31. Januar 2019, 22:11 Uhr

»Chill mal dein Leben, Papa«

31. Januar 2019, 22:11 Uhr
Plaudereien aus Familie und Alltag: Martin Guth (r.), hier mit Gitarrist Max Pfreimer.

»Wie wohltuend ist doch die Erkenntnis, dass selbst in Akademiker-Haushalten Erziehung zu 95 Prozent aus Erpressung und Bestechung besteht«: Mit dieser Feststellung eröffnete Martin Guth seine musikalisch-satirische Leseshow »Chill mal dein Leben, Papa« am Mittwochabend im Hungener Kulturzentrum. Witzig und nicht immer ganz ernst erzählte Guth Geschichten aus seinem Familienleben mit drei Frauen und den »alltäglichen familiären Katastrophen« in einer Mischung aus Ernsthaftigkeit, Ironie und Humor, gepaart mit viel Wortspielerei. Da ging es um ganz alltägliche Themen in der Familie und um Ernsteres wie die Kindergeburtstage, die Urlaube mit der Familie, das Glockenspiel, Eselsbrücken, Teatime, eine Bäckereiverkäuferin, das neue Jahr und Integration. Und so erzählte Guth.

Wenn man aus dem Saarland oder Schleswig-Holstein nach Hessen kommt, dann muss man sich integrieren. Das musste auch eine Dame aus dem ostwestfälischen Lippstadt erfahren, die sich mit ihrem Umzug nach Oberhessen wesentlich verbessert habe, so Guth. Sie erlebte in Muschenheim, »einem Dorf mit 320 Einwohnern und zwei Nachnamen« für sie unverständliche und kuriose Geschichten. Vor allem verstand sie das oberhessische Platt nicht, mit dem sie im Gasthof »Zum wilden Mann« mit Fremdenzimmer und eigener Schlachtung konfrontiert wurde, was zu merkwürdigen Dialogen führte. In einer anderen Geschichte hatte sich Martin in eine Bäckereiverkäuferin verliebt; sie war sein »Schwarm«. Lange hatte er überlegt, wie er sie für sich gewinnen konnte. Eines Samstagmorgens, der Laden war rappelvoll, sang er ihr ein Ständchen »Du bist meine Sahneschnitte, mein süßes Plunderstückchen. Du bist so süß, und ich bin so scharf...« Statt mit einer Hochzeitstorte endete die Geschichte leider mit einem Pustekuchen.

Nicht-vegane Lieder, Tee für alle Fälle

In Limburg hatte eine Veganerin verlangt, dass aus dem Glockenspiel das Lied »Fuchs, du hast die Gans gestohlen« wegen des Verses »...sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr« herausgenommen wird. Dem wurde zunächst auch Rechnung getragen. Guth griff das Thema auf: »Wo kommen wir hin, wenn wir, wenn es dem fleischlosen Kopf eines Veganers gefällt, auf Sprüche wie ›Klappe zu, Affe tot‹, ›da wird der Hund in der Pfanne verrückt‹ oder ›ich habe einen dicken Fisch an der Angel‹, verzichten müssen?« Damit nicht genug, Guth blieb am Thema dran: »Was ist eine Demonstration von Veganern? Ein Gemüseauflauf!« Gemeinsam mit dem Kabarettisten sang das Publikum dann auch die »nicht veganen« Lieder »Ein Hund kam in die Küche« und »Auf einem Baum ein Kuckuck saß«.

Was Guth in seinem Programm gelegentlich bemängelt, ist, dass in seiner Familie alles mit demokratischem Mehrheitsbeschluss entschieden wird – »aber bei drei Frauen bin ich leider in der Minderheit«. Kurz nach der Pause offerierte er unter »Teatime« seine Tees für alle Fälle: Ingwertee mit Honig bei Erkältungen, Kamillentee für die Festlegung des Termins beim Bestatter, »Geistesblitz« – wenn man bei »Wer wird Millionär« mitmachen möchte, Yogi-Atem nach Zaziki-Genuss oder »Woman Balance«, wenn man zwei Frauen parallel »am Start« hat.

Martin Guth trat mit Max Pfreimer (Gitarre) auf. Die beiden boten eine tolle Veranstaltung und ernteten dafür viel Beifall vom Publikum – nicht zu vergessen die Gluckser und Lacher während der Veranstaltung. Wie immer in Hungen gab es in der Pause Schnittchen und Getränke, zelebriert von den Helfern der Stadtbücherei. (Foto: kjg)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bestechung
  • Erpressung
  • Familienleben
  • Kindergeburtstage
  • Kulturzentrum Hungen
  • Urlaub und Ferien
  • Hungen
  • Karl-Josef Graf
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.