05. Februar 2018, 22:17 Uhr

Der Neue zählt digital

Jeder einzelne Stromzähler muss bis zum Jahr 2032 ausgetauscht werden. Der Grund: Ein Bundesgesetz schreibt die Umrüstung auf digitale Zähler vor. Für die OVAG eine besondere Herausforderung, die nicht bei jedem Kunden sofort auf Gegenliebe stößt.
05. Februar 2018, 22:17 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
David Tetz

Es war der 2. September 2016, als das Bundesgesetz »zur Digitalisierung der Energiewende« in Kraft trat. Die Folge: Die Die OVAG Netz AG muss bis zum Jahr 2032 alle 230 000 Stromzähler in ihrem Versorgungsgebiet im Landkreis Gießen, in der Wetterau und im Vogelsbergkreis austauschen. Im Interview beantwortet Projektleiter David Tetz die wichtigsten Fragen – für den Konzern, für den Verbraucher und vor allem in Sachen Sicherheit und Datenschutz.

Was ändert sich mit den digitalen Stromzählern für den Kunden?

David Tetz: Hier muss man zunächst unterscheiden zwischen einer modernen Messeinrichtung, also dem Zähler, der in jedem Haushalt ausgetauscht werden muss, und einem intelligenten Messsystem. Der neue Zähler bietet den Vorteil, den Stromverbrauch der letzten Tage, Wochen und Monate rückwirkend für zwei Jahre auszuwerten. Dazu muss der Zähler nur oben rechts mit einer Taschenlampe angeleuchtet werden. Gewisse Kunden bekommen darüber hinaus eine Aufrüstung auf ein intelligentes Messsystem. Dabei werden die Zähler durch ein Gateway ergänzt. Das sendet Informationen an verschiedene berechtigte Marktteilnehmer wie zum Beispiel Lieferanten oder Netzbetreiber, um etwa Stromerzeugung und -verbrauch im Netz im Einklang zu halten. Die Gateways sind zurzeit noch nicht zertifiziert. Wir rechnen frühestens ab dem dritten Quartal dieses Jahres mit ihnen.

Was kostet das den Verbraucher?

Tetz: Die moderne Messeinrichtung kostet etwa sechs bis acht Euro im Jahr mehr. In den meisten Fällen haben die Stromlieferanten diese Kosten übernommen. Wie das in Zukunft sein wird, wissen wir natürlich nicht. Bei den intelligenten Messsystemen werden es im Durchschnitt etwa 100 Euro sein, wobei wir diese zunächst nur ab 6000 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr überhaupt einbauen (ein Zweipersonenhaushalt verbraucht etwa 2500 kWh, Anm. d. Redaktion). Das betrifft rund 15 Prozent aller Kunden. Hier gibt es Mehrwerte, etwa Onlineportale, in denen der Verbrauch visualisiert wird, oder Apps in Richtung Smarthome oder vielleicht auch bald Analysemöglichkeiten, die zeigen, welches Gerät wie viel Strom verbraucht und ob ein Austausch sinnvoll wäre.

Wie läuft ein Austausch ab?

Tetz: Wir informieren den Kunden drei Monate vorher und melden uns dann wegen eines Terminvorschlags noch einmal 14 Tage vor dem geplanten Tausch. Der Monteur baut dann den alten Zähler aus, baut bei sehr alten Zählern noch zusätzlich eine Adapterplatte ein und setzt den neuen Zähler dann darauf. Das dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Der Austausch an sich ist kostenlos.

Wie funktioniert der neue Zähler?

Tetz: Bei den alten Zählern hat eine elektrisch erregte Drehscheibe das Zählwerk mechanisch bewegt. Bei den elektronischen Zählern werden über Messspulen Stromfluss und Spannung erfasst und abgespeichert. Diese Daten bleiben aber nur im Gerät. Sie können bei einem Umzug gelöscht werden und werden nach dem Ausbau vernichtet.

Wie sieht es in Sachen Datenschutz bei den neuen Geräten aus?

Tetz: Die modernen Messeinrichtungen kommunizieren überhaupt nicht nach außen, sondern müssen nach wie vor einmal jährlich abgelesen werden. Für die Gateways hat der Gesetzgeber hohe Hürden gesetzt, zum einen mit Blick auf Hacker, zum anderen aber auch mit Blick auf die Verbreitung von Kundendaten. Als Gateway-Administrator muss man zertifiziert sein und sicherstellen, dass die Mitarbeiter gute Führungszeugnisse haben, oder dass es Einlasskontrollen zu den Steuersystemen gibt. Nur der Administrator steuert, wie und wem das Gateway Informationen zusendet.

Wie sind die Reaktionen der Verbraucher?

Tetz: Es gibt durchaus Ängste. Aus diesem Grund möchten wir die Kunden auch aufklären – mit Presseartikeln, in unserer Kundenzeitschrift, auf einer eigens eingerichteten Internet-Seite, mit verschiedensten Flyern oder telefonisch über unseren Kundenservice. Es gab auch schon Kunden, die gesagt haben, dass sie so ein Gerät nicht haben möchten. Wir haben aber keine Wahl, denn wir müssen als Messstellenbetreiber die gesetzlichen Vorgaben erfüllen.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos