28. Juli 2017, 20:51 Uhr

Besuch beim Häuslebauer

28. Juli 2017, 20:51 Uhr
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Aus der Redaktion
Schwalbenhäuser für ganz Europa: Naturschutzdezernentin Christiane Schmahl informiert sich bei Oliver Wegener (l.) und seinen beiden Mitarbeitern John Taffner und Tobias Diehl (r.) in Krofdorf. (Foto: pm)

Unter dem Werkstattdach der ehemaligen Scheune nistet ein Rauchschwalbenpärchen, am Wohnhaus haben sich Mehlschwalben einquartiert und im sanierten Nebengebäude sind Kästen für Mauersegler und Fledermäuse in die Fassade integriert: Die Erste Kreisbeigeordnete Dr. Christiane Schmahl hat den Agrarwissenschaftler Oliver Wegener in Krofdorf besucht. In seiner Werkstatt in der Wiesenstraße stellt der 47-Jährige verschiedenste Schwalbenhäuser her. Auf dem Hof wird klar: Hier hat jemand seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

»Das ist gelebter Naturschutz«, sagt Schmahl. Ein idealer Ort, um den neuen Flyer vorzustellen, den der Landkreis Gießen zum Schutz von Schwalben erstellt hat.

Bis zu 54 Nester in einem Haus

Das Projekt »Schwalbenhaus« begann vor 16 Jahren mit einer Imagekampagne für eine Landesbehörde. Die Begeisterung von Wegener für den Naturschutz kommt nicht von ungefähr. »Im Grunde habe ich es in die Wiege gelegt bekommen.« Sein Großvater Karl-Heinz Laucht war Mitgründer vom Bund für Vogelschutz Krofdorf-Gleiberg, heute NABU Wettenberg, sein Vater Hans-Richard ist seit 1990 Vorsitzender. Seit 35 Jahren ist Oliver Wegener Mitglied im NABU und seit 1988 im Vorstand. Längst ist die nächste Generation angefüttert. »In der letzten Woche haben wir auf dem Hof Vögel beringt«, berichtet er. Sein Sohn Moritz wächst damit auf.

Über die Imagekampagne kam die Anfrage nach einem Schwalbenhaus. So etwas hatte Wegener noch nie gebaut. Seine Neugier war geweckt und er legte los. War die Produktion anfangs ein schönes Hobby, wuchs die Nachfrage Jahr für Jahr. Mehrmals ist Wegener samt Werkstatt umgezogen, bis er mit seiner Frau 2012 den Hof in der Wiesenstraße kaufte. Sie bauten das Ensemble, in dem sie selbst wohnen, um und integrierten ihr Labor für Umweltanalytik und die Werkstatt.

Im vergangenen Jahr bauten sie 38 Schwalbenhäuser. »Jetzt sind es schon 35, und die Jahresmitte ist gerade einmal überschritten.« Sie – das sind der Schweißer John Taffner und Tobias Diehl, der für den kompletten Ausbau verantwortlich ist. Schwalbenhaus Nummer 280 hat seine Dachschindeln erhalten. Es ist mit Rauputz versehen, sechseckig und hat 42 Schwalbennester. »Bis zu 54 Nester wären möglich«, sagt Wegener, »von einstöckig bis dreistöckig. Beim quadratischen Haus bis zu 70 Nester.« Fünf Modelle für Mehlschwalben hat er entwickelt. Auch Häuser für Mauersegler oder Haussperlinge sind möglich mit innenliegenden Kästen, sogar kombiniert mit Fledermausquartieren. Wer sich ein »bezugsfertiges« Schwalbenhaus zulegen möchte, muss je nach Ausstattung mit 10 000 Euro rechnen.

Um besser aufklären zu können, hat der Landkreis nun den Flyer »Schwalben willkommen« erstellt. Fragen dazu beantwortet Heike Schöße unter Telefon 06 41/93 90-14 59 oder per E-Mail: heike.schoesse@lkgi.de.



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