14. September 2019, 15:00 Uhr

Rettungsdienst

Busfahrer schreit in Leihgestern Rettungswagenbesatzung an

In Linden soll ein Busfahrer die Besatzung eines Rettungswagens angeschrieen haben, weil er an dem im Einsatz befindlichen Fahrzeug nicht vorbei kam
14. September 2019, 15:00 Uhr
Rettungskräfte der Johanniter bei einer Übung. In Leihgestern wurde am Donnerstagabend die Besatzung eines Rettungswagens von einem Busfahrer beschimpft, da ihm das im Einsatz befindliche Fahrzeug im Weg stand. (Symbolfoto: dpa)

Donnerstagabend in Leihgestern: Rettungskräfte werden zu einem Notfall in der Rathausstraße gerufen. Mit Blaulicht und Warnblinker stellen sie ihr Fahrzeug am Straßenrand ab, eilen dann zum Patienten, der dringend ihre Hilfe braucht. Kurze Zeit später hallt lautes Hupen durch die Straße. Der Linienbus kommt wohl an dem Rettungswagen nicht vorbei. Als einer der Retter nach draußen kommt, um den Tragestuhl zu holen, damit der Patient ins Krankenhaus gebracht werden kann, soll er vom Busfahrer beschimpft und angepöbelt worden sein.

Hupkonzert auf der Straße

So wie viele andere Anwohner auch wurde Andreas Kühn durch das Hupen des Busses erst auf den Rettungseinsatz aufmerksam. Das Verhalten des Busfahrers sorgt bei ihm für Kopfschütteln und Verärgerung: »Das kann nicht sein, dass hier Sanitäter angepöbelt werden. Das ist eine Sauerei.« Vor allem kann er nicht verstehen, dass wenn der Busfahrer so in Eile war, nicht ein paar Meter zurückgesetzt und am Heimatmuseum gewendet hat, da dort ein Wendeplatz ist.

Ein Rettungswagen der Johanniter war in Leihgestern im Einsatz. Pressesprecherin Miriam Feuerstein bestätigte nach Rücksprache mit den Einsatzkräften, dass es zunächst ein Hupkonzert gegeben habe. »Beim Holen des Tragestuhl schrie der Busfahrer die Besatzung an«, berichtet Feuerstein.

RMV und Busfirma nehmen Vorfall ernst

Beim RMV nimmt man den Vorfall ernst. Ein Busunternehmen bediene im Auftrag die Linie. Dieses habe man umgehend kontaktiert, sagte Pressesprecherin Vanessa Rehermann. »Das Unternehmen hat uns zugesagt, ein Mitarbeitergespräch mit dem betreffenden Fahrer zu führen und sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.« Das Busunternehmen sagte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Geschäftsleitung den Fahrer nun für einen Gespräch einbestellen will. »Das ist ein unmögliches Verhalten«, bedauert man hier. Generell würden die Busfahrer für die Arbeit der Rettungskräfte hohes Verständnis haben.

Beschwerden über laufende Heizung des RTW

»Es kommt leider häufig vor, dass man beschimpft wird, weil man keinen Parkplatz findet«, sagte Dirk Rausch, Bereichsleiter Rettungsdienst. Generell sei man bemüht, die Fahrzeuge so abzustellen, dass sie den Verkehr nicht behindern. Doch im Notfall könne man nicht nur eine Runde um den Block drehen, nur um einen Parkplatz zu finden. Teils kann man über die Kritik nur den Kopf schütteln: »Wenn man im Winter die Heizung anlässt, damit der Patient es warm hat, wird einem gesagt, das wäre Umweltverschmutzung«, berichtet Rausch. »Es geht um Leben und Tod. Da muss man sich fragen, ob das verhältnismäßig ist«, sagt Pressesprecherin Feuerstein. Jedoch handele es sich bei solch uneinsichtigen Zeitgenossen um Einzelfälle. In der Regel könnten die Rettungskräfte im Landkreis Gießen ihre Arbeit ungestört leisten.

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