10. Oktober 2017, 16:01 Uhr

Bürgermeisterwahl Biebertal

Bürgermeisterwahl in Biebertal: Auf ein Hähnchen beim Hirschwirt

Die Biebertaler haben am Sonntag die Wahl. Wir haben die beiden Kandidaten im Wahlkampf begleitet. Heute: Unterwegs mit Patricia Ortmann.
10. Oktober 2017, 16:01 Uhr
Sprechstunde im Dorf-Gasthof – so kann sich Patricia Ortmann den Dialog mit den Bürgern vorstellen. (Foto: so)

Die Ortmann ist gut. Die ist so herzlich normal«, raunt mir eine Königsbergerin zu und schiebt nach: »Die ist ja auch gegen Windkraft«. Mit dem Argument hat man leichtes Spiel oben auf dem Berg. Dort hat Patricia Ortmann vor zwei Wochen mit mehr als 58 Prozent ihr bestes Ergebnis eingefahren, der aus dem Amt gewählte Thomas Bender sein schlechtestes.

Aber wer geht an einem Mittwoch um 12.30 Uhr in den »Hirschen«? Jedenfalls alle, die ein halbes Hähnchen mit Pommes rot-weiß und gemischtem Salat zu schätzen wissen. Und zugleich das Gespräch mit der Kandidaten suchen, die von den Freien Wählern gestützt wird.

Zu Besuch beim Handwerksmeister

So wie etwa der Handwerksmeister Stephan Heinrich aus Frankenbach, der mit seinem Gesellen zum Essen kommt. »Ich habe mich auf Frau Ortmann gefreut«, sagt er frei heraus. Warum? Um ihr sogleich sein Leid zu klagen: Dass es eben mit dem ÖPNV so gar nicht funktioniert: Ein Lehrling aus Vetzberg hat die Stelle bei ihm ebenso wenig angenommen wie der Langzeitpraktikant aus Rodheim: Die beiden könnten mit dem Bus nicht pünktlich morgens um 7 bei ihm in der Schreinerei in Frankenbach sein.

Patricia Ortmann sagt zu, das Thema mitzunehmen. Und spannt den Bogen sogleich etwas weiter: Sie möchte das ganze Straßen- und Verkehrswegenetz in der Gemeinde unter die Lupe nehmen, auch und gerade die Radwege-Verbindungen kleinräumig anschauen. Und berichtet von eigenen Erfahrungen mit ihren zwei jüngeren Kindern auf einer Radtour »durchs schöne Biebertal« in diesem Frühsommer: »Auf einmal standen wir auf einem Weg im Schotter.«

Thema mit vielen Facetten

Das Thema hat viele Facetten – so etwa auch den Einkaufsbus, der die nicht mehr individuell mobilen Menschen nach Rodheim fährt. Ob der auch einmal vor der Apotheke halten kann? Oder bei der Krankengymnastik? Oder gar mal zu Aldi nach Erda...? Auch das notiert Patricia Ortmann und sagt, dass der Bus sicherlich auch beim neuen Edeka in Rodheim halte. »Der kommt doch eh nicht...« sind die Königsberger beim Hirschwirt skeptisch.

Wobei es eher die kleinen Dinge sind, die den Leuten unter den Nägeln brennen: Während die Kandidatin das Stichwort sanften Tourismus in den Raum stellt, um zu erfahren, was man davon hält, verbinden die Königsberger mit dem Stichwort Naherholung ganz schnell auch die Gassigeher und das lästige Problem mit dem Hundekot. In Fellingshausen haben sie sogar vom Erlös des Backhausbrot-Verkaufs Mülleimer dafür gekauft, weiß einer genau Bescheid.

 

Mit mir zieht Fördermittelkompetenz ins Rathaus ein

Patricia Ortmann

Auch das Stichwort »Älter werden und dörfliche Infrastruktur« verfängt nicht so sehr bei den Gesprächspartnern, die an den Hühner-Beinchen nagen, während die Kandidatin Thai Curry mit Scampi (»Scharf?« – »Ja. Richtig scharf…«) genießt.

Patricia Ortmann kann sich gut vorstellen, in den Dörfern mehr zu netzwerken, um ganz viele Beteiligte zusammenzubringen. Um so Strukturen zu schaffen, in denen das Altwerden in gewohnter Umgebung gut möglich wird. Wobei sie das Thema nicht auf Alte beschränkt sehen will: Betreuung muss von ganz klein bis ins ohhe Alter in einem Gesamt-Kontext gesehen werden. Besonders wichtig ist ihr, dass die Ortschaften zentrale Anlaufstellen, Treffpunkte, Orte der Kommunikation haben: Markt, Bäckerlädchen, Gaststätte… Damit sie eben nicht zu reinen Schlaf-Stätten werden.

Gespräche auf dem Wochenmarkt

Ortswechsel: In Fellingshausen sucht die Kandidatin das Gespräch mit den Bürgern auf dem Wochenmarkt, wird von jungen Müttern angesprochen und schaut zugleich bei der Schülerbetreuung in der Mehrzweckhalle rein. Dort sieht sie den Raum, in dem der Bürgermeister seine regelmäßigen Sprechstunden anbietet, und kommt schnell zum Schluss: »Also ich werde, wenn ich Bürgermeisterin bin, mit den Menschen auf dem Markt sprechen«.

Kein Wort derweil über den Mitbewerber Michael Borke, mit dem Patricia Ortmann in vielen Sachfragen (Hallenbad, Fotovoltaik auf kommunalen Dächern, Feuerwehrvereine in jedem Dorf, Neuauflage eines interkommunalen Gewerbegebietes) dicht beieinander ist, wie sich bei einer Kandidatenrunde des Gießener Anzeigers am Sonntag in Fellingshausen nochmals gezeigt hat.

Zumal die beiden auch im direkten Miteinander pfleglich und fair miteinander umgehen: Am Wochenende hatten sie ihre Infostände beim Rewe dicht an dicht: Borke schenkte der Mitbewerberin zum Ende hin ein Sträußchen Rosen. Und sie revanchierte sich mit einem dicken Apfel. Garantiert nicht vergiftet.

*

Morgen lesen Sie: Unterwegs mit dem Kandidaten Michael Borke.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aldi Gruppe
  • Edeka-Gruppe
  • Freie Wähler
  • Hähnchen
  • Politische Kandidaten
  • Rewe Gruppe
  • Sozialdemokraten
  • Thomas Bender
  • Wahlkampf
  • Wähler
  • Rüdiger Soßdorf
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen