07. Januar 2018, 18:00 Uhr

Busecker Adel

Busecker Adel hinterlässt Anwesen in der Wetterau

Warum ist ein Anwesen in Stammheim noch heute als Busecker Hof bekannt? Heimatkundler aus dem Gießener Land und der Wetterau gehen gemeinsam auf Spurensuche – und finden die Lösung.
07. Januar 2018, 18:00 Uhr
Mitten in Stammheim in der Wetterau befinden sich zwei Wohnhäuser, die als Adelsgut Busecker Hof bekannt sind. Das unten abgebildete Wappen ist über der Eingangstür des hinteren Hauses befestigt. (Foto: HABu)

Der »Busecker Hof« in Stammheim ist noch heute den ortsansässigen Wetterauern bekannt. In Buseck hingegen kennen ihn die wenigsten. Das könnte sich nun ändern. Der ehemalige Gutshof im Stadtteil von Florstadt hat nämlich nicht nur im Namen eine Verbindung ins Gießener Land, wie sich kürzlich zeigte. Vor mehr als 200 Jahren gehörte das Anwesen der Familie von Buseck. Das zeigen Nachforschungen des Heimatkundlichen Arbeitskreis Buseck und des Stammheimer Arbeitskreis Dorfgeschichte. Die entscheidenden Hinweise gab eine Akte im Staatsarchiv Darmstadt sowie ein Wappen an der Fassade des Hofes.

Rund 40 Kilometer von Buseck entfernt hängt ein großes Wappen über der Eingangstür eines Wohnhauses in Stammheim. Einst wurde der Busecker Gutshof von Adligen verwaltet. Das Wappen hatten örtliche Heimatkundler schon vor Jahren inspiriert. Doch erst im November nahm Christina Hofmann als neues Arbeitskreismitglied Kontakt nach Buseck auf. »Die Stammheimer vermuteten eine Ehe zwischen den Familien Buseck und Löw von Steinfurt«, erklärt Elke Noppes, zweite Vorsitzende des Busecker Arbeitskreises. Diese Vermutung war jedoch falsch.

Sie finden Buseck über die ganze Welt verteilt

Elke Noppes, Heimatkundlerin

»Es handelt sich um ein Allianzwappen der Familien von Buseck und von Trillitz.« Da beide Familien einen Kranich im Wappen führen, wurden sie schlicht verwechselt. Der Familie von Trillitz entstammt Magdalena Charlotte Antonette Luise, die Frau des Adeligen Philipp Ludwig Georg Friedrich von Buseck. Sie brachte das Anwesen mit in die Ehe. Auf ihre Verstrickungen mit dem Adel aus dem Busecker Tal stießen die Heimatkundler in historischen Dokumenten im Staatsarchiv in Darmstadt.

 

Was machen Busecker in der Wetterau?

Bisher unbekannte Fakten über den Busecker Hof entlockte Hofmann vor wenigen Wochen dem Pachtvertrag. Magdalena war Eigentümerin des Hofes und verpachtete das Gut 1790 nach dem Tod ihres Mannes an den Conrad Geis. Im Vertrag heißt es: »...verkaufe ich das freiadlige Gut mit allen Gerechtigkeiten, die Bierbrauerei, die Stümpfe im Stammheimer Wald, die Wohnung, die Scheune, die Stallungen wie auch Ackerland, Wiesen und Gärten«.

Doch was führte die Busecker überhaupt in die Wetterau? »Sie konnten sich allein aus dem Busecker Tal nicht ernähren«, sagt Noppes. So seien viele ausgezogen, hätten anderswo ein Auskommen gesucht oder reich geheiratet – so wie etwa nach Stammheim. Von Buseck aus seien sie ins Gießener Land, in die Wetterau und sogar bis in die USA gezogen. »Sie finden Buseck über die ganze Welt verteilt«, sagt Noppes.

 

Adelige wollte schon 1790 die Natur schützen

Um die gemeinsamen Recherchen zu besprechen begrüßte Rolf Lutz, Leiter des Arbeitskreises Dorfgeschichte, beim 16. Erzählcafé Ende November in Stammheim eine Delegation aus Buseck. Neben Noppes war auch Rechnerin Ute Zecher dabei. Als sensationell bezeichnete Lutz bei der gemeinsamen Veranstaltung die umweltfreundlichen Auflagen im Pachtvertrag. So musste sich der Pächter verpflichten, »das Gras regelmäßig zu mähen, die Abwässergräben regelmäßig zu säubern und keinen Obstbaum in den Gärten ohne Ersatz abzuhauen«.

Das Hofgut verkaufte der Sohn von Magdalena 1798 schließlich an den Pächter Geis und seine Familie. Sie baute das Anwesen nach und nach aus. In einem der Gebäude entstand ein Gasthaus sowie ein großer Versammlungsraum, in dem die Stammheimer bis in die 1980er Jahre Feste feierten. Auf dem Areal befinden sich heute zwei Wohnhäuser, die noch den Nachfahren des ersten Pächters Geis gehören. (Mitarbeit: sl)

Info

Kämpferische Witwe

Magdalena Charlotte Antonette Luise von Trillitz ist 1742 in Reichelsheim geboren. 1771 heiratet sie Philipp Ludwig Georg Friedrich von Buseck. Sie bringt drei Kinder zur Welt von denen eines 1778 in Stammheim geboren und getauft worden sein soll. Ihr Mann verstarb 1781 in Alten-Buseck. Nach nur 10 Jahren Ehe war Magdalena Witwe und musste um die Aufnahme ihrer Söhne in die Ganerbschaft des Busecker Tales kämpfen. Sie stirbt 1794 in Großen-Buseck.

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