28. März 2017, 10:00 Uhr

Lahnau

Bürgermeister Schultz: »Ich würde nichts anders machen«

Nach zwei Amtszeiten als Lahnauer Bürgermeister geht Eckhard Schultz Ende Juni in Rente. Was er bis dahin noch auf den Weg bringen möchte, und wo sein wunder Punkt ist, erzählt er im Interview.
28. März 2017, 10:00 Uhr
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Von Rüdiger Soßdorf
Auf der Zielgeraden: Eckhard Schultz ist noch drei Monate im Amt. Der scheidende Bürgermeister ist mit sich und der (Lahnauer) Welt im Reinen. (Foto: kim)

Die Christdemokratin Silvia Wrenger-Knispel ist am 19. März in einer Stichwahl zur neuen Verwaltungsleiterin bestimmt worden. Sie übernimmt ihr Amt am 1. Juli, wenn Eckhard Schultz (64) in Rente geht. Zwölf Jahre stand der Sozialdemokrat an der Spitze der Verwaltung im Rathaus in Dorlar. Er war 2011 ohne Gegenkandidaten wiedergewählt worden. Vor 2005 war der gelernte Jurist Parlamentsvorsitzender in seiner Wahlheimat Lahnau. Ob im Ehrenamt oder im Hauptamt: Schultz führte die Geschäfte äußerst unaufgeregt.

Herr Schultz, was bleibt noch zu erledigen, bevor Sie den Schreibtisch für Frau Wrenger-Knispel räumen und die Schlüssel übergeben?

Eckhard Schultz: Besondere »Erledigungsaufgaben« gibt es nicht, die Arbeit geht ja – lediglich unter neuer Führung – weiter. Für die Gemeinde Lahnau und mich bedeutet dies, den Blick über den 1. Juli hinaus zu richten. Einzig mein Büro ist ein wenig zu entrümpeln, weil hier noch einige Aktenordner zu lange erledigten Vorgängen stehen, die zum Teil entsorgt werden können, wenn die neue Bürgermeisterin damit einverstanden ist.

Wird Ihre Nachfolgerin bei Ihnen hospitieren und es damit quasi einen fließenden Einstieg respektive Übergang geben?

Schultz: Selbstverständlich kann meine Nachfolgerin bei mir hospitieren; sie hat sich für den Juni bereits angemeldet. Auch nach dem 1. Juli werde ich beratend zur Verfügung stehen, wenn sie den Wunsch hat. Sie verfügt aber auch über sehr qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sie bei ihrer Amtsführung unterstützen werden. Diese waren auch für mich immer wichtige Ansprechpartner bei meiner Entscheidungsfindung.

Wenn Sie auf zwölf Jahre im Amt zurückschauen: Wo haben Sie am stärksten etwas bewegen respektive gestalten können?

Schultz: Ich schaue eigentlich bis heute nur voraus. Dazu gehört, kommunale Bedarfssituationen frühzeitig zu erkennen und zu einer schnellen und qualitativ hochwertigen Lösung zu kommen. Spontan fällt mir ein: Ausbau des Ganztagesangebots für Kinder ab dem ersten Lebensjahr, schnelles Internet, ein Pflegeheim nach dem Hausgemeinschaftskonzept, Stärkung unserer Gewerbelandschaft mit Schaffung einer Vielzahl von qualifizierten Arbeitsplätzen.

Und was ist in die Hose gegangen? Stichwort Amthof; die von der Gemeinde nicht übernommene aufgegebene Grundschule Atzbach?

Schultz: Der Amthof ist in der Tat ein ganz wunder Punkt, weil ich als Jurist lernen musste, dass rechtliche Rahmenbedingungen politisch nicht nachvollzogen wurden. Es hilft aber nicht, damit zu hadern. Als Bürgermeister muss man immer wieder auf alle Mandatsträger zugehen und um nachhaltig gute Lösungen für Lahnau herbei zu führen. Man darf nie nachtragend in diesem Job sein.

Gibt es etwas, was Sie rückblickend anders machen würden?

Schultz: Nein, es gibt nichts, was ich anders machen würde.

Es ist eher heikel, einer Nachfolgerin gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Dennoch bitte der Blick nach vorn auf die kommende Zeit: Was steht an dringenden Aufgaben in und für Lahnau an? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Schultz: Verbesserungswürdig sind immer noch die Angebote für die ältere Generation in Lahnau. Unerfüllt sind bis heute die Wünsche nach Tages- und Kurzzeitpflegeplätzen in Lahnau. Dann müssen dringend sowohl Wohnbau- als auch Gewerbeflächen in Lahnau entwickelt werden, weil die Gemeinde zurzeit kein Vermarktungsangebot mehr machen kann.

Und ganz persönlich: Was werden Sie im Ruhestand angehen? Lockt das Motorrad? Vor allem aber: Bleiben Sie Lahnau verbunden?

Schultz: Motorrad ist ein schönes Hobby, aber auch das Fahrrad soll wieder mehr bewegt werden, weil es für die allgemeine Fitness wichtiger ist. Ansonsten werden meine Frau, die am gleichen Tag in den Ruhestand geht, und ich einige Reisen gemeinsam unternehmen. Zwei Enkelkinder werden uns familiär sicher mehr fordern können als in der Vergangenheit. Ich sehe weit und breit kein tiefes Loch, in das ich fallen könnte. Es ist ein guter Zeitpunkt, jetzt loszulassen und nach neuen Aufgaben Ausschau zu halten. Lahnau bleibt dabei der Lebensmittelpunkt.



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