18. März 2019, 21:57 Uhr

»Der alte Klang und das Meer«

18. März 2019, 21:57 Uhr
Schauspielerin Nina Hoger (l.) und Harfenistin Ulla van Daelen nehmen die Zuschauer bei ihrer Reise ans Meer mit ins Boot. (Foto: nab)

Kaum ein Kinosessel war leer geblieben, als Schauspielerin Nina Hoger und Harfenistin Ulla van Daelen am Sonntagmittag im Rahmen der Licher Kulturtage im Kino Traumstern zu Gast waren. Am liebsten wollte man vom Kino aus direkt ans Meer fahren. Denn um genau dieses drehten sich die vorangegangenen beiden Stunden. Hoger und van Daelen stellten bei der Matinee ihr neues Programm »Der alte Klang und das Meer« vor. Und das Publikum war begeistert, schließlich nahmen die Schauspielerin und die Harfenistin ihre Zuschauer bei ihrer Reise ans Meer mit ins Boot.

Kurz zuvor hatten die Künstlerinnen mit diesem Programm in Köln Premiere gefeiert, und so war der Auftritt in Lich erst der dritte überhaupt. Aber besser hätten sie die Texte verschiedener Autoren und die dazu perfekt passende Musik nicht kombinieren und vortragen können.

»Wenn man den Sand sägen hört und das Schlurfen der kleinen Steine / in langen Wellen / soll man aufhören zu sollen / und nichts mehr wollen wollen nur Meer / Nur Meer.« Mit Texten wie diesem Gedicht von Erich Fried und den harmonischen Harfenklängen boten die beiden Künstlerinnen den Zuschauern ein kurzweiliges Erlebnis. Schon die ersten Töne des Instruments ließen die Gäste eintauchen in eine Welt voller Zauber in den Tiefen unter der Wasseroberfläche und weckten dabei eine Sehnsucht nach dem sanften und stetigen Rauschen der Wellen und der salzigen Luft.

Texte voller Sehnsucht und Fernweh

Wenn man bei Sturm und wilder See Ulla van Daelens Spiel zum Doors-Klassiker »Riders on the Storm« verfolgt, dann weiß man, dass die Musikerin, die viele Jahre Solo-Harfenistin des WDR-Rundfunkorchesters war, ihr Handwerk versteht. Ganz gleich ob Klassik, eigene Kompositionen, Popmusik oder Filmmusik wie dem »Main Theme« aus »Fluch der Karibik« – das golden glänzende Instrument zog in seinen Bann.

Und dann sind da gleichermaßen die Texte voller Sehnsucht, Fernweh und Staunen über die Naturgewalten, die Schauspielerin Hoger gekonnt vortrug. Deutlich wurde, dass das Meer viele literarische Anknüpfungspunkte bietet – auch ausgesprochen lustige Texte, wie Erich Kästners ironisches Gedicht »Selbstmord im Familienbad« über »Freigelaßne Bäuche und Popos« am Strande, die aussehen wie »Quallen auf dem Lande«. »Wo man hinschaut, wird den Augen schlecht, und man schließt sie fest um nichts zu sehen. Doch dann sieht man dies und das erst recht. Man beschließt, es müsse was geschehen.« Ebenso heiter schloss sich die Musik mit »Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polkadot Bikini« und »Eine Seefahrt, die ist lustig« an.

Doch Hoger fand auch ernstere Worte. Mit Reinhard Meys Ballade »Das Meer« thematisierte die gebürtige Hamburgerin die Zerstörung der Meere. Die übrigen Texte waren so vielfältig wie ihre Autoren. Aus Elke Heidenreichs »Frauen am Meer« ließ Hoger an der ersten Begegnung mit dem Meer teilhaben, Mascha Kaléko dichtete »Du bist der Hafen«. Und Sindbad der Seefahrer begegnete in dem Märchen aus 1001 Nacht einer Insel, die sich als riesiger Fisch entpuppte. Joachim Ringelnatz wiederum machte sich »Seemannsgedanken übers Ersaufen«.

Höhepunkte erreichte das Programm immer wieder dann, wenn Text und Musik miteinander verschmolzen, sei es beim gesprochenen »Junge, komm bald wieder« oder ganz am Ende, als das Publikum selbst zum Shanty-Chor wurde und »Wir lagen vor Madagaskar« und »My Bonnie is over the Ocean« sang.

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