20. Oktober 2018, 09:30 Uhr

Recycling

Das dritte Leben für die NSDAP-Fahnenmasten

Einst sollten sie das Nazi-Regime loben, nun wehen sie für Toleranz: Die Fahnenmasten vor der Schäferwagenherberge Nonnenroth stammen aus dem Jahr 1933.
20. Oktober 2018, 09:30 Uhr

Vor der Nonnenröther Schäferwagenherberge stehen seit geraumer Zeit drei Fahnenmasten. Bis darauf, dass sie aus Holz sind, fällt einem beim ersten Blick nichts besonderes auf. Dabei verbirgt sich hinter ihnen eine wechselvolle Geschichte.

Vor 85 Jahren wehten an den exakt fünf Meter langen Stecken erstmals Fahnen: Diese hatten drei Farben: schwarz, rot und weiß. Es waren die ersten Masten, an denen in Nonnenroth die Hakenkreuzfahne gehisst wurde. Die NSDAP hatte die exakt fünft Meter langen Holzstangen angeschafft, um damit den Beginn des »1000-jährigen Reichs« zu feiern. Gewalt gegen politische und religiöse Minderheiten, Juden und Andersdenkende sowie der Zweite Weltkrieg folgten.

 

Weiße Fahne gehisst

 

Zwölf Jahre später war das Nazi-Regime Geschichte. Die Fahnenmasten hatten nun einen wichtigen Einsatz: Eilig wurden sie hinauf in den Kirchturm geschafft, an ihnen weiße Flaggen gehisst, um den Fliegern der Alliierten zu zeigen, dass Nonnenroth sich ergeben habe. Das war am 7. Mai 1945. Seitdem lagen die Masten oben auf dem Kirchturm.

Dort wurden sie vor einigen Jahren wiederentdeckt. Doch was mit den geschichtsträchtigen Objekten machen? Zum Wegwerfen oder gar Verheizen waren sie zu schade, zudem noch gut in Schuss. An der Schäferwagenherberge fanden sie nun ihren neuen Platz, ein drittes Leben. Nun tragen sie friedliche Botschaften. Das einmal eine Fahne mit dem Aufdruck »Toleranz« an den Masten hängen würde – das haben die Nationalsozialisten, die sie einst angeschafft haben, wohl nicht erwartet.

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