14. November 2018, 21:09 Uhr

Der Dorfladen hat Geburtstag

Im eigenen Dorf wieder einkaufen können – vor einem Jahr ging dieser Wunsch der Ruttershausener in Erfüllung. Seitdem arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung in dem kleinen Laden Hand in Hand. Dieser hat sich zudem zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt – wäre da nicht die Dauerbaustelle vor der Tür.
14. November 2018, 21:09 Uhr
»Darf’s ein bisschen mehr sein?« Der Dorfladen wird bereits gut angenommen. Für den kommenden Sommer hofft man, dass nach Ende der Bauarbeiten direkt vor der Tür mehr Radtouristen den Weg hierher finden. (Foto: pad)

Draußen prasselt der Regen hinab. Eine Dame sitzt am Fenster, rührt gedankenversunken in einer weißen Kaffeetasse, aus der kleine Dampfwölkchen aufsteigen. In diesem Moment öffnet sich die Ladentür. Sofort fängt sie an zu Lächeln, mit einer Umarmung wird die Freundin herzlich begrüßt. »Na, was gibt es neues bei dir?«

Solche und ähnliche Szenen spielen sich fast tagtäglich im Dorfladen Ruttershausen ab. Das kleine Geschäft an der Lahnbrücke ist längst zm beliebten Treffpunkt im Ort geworden. Diesen hatten die Ruttershausener auch dringend gebraucht, nachdem der direkt gegenüberliegende »Brückenwirt« geschlossen hatte. »Man merkt erst jetzt, wie das früher gefehlt hat«, sagte eine Frau, die sich gerade mit einer Freundin an der Backwarentheke unterhält. »Früher gab es mehrere kleine Lädchen, wo man sich beim Einkauf unterhalten hat.«

Geschäfte wie Metzger, Bäcker, Tante-Emma-Laden, die es einst in jedem Dorf gab, sind nicht erst seit der Zeit verschwunden, in der die »Geiz ist geil«-Mentalität aufgekommen ist – wobei diese auch nicht zu deren Erhalt beigetragen hat. Wenn jedoch der Supermarkt im Nachbarort liegt, haben gerade ältere Menschen, die nicht mehr mit dem Auto mobil sind, oft ein Problem. Da wundert es nicht, dass auch in Ruttershausen gerade bei den Senioren die Freude über einen Laden im Dorf sehr groß ist. Hier kann man schnell mit dem Rollator hin, den Einkauf im Korb verstauen und bestenfalls noch mit den Nachbarn ein paar Worte wechseln.

Der Dorfladen ist jedoch nicht nur für die Ruttershausener, sondern auch die Mitarbeiter ein Segen. Denn hier bekommen Menschen mit Behinderung die Chance, eine sinnvolle Arbeit zu leisten und zusammen mit »normalen« Kollegen alle anstehenden Arbeiten zu übernehmen. Das Geschäft gehört zum Hofgut Friedelhausen. Öffentlichkeitsbeauftragte Bettina Brandt zieht nach einem Jahr Dorfladen eine positive Bilanz. Zwei Menschen mit Behinderung haben bereits dadurch die Möglichkeit, hinter der Theke Kunden zu bedienen und für Nachschub in den Regalen zu sorgen.

Der Dorfladen habe sich in dem einen Jahr weiterentwickelt, erklärt Brandt. »Es ist spannend zu sehen, welche Sachen und Produkte funktionieren und welche Dinge eigentlich nicht gebraucht werden.« Das Sortiment wird darum immer weiter an die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden angepasst – in dem Rahmen, wie dies ein kleiner Dorfladen leisten kann.

Ein Publikumsrenner sind dabei die Nussecken geworden. Sie stammen genauso wie zahlreiche Demeterprodukte vom Hofgut Friedelhausen. Gartengemüse, Kartoffeln, Honig, aber auch Milch- und Käsereiprodukte – es wird ebenfalls von Menschen mit Behinderung nur wenige Kilometer entfernt hergestellt. Generell lege man auf Regionalität großen Wert. So gibt es Kaffee aus der Rösterei in Kehna, Wurst vom Metzger aus Lollar. Um aber auch nicht die Ruttershausener mit kleinerem Geldbeutel auszuschließen, gibt es auch eine Reihe günstiger Produkte in Eigenmarkenqualität eines Supermarktes.

Separee für Vereine

Der Dorfladen ist auch deshalb ein Treffpunkt geworden, da es hier einen separaten Raum gibt, in den sich Gruppen zurückziehen können. Von der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr bis hin zum Freundeskreis reicht die Spanne der Nutzer.

Vom Dorf selbst wird der Laden gut angenommen. In den letzten Monaten gibt es aber ein großes Problem: Vor der Tür ist eine Baustelle. Seit Mai ist die Straße aufgerissen, um eine neue Kanalisation zu verlegen. Der grobe Schotter lässt sich mit dem Rollator kaum überwinden. Dies gilt auch für Fahrradreifen. Eigentlich liegt der Dorfladen direkt am Lahnradweg. Daher hoffte man hier auch darauf, Radler mit Kaffee und Kuchen zu einer Pause verlocken zu können. Biker verirrten sich diesen Sommer jedoch nur selten hierher. Brandt vom Hofgut Friedelhausen hofft daher auf den nächsten Sommer.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Behinderte
  • Einkauf
  • Geburtstage
  • Ruttershausen
  • Wünsche
  • Patrick Dehnhardt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos