31. August 2017, 05:00 Uhr

Zusammenarbeit

Bürgermeister in Lollar und Staufenberg als Bremser?

Manchen Lollarer Stadtverordneten geht das Zusammenwachsen der Verwaltung mit Staufenberg nicht schnell genug. Sie glauben, dass die beiden Bürgermeister den Prozess bremsen.
31. August 2017, 05:00 Uhr
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Von Kays Al-Khanak
Das Rathaus in Lollar.

Das Zusammenwachsen der beiden Verwaltungen in Lollar und Staufenberg geht einigen Lollarer Stadtverordneten nicht schnell genug. Im Stadtparlament kritisierte unter anderem Markus Wojahn von der CDU, Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek und dessen Amtskollege Peter Gefeller würden diesen Prozess bremsen. Zustimmung erhielt er dafür aus Reihen der SPD und der FDP.

Maus statt Elefant

Hintergrund: Lollar und Staufenberg wollen »mittelfristig« eine Verwaltung bilden, ohne dabei die Eigenständigkeit der beiden Städte in Frage zu stellen. Die Stadtverordneten sollten den Auftrag an eine Beratungsfirma geben, die den Prozess zur interkommunalen Zusammenarbeit begleiten soll. Bislang seien 80 000 Euro an Fördermitteln für das Zusammenwachsen bewilligt worden, heißt es in der Tischvorlage. Dieser Betrag würde die Beratungskosten decken. Nachdem die CDU unter anderem nach der Vergabepraxis gefragt hatte, entwickelte sich die Diskussion schnell in eine andere Richtung; im Zentrum dabei die. Grundsatzfrage, wie schnell – oder wie langsam eine enge Zusammenarbeit der beiden Städte abläuft.

2013 war bei der Zusammenarbeit der beiden Nachbarstädte noch der große Wurf geplant. Doch Hartmut Bierau von der SPD registrierte zwei Jahre später: »Ein Elefant sollte zur Welt kommen, und jetzt ist eine Maus geboren worden.« Damit meinte er die gemeinsame Stadtkasse. Bis 2019, so das Ziel, sollen die Finanzabteilungen sowie die Haupt- und Personalämter zusammengelegt werden. Wieczorek erklärte, dass die Verwaltungsgremien bald zusammen tagen wollen. Parallel dazu sollen die Bauämter fusioniert werden.

Mehr Schub gewünscht

Bierau hatte 2015 gesagt, für den »großen Wurf« sei viel Fördergeld versprochen worden. Jetzt betonte er im Stadtparlament, »die Scheibchenlösung« brauche niemand. Nur mit mehr Mut zur Veränderungen seien auch finanzielle Vorteile gegeben. Bierau plädiert für eine freiwillige Gebietsreform. Nur »Indianer« zu sparen, entlaste die Stadt kaum. Ein »Häuptling«, also ein Bürgermeister genüge; das müssten die beiden Behördenchefs aber den Menschen in ihren Städten erklären. Neben Bierau und Wojahn äußerte sich auch Hartmut Wirth (SPD) kritisch. »Beim Begriff des Bremser stimme ich zu 100 Prozent zu.« Auch Cornelia Meykemper (FDP) wünscht sich »mehr Schub«.

Am Ende erteilte das Parlament der Beratungsfirma den Auftrag – bei vier Gegenstimmen von SPD und CDU sowie fünf Enthaltungen von FDP und Grünen.

Kommentar

Trippelschritte sind zu wenig

Hartmut Bierau legt wieder den Finger in die Wunde – und das ist richtig. In Sachen interkommunaler Zusammenarbeit wagen viele Städte und Gemeinden eben nicht den großen Wurf. Dabei wäre der notwendig. Um in Bieraus Worten zu bleiben: Mehr Elefant statt Maus wagen! Das ist aber nicht nur in Lollar und Staufenberg so, sondern auch in Allendorf/Lumda und Rabenau. Scheibchenweise und mit Trippelschritten nähern sich die Kommunen einander an, legen mal hier eine Stadtkasse zusammen, visieren mal dort eine Kooperation in den Bauämtern an. Meist mit dem Hinweis, dass die Eigenständigkeit der Städte natürlich nicht angerührt wird. Kommunen mit bis zu 10 000 Einwohnern müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie die vielen Aufgaben als kleine Einheit alleine stemmen können. Zuallererst sollten Rabenau und Allendorf mehr Mut und vor allem mehr Tempo an den Tag legen und eine freiwillige Gebietsreform anstreben, dann Städte wie Staufenberg und Lollar. Dass die Gesellschaft teilweise weiter ist als die Politik, zeigt sich im Sport. Viele Vereine haben aus der Not eine Tugend gemacht und sich über die Ortsgrenzen zusammengeschlossen – erfolgreich. Kays Al-Khanak



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