10. April 2019, 10:00 Uhr

Kfz-Gewerbe

Celine Bachmann lässt 113 Männer bei Gesellenprüfung hinter sich

Sie hat als Innungsbeste die Gesellenprüfung zur Kfz-Mechatronikerin abgeschlossen. Jetzt macht sie ihren Meister. Celine Bachmann behauptet sich als Frau in einer Männerwelt.
10. April 2019, 10:00 Uhr
jung
Von Christina Jung

Celine Bachmann beugt sich über die Motorhaube eines alten Mercedes. Schraubenschlüssel und Taschenlampe in der Hand. Der Wagen macht keinen Mucks mehr. Fehlersuche ist angesagt.

Zwei weitere Fahrzeuge warten nebenan in der großen Halle darauf, dass man sich ihnen annimmt. Ein viertes steht fertig repariert zur Abholung bereit.

Werkstatt ist ihre Welt

Hier in der Werkstatt ihres Vaters fühlt sich die 20-Jährige wohl. Hier ist sie in ihrem Element. Im Dezember hat Bachmann die Gesellenprüfung zur Kfz-Mechatronikerin abgeschlossen. Als Innungsbeste.

Als sie im Februar während der Freisprechungsfeier Zeugnis und Gesellenbrief überreicht bekam, hatte sie bereits die erste Woche Meisterschule hinter sich. Denn irgendwann will sie den Betrieb in der Rudolf-Diesel-Straße in Steinbach übernehmen.

Ihr Vater hatte ihn 1997 gegründet, in einer Doppelgarage neben dem Wohnhaus im Klosterweg. Ein Jahr später kam das Töchterchen auf die Welt und ging – kaum, dass es laufen konnte – zwischen Kupplungen, Keilriemen und Bremsbelägen ein und aus.

Ich habe mich schon als Kind für Autos interessiert und Papa bei der Arbeit über die Schulter geschaut

Celine Bachmann

»Ich habe mich schon als Kind für Autos interessiert und Papa bei der Arbeit über die Schulter geschaut«, erzählt sie.

Ein typisches Mädchen sei sie nie gewesen, anstatt mit Puppen spielte sie mit kleinen Flitzern. Als Jugendliche ging sie dem Vater in den Schulferien zur Hand. Und dem Großvater, der seit der Firmengründung ebenfalls mit von der Partie war und bis heute – mittlerweile 81 Jahre alt – täglich in der Werkstatt vorbeischaut.

»Ich habe das irgendwie in die Wiege gelegt bekommen«, meint Bachmann.

Ob sie je einen anderen Berufswunsch hatte? »Nie«, sagt sie. »Schon im Kindergarten habe ich immer gesagt, dass ich mal Autoschlosser werden will.«

Ein anderer Beruf kam für mich nie in Frage

Celine Bachmann

Und auch später bei Berufsfindungstagen an der weiterführenden Schule hatte sie nur den Kfz-Mechatroniker im Blick.

Informationsblätter zum Abitur landeten auf direktem Weg im Mülleimer. Dabei hätten ihre schulischen Leistungen längst ausgereicht. Bachmann: »Es kam für mich einfach nicht in Frage.«

Nach wie vor Männerdomäne

Mit ihrer Entscheidung für den Beruf hat Bachmann den Schritt in eine Männerdomäne gewagt. Von 115 Gesellen in ihrem Abschlussjahrgang gab es außer ihr nur noch eine weitere Frau.

Trotz Girls Day und Berufsmessen ist die Zahl der weiblichen Absolventinnen gleichbleibend niedrig, sagt Carsten Müller, Obermeister der Kfz-Innung Oberhessen und Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

In seinem eigenen Betrieb in Lich haben für das im August beginnende Ausbildungsjahr 15 Bewerber angeklopft – allesamt Männer. Nur zwei, drei weibliche Auszubildende legen im Zuständigkeitsbereich der Innung (Landkreise Gießen, Vogelsberg und Wetterau) jedes Jahr die Gesellenprüfung ab.

Dass der Beruf nach wie vor von Männern dominiert wird, führt Müller zum einen auf die körperlich sehr anstrengende Arbeit zurück. Zum anderen auf die Tatsache, dass der Job aufgrund von zunehmender Elektronik im Auto immer anspruchsvoller wird. Außerdem brauche es ein starkes Selbstbewusstsein, um sich als Frau in dieser Männerwelt zu behaupten.

All das stört Celine Bachmann nicht. Im Gegenteil. Dass man in dem Beruf vor immer neue technische Herausforderungen gestellt wird, motiviert sie.

»Es wird nie langweilig«, findet Bachmann. Allerdings musste sie erfahren, dass der dreieinhalbjährige Weg zum Berufsabschluss für eine Frau nicht immer leicht ist.

Als Frau muss man sich in dem Beruf beweisen, zeigen, dass man etwas auf dem Kasten hat

Celine Bachmann

»Anfangs wird man von vielen nicht ernst genommen«, erzählt die Kfz-Mechatronikerin. »Man muss sich beweisen, zeigen, dass man etwas auf dem Kasten hat.«

Der Steinbacherin ist das schnell gelungen. Zum einen, weil sie wegen ihrer Vorkenntnisse aus dem Familienbetrieb von Anfang an gut in Job und Schule war. Zum anderen, weil sie mit den Jungs klar kam.

In ihrer Freizeit tauscht die 20-Jährige die Werkstatt-Kleidung aber gerne gegen ein sportlich-schickes Outfit. Häufig trägt sie Bluse, Jeans und Turnschuhe, wenn sie ausgeht – Mädchen-Klamotten eben.

Ein angemessenes Auto gehört allerdings dazu, und zwar ihr blank polierter Mini Cooper S in Creme mit 215 PS unter der Haube. Denn auf drei Dinge legt Bachmann bei ihrem Wagen besonders Wert: »Glanz, breite Reifen und einen richtig guten Sound.«



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