05. Februar 2018, 10:00 Uhr

Von oben

Birklar von oben: 1227 Jahre alt und topfit

Früher lebten hier die meisten Menschen von der Landwirtschaft. Heute bietet Birklar allein 120 Menschen Arbeit im Maschinenbau. Ein Dorfporträt.
05. Februar 2018, 10:00 Uhr
Rund 700 Einwohner, allein 120 Arbeitsplätze im Maschinenbau und hoffentlich bald ein Radweg nach Lich: Der Stadtteil Birklar entwickelt sich dynamisch. (Foto: Henß)

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In unserer Serie »von oben« präsentieren wir Fotos, die Luftfotograf Manfred Henß aufgenommen hat. Unsere Leser erhalten dadurch beeindruckende neue Blickwinkel ihrer Heimat aus der Vogelperspektive.

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Vor zwei Jahren kam das kleine Birklar ganz groß raus. Bei der 1225-Jahr-Feier konnten die etwa 700 Einwohner zeigen, was sie ausmacht: der Zusammenhalt. Und der ist seit dem großen Fest noch gewachsen. »Die Ortsvereine sind jetzt besser vernetzt«, sagt Ortsvorsteher Sebastian Schäfer.

Man merkt’s. In diesem Jahr gab es zum ersten Mal einen gemeinsamen Neujahrsempfang. Und der große Haus- und Hofflohmarkt, der beim Dorfjubiläum so erfolgreich war, soll in diesem Jahr eine Neuauflage erfahren. »Wir Birklarer können uns wirklich nicht beklagen«, sagt der Ortsvorsteher und meint damit auch die Invstitionen der letzten und der kommenden Jahre.

 

Weg in die Moderne

Bei Wikipedia kann man einiges über Birklar erfahren. Der Eintrag umfasst neun Seiten; dem benachbarten und deutlich größeren Langsdorf sind nur sechs gewidmet.

Allerdings darf man nicht alles glauben, was da steht. Dass Thorsten Schäfer-Gümbel, der Chef der Hessen-SPD, 1969 in Birklar geboren wurde, fällt eindeutig in die Kategorie »fake news«.

TSG kam in Bayern zur Welt, in Oberstdorf, und wuchs in Gießen auf. Er hat allerdings eine Zeitlang in Birklar gewohnt, ehe er nach Lich umzog.

Ein waschechter Birklarer ist dagegen Adolf Lechens. Er wurde Am Weiher groß und lebt heute nur einen Steinwurf entfernt in der Hundsgasse. Der frühere Ortsvorsteher ist nicht nur Vorvorvorvorgänger von Sebastian Schäfer, sondern auch dessen Großvater.

Und er kennt »sein« Dorf, dessen Geschichte er unter anderem fürs Licher Heimatbuch aufgeschrieben hat, aus dem Effeff. Er ist den Weg des Orts in die Moderne mitgegangen, er weiß, wie es war, als die meisten Familien von der Landwirtschaft lebten.

 

Ausbau der Infrastruktur

Er hat 1945 den Einmarsch der Amerikaner und danach den Zuzug der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge erlebt. Und als Mitstreiter des früheren Bürgermeisters Wilhelm Wolf war Lechens nicht nur maßgeblich am Ausbau der Infrastruktur beteiligt.

Er agierte auch als einer der Unterhändler, die die Eingemeindung seines Heimatdorfs klar machten. Am 4. Dezember 1970, noch vor der allgemeinen Gebietsreform, wurde Birklar Stadtteil von Lich.

Der Strukturwandel hat vor dem Ort nicht Halt gemacht. Als Adolf Lechens jung war, gab es zwei Bäckereien, zwei Lebensmittelgeschäfte, zwei Gastwirtschaften, einen Schreiner, einen Schmied. Alles passé. Genauso wie die eigene Schule.

 

Platz abschottern

Aber Birklar kann mit einer erfolgreichen Fußball-Mannschaft punkten, mit einem in der ganzen Region beliebten italienischen Restaurant und einem weltweit operierenden Unternehmen. 120 Mitarbeiter arbeiten am Stammsitz der Wolf Verpackungsmaschinen GmbH. Und die wollen ihre Autos irgendwo abstellen.

Genauso geht es den Gästen von »La Dolce Vita«. Kein Wunder also, dass die innerörtliche Parksituation auf der To-do-Liste des Ortsvorstehers steht, der gerade mal 30 Jahre jung, aber schon seit zwölf Jahren im Ortsbeirat aktiv ist. Der Plan fürs bessere Parken: Hinter dem Friedhof soll ein Stück Ackerland angepachtet und geschottert werden.

 

Radwege-Bau im Herbst?

Auch weitere Investitionen stehen auf der Agenda, zum Beispiel ein Anbau ans Feuerwehr-Gerätehaus.

Das größte Anliegen der Birklarer sei der Bau des Radweges nach Lich, erläutert Schäfer. Man hoffe auf Baubeginn im Herbst. »Der Bürgermeister hat sich beim Neujahrsempfang in diese Richtung geäußert.«

2019 dann steht die Erneuerung der Ortsdurchfahrt an. Eine Großbaustelle, die Perspektiven eröffnet. »Wir wollen für die Zukunft planen«, sagt der Ortsvorsteher. Heißt konkret: Wenn schon alles aufgerissen wird, soll die Kanalisation nach Regen- und Schmutzwasser getrennt und möglichst auch der Kanal getrennt werden.

 

Kein Haus auf dem Markt

In Birklar nämlich stehen die Zeichen auf Wachstum, man denkt über ein kleines Neubaugebiet nach. Der Boom von Lich macht sich auch auf den Stadtteilen bemerkbar. Schäfer: »In ganz Birklar ist kein einziges Haus auf dem Markt.«

In unserer Serie »von oben« präsentieren wir Fotos, die unser Luftfotograf Manfred Henß aus aufgenommen hat. Sie, liebe Leserinnen und Leser, erhalten dadurch beeindruckende neue Blickwinkel Ihrer Heimat aus der Vogelperspektive.

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