31. Oktober 2017, 18:13 Uhr

Christliche Freiheit genutzt

31. Oktober 2017, 18:13 Uhr
Die Reformatorin Katharina Zell (Brunhilde Weber, l.) mit Ehemann (Karin Zinnel) im evangelischen Gemeindehaus. (Foto: dw)

Sie waren mutig, klug und wissbegierig. Heute sind sie weitgehend vergessen, obwohl sie für die Verbreitung der reformatorischen Ideen einen wesentlichen Beitrag leisteten. Mit einem Blick auf die Frauen der Reformationszeit startete die evangelische Kirchengemeinde mit Pfarrerin Angelika Maschke gemeinsam mit der Katharina-Zell-Stiftung und dem Frauenkreis in das Jubiläumswochenende.

Vor 500 Jahren brachten die Lehren Martin Luthers vieles in Rollen. Auch Frauen eröffnete die Reformation neue Wege, ebenso wie sie sich selbst auch unerschrocken für seine Gedanken einsetzten, betonte Pfarrerin Angelika Maschke. Zwar galt für Frauen nun die Ehe, nach der Kritik am Klosterleben, als die von Gott gegebene Ordnung. Dafür rückte das weltliche Leben in den Mittelpunkt. Priester durften und sollten sogar heiraten und eine Familie gründen. Es entstand das protestantische Pfarrhaus, in dem die Pfarrfrau eine wichtige Rolle an der Seite ihres Mannes hatte.

Klug und mutig

Zwar sahen die meisten Reformatoren Haus- und Kindsmutter zu sein als die einzige Bestimmung der Frau. Doch in seiner Abhandlung »Vom ehelichen Leben« von 1522 betonte Luther die Gleichwertigkeit der Geschlechter. Vor allem die Einrichtung staatlicher Schulen, wie sie Luther in einer Schrift an die Ratsherren der freien Städte gefordert hatte, brachte Mädchen breiten Zugang zu Bildung und die Bibel in deutscher Sprache eröffnete neue Horizonte. Luthers Schrift »Von der Freiheit eines Christenmenschen« inspirierte schließlich Männer wie Frauen, von ihrer christlichen Freiheit Gebrauch zu machen.

Eine, die dies aufgriff, war Katharina Zell, die am Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus im historischen Gewand, mit ihrem Mann, selbst zu Wort kam (Karin Zinnel und Brunhilde Weber), während die Vorsitzende der Katharina-Zell-Stiftung, Barbara Uhdris, erläuternd zur Seite stand. Als Tochter eines Schreinermeisters in Straßburg geboren, war sie vom Vater gefördert worden. Die reformatorischen Gedanken, die sie in den Predigten ihres späteren Mannes Matthias Zell kennenlernte, griff sie begeistert auf. Briefe, Predigten und Streitschriften und ein Gesangbuch zeugen davon. Mut und Tatkraft bewies sie bei der Versorgung Schutzsuchender und Notleidender. Mit der Katharina-Zell-Stiftung setzen die Evangelischen Frauen in Hessen ihr Vermächtnis fort.

Dass Katharina Zell mit ihrem Engagement nicht alleine stand, machte der Frauenkreis deutlich. Anne Bärbel Kothe, Adelheid Korkesch, Christina Hinkel, Ruth Schnaubelt stellten vier ebenso kluge wie mutige Zeitgenossinnen vor. Als Äbtissin des Stiftes Quedlinburg und Reichsfürstin mit Sitz und Stimme im Reichstag griff Anna, Gräfin von Stollberg (1504–1574), früh für ihr Kloster die reformatorischen Ideen auf. Lieder, von denen eines noch heute im Gesangbuch zu finden ist, verfasste die ehemalige Nonne Elisabeth Cruciger (1500–1535). Ihren politischen Einfluss nutzte die sogenannte Reformationsfürstin Elisabeth, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg (1510–1558). Als »witziges, mutiges und beherztes Weib ging Katharina von Schwarzburg, genannt die Heldenmütige (1509–1567), in die Geschichte ein. Sie soll gar dem katholischen Heerführer Herzog Alba die Stirn geboten haben.

Im Gesang und mit musikalischer Umrahmung von Sabine Schneider-Platt ließen die Gäste diese für die Reformation so wichtigen Frauen und ihre Botschaft aufleben.

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