vor anderen stehen junge Familien, deren Kinder mit einer Mischung aus Neugier und Angst die Gestalt betrachten.

Strohbär – Von Kindern gefürchtet

Der Strohbär hat in dem Hungener Stadtteil eine lange Tradition. Wie lang genau es diese gibt, kann keiner sagen. Fest steht: Seit den 1950ern wurde er in jedem Jahr in der Faschingszeit gesichtet. »Ich hatte vor ihm und seinen Begleitern als Kind immer eine Riesenangst«, sagt eine junge Frau. »Früher haben wir den Bär noch auf einen Wagen geladen und sind zu den Mühlen rund um den Ort gefahren«, erinnert sich Peter Schindler. Die damaligen Bewohner hatten auf den Besuch bestanden, »da musste sich jeder vorstellen«. Heute bleibt man im Dorf.

Das Gefolge versorgt den Mensch im Strohbärkostüm zwischendurch immer wieder mit Getränken – selbstverständlich per Strohhalm. Eine Gruppe von Kindern folgt nach Kurzem den Zug. Als Bärentreiber mitmachen dürfen die Jugendlichen des Dorfes erst ab einem Alter von 15 bis 16 Jahren.

Der Strohbär wird zurückkehren

Das Strohbärtreiben findet schließlich auf dem Festplatz seinen Abschluss. Hier wird das Kostüm verbrannt, zudem die gesammelten Eier und Speck gebraten und gemeinsam verspeist. Für dieses Jahr ist der Strohbär besiegt. 2020 wird er aber wiederkommen...

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