16. Oktober 2019, 21:26 Uhr

Bündnis bringt Bietergemeinschaft ins Spiel

16. Oktober 2019, 21:26 Uhr
Die Buderushäuser im Holzmühler Weg erwarb die Firma BG-Haus im Jahr 2015. Sie wurden energetisch saniert und renoviert. Der übrige Wohnungsbestand von Buderus soll als »Paket« veräußert werden. (Foto: vh)

ist die Stadt des Sports, der Nationalitätenvielfalt und des sozialen Wohnungsbaus. Anbieter für günstige Wohnungen sind die örtliche Baugenossenschaft Lollar/Lumdatal und Wetzlarer Buderus Immobilien-Gesellschaft. An diesem altbewährten Gleichklang könnte sich bald etwas ändern. Die Robert Bosch GmbH will ihre Tochtergesellschaft, Buderus Immobilien GmbH, verkaufen - und zwar bis zum Jahresende.

Somit kämen rund 1000 Wohneinheiten, 204 davon in Lollar, 633 in Wetzlar, weitere im Lahn-Dill-Kreis, dazu einige Grundstücke und Verwaltungsmitarbeiter, in fremde Hand. Den Zuschlag soll der Meistbietende erhalten. Es wird befürchtet, dass ein »Großer« der Immobilienbranche das Rennen macht. Besorgnis über steigende Mietpreise im Gefolge äußerten ein regionales Bündnis aus DGB, Deutschem Mieterbund und SPD in einem Brandbrief an Bosch.

Diese Woche informiert das Bündnis die Mieter. Den Anfang machte die Mieterversammlung im Bürgerhaus Lollar. Es begrüßte Matthias Körner (Geschäftsführer DGB-Mittelhessen). Redner waren Willibald Schlagbaum (Mieterbund), Stefan Kaisers (Mieterverein Gießen), Robin Mastronardi (DGB) und Klaus Zecher (DGB-Kreisvorsitzender). Angesichts von 600 betroffenen Mietern war die Zuhörerzahl dürftig. Die Kommunalpolitik vertraten Erster Stadtrat Bernd Maroldt (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Horst Klinkel (SPD) und Gerhard Born (Grüne).

Info-Stand in Ebert-Straße

Mastronardi erläuterte das Bündnisziel. Man möchte verhindern, dass eine »Heuschrecke« die Gesellschaft übernimmt und aus den Wohnungen maximalen Gewinn herausholt. Bezahlbarer Wohnraum soll Bestand haben. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn die Mietshäuser in gemeinnützige Hände kämen. Bosch habe zwar mitgeteilt, es gebe keine Mietsteigerungen aufgrund des Verkaufs, doch, wie könne Bosch das gewährleisten, »eine Sozialcharta wurde nicht vorgestellt«, so Mastronardi.

Kaisers informierte, laut einer gesetzlichen Schutzregel müsse der künftige Eigentümer bestehende Mietverträge übernehmen. Investoren würden aber mutmaßlich neue Verträge zuschicken. Diese könne man unbeantwortet lassen. Künftige Mieterhöhungen und Umlagen aus Modernisierungsbedarf (etwa energetische Sanierung) seien im zulässigen Rahmen aber zu befürchten. Hinzukomme die Umwandlung in Eigentumswohnungen. Kaisers beschrieb die Idealvorstellung des Bündnisses: Eine Bietergemeinschaft aus den beiden Landkreisen und der städtischen Wohnungsgesellschaft Wetzlar würde sich demnach bei Bosch bewerben. Erhielte diese den Zuschlag, würden die Wohnungen der jeweiligen Standorte an die Kommunen weiterverkauft, die sie an heimische Gesellschaften und Genossenschaften mit gemeinnütziger Ausrichtung veräußern.

Falls doch ein Privatinvestor das Wohnungspaket erhalte, sollte der Verkauf wenigstens unter Konzeptvorgabe erfolgen, sagte Kaisers. Das bedeutet etwa ein Dauerwohnrecht oder Mietendeckel. Mit Aktionen will das Bündnis weiterhin Mieter informieren und die Öffentlichkeit solidarisieren.

Am Samstag dieser Woche will man bei den Buderushäusern in der Friedrich-Ebert-Straße ab zehn Uhr morgens mit einem InfoStand vertreten sein, am Samstag nächster Woche, 26. Oktober, auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes.

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