28. Februar 2014, 18:48 Uhr

Der Ami aus Beuern und die Bierhaus-Kultur

Die Welt zu Gast in der oberhessischen Provinz oder umgekehrt – das ist immer wieder ein schöner Stoff, aus dem sich Notizen formulieren lassen. Umso leichter, wenn dann noch so etwas wie ein Promi-Faktor dazukommt, also etwas allseits Bekanntes. Im konkreten Fall mal wieder das Licher Bier.
28. Februar 2014, 18:48 Uhr
(Foto: Pressemitteilungen Provinz)

Die Welt zu Gast in der oberhessischen Provinz oder umgekehrt – das ist immer wieder ein schöner Stoff, aus dem sich Notizen formulieren lassen. Umso leichter, wenn dann noch so etwas wie ein Promi-Faktor dazukommt, also etwas allseits Bekanntes. Im konkreten Fall mal wieder das Licher Bier.

Wir erinnern uns an den November 2010, als uns Gesundheitsökonom Michael Winker aus Nonnenroth berichtete, er habe bei einem Oktoberfest in Abu Dhabi (!) am Persischen Golf Bier aus der Heimat trinken können– ein richtiges Weizen, genau richtig damals bei 27 Grad Celsius im Schatten. Oder an das »Selfie« des Kollegen Marc (mac) Schäfer, das ihn mit Hörfunkjournalistin Konstanze Schleenbecker aus Heuchelheim in einem Londoner Pub zeigt – mit eben einem frisch gezapften »Licher« in der Hand.

Gleiches kam dieser Tage von Rainer Nürnberger aus Alten-Buseck. Der junge Mann war in Portland im US-Staat Oregon – auf der Landkarte zu finden weit oben links, bei Seattle und Vancouver – in ein Gasthaus namens »Prost!« geraten und hatte sich dort unverhofft wie in der Heimat gefühlt: Man servierte ihm ein Licher Pils, in einem Henkelglaskrug mit Eisvogel drauf.

Ob Nürnberger in diesem Moment eine allseits bekannte Melodie anstimmte? Summend, pfeifend? Wir wissen’s nicht. Gut möglich, denn selbst in den USA weiß man, wie »Licher« klingt: »Its classical signature tune is Solveig’s Song from Peer Gynt by Edvard Grieg.«

Damit nicht genug der Überraschung. Als Nürnberger in der Getränkekarte blätterte, las er von den »Prost!«-Ursprüngen. Das Wirtshaus, eingerichtet 2009 in einem ehedem geradezu baufälligen Gebäude aus dem Jahr 1894, das mal Drugstore war und mal Kirche, gehört zu einer kleinen Kette von »friendly neighborhood bier stuben«. Als Betreiber konnte der Biergenießer aus Buseck ganz schnell einen Quasi-Landsmann ermitteln: Chris Navarra, einen Amerikaner mit familiären Wurzeln im Busecker Tal, konkret in Beuern.

Dieser Mister Navarra – in zweieinhalb Wochen wird er 40 – hatte in Kindheit und Jugend jeweils die Sommerferien im Elternhaus seiner Mutter Karin verbracht, hatte von seinem Opa Ludwig Heinrich Hofmann fürs Leben gelernt. Dabei waren ihm Kirmestradition und Wirtshaus-Kultur (der frühen Jahre) aufgefallen. Als er Jahre später bei sich »Homesickness« in fortgeschrittenem Stadium diagnostizierte, schmiss er das Grafik-Studium in San José/Kalifornien und eröffnete in Seattle 2002 sein erstes Gasthaus, in dem er ausschließlich deutsche Biere ausschänkte. Diesem Haus namens »Prost!« folgten 2004 »Die Bierstube«, in deren Signet bis heute das in Lich schon ins Archiv verbannte Hessenmädchen weiterlebt, 2006 das »Feierabend« (mit Küche und hessisch-bayrischer Speisenkarte), 2008 ein weiteres »Prost!« im Westen von Seattle sowie 2009 besagtes Haus in Portland.

So klein ist die Welt!

Der Versuch, mit Chris Navarra zu telefonieren, schlug fehl. Auch via Facebook war er nicht zu bekommen. Da werden wir am Ball bleiben für eine richtig runde Geschichte über US-Bierkultur nach Beuerner Vorbild. Immerhin konnten wir Karin Navarra sprechen – eben zurück aus den USA. Und die bestätigte mit hörbarer Freude die hier zuvor angerissene Bierhaus-Biografie des Sohnes.

Wir bleiben am Ball! (no)

Als dem Scheich die Gesichtszüge entglitten: "Licher"!

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