17. April 2018, 21:01 Uhr

Bestattungen bald teurer?

17. April 2018, 21:01 Uhr
Die Bestattung auf einem der Pohlheimer Friedhöfe, wie hier in Garbenteich, kann künftig teurer werden. (Foto: ldt)

Wie teuer das Sterben künftig wird, dass weiß man noch nicht so ganz genau. Aber vieles deutet darauf hin, dass die Bestattung auf einem der Friedhöfe in den Pohlheim-Dörfern künftig teurer wird. Dazu liegt ein Vorschlag einer Kommunalberatungsfirma auf dem Tisch und zeigt auf, wie hoch die Friedhofsgebühren sein müssten, wenn alle Kosten gedeckt werden sollen. Thema war die neue Friedhofsordnung mitsamt angepassten Gebühren am Montag im Finanzausschuss. Am Freitag soll die Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich abschließend darüber befinden.

Das Kommunalberatungsbüro Allevo aus Obersulm hat eine Neukalkulation der Gebühren vorgenommen; Berater Ralph Härtel gab Empfehlungen für eine neue Gebührensatzung. Dabei hielt er fest, dass das Friedhofswesen insgesamt defizitär ist – nicht nur in Pohlheim. »Die Bestattungskultur hat sich geändert. Heute gibt es wesentlich mehr Urnengräber als früher.«. Mittlerweile seien rund 70 Prozent der Grabstätten Urnengräber. »Vor 20 Jahren hatten Friedhöfe Kapazitätsprobleme. Das ist jetzt nicht mehr der Fall«, erklärte Härtel. Die Kosten für die Pflege der Anlagen bleiben aber in etwa gleich.

In der Vergangenheit gab es keine Kostendeckung. Die Kommune hat zugeschossen. Die Mittel fehlen dann an anderer Stelle im Haushalt, beispielsweise bei den Kindergärten«, erklärte der Berater.

Die Friedhofskosten bestehen im wesentlichen aus vier Positionen: Der Bestattungsgebühr, der Grabnutzungsgebühr, der Pflegegebühr der Grabfelder und der Grabräumung. So werden zum Beispiel für ein Reihengrab auf 30 Jahre bisher insgesamt rund 2300 Euro fällig. Nach den neuen kostendeckenden Berechnungen wären gut 3520 Euro nötig. Für ein Urnengrab auf 20 Jahre werden bislang 980 Euro erhoben, eigentlich wären bei voller Kostendeckung rund 1670 Euro von den Bürgern zu verlangen.

Härtel erklärte den Ausschussmitgliedern auch die rechtlichen Grundlagen, die einer Neuordnung zugrunde liegen müssen. Dazu zählt etwa, dass Kosten für verschiedene Grabarten nicht willkürlich festgelegt werden dürfen und im Verhältnis zueinander stehen müssen.

Vorgeschlagen wird zudem eine Mischkalkulation, die zum einen die Art der Gräber inkl. Nutzungsdauer berücksichtigt, zum anderen die Flächengröße.

Da Friedhöfe öffentliches Grün sind, dürfen alle Kosten nicht ausschließlich auf die Friedhofsbenutzer umgelegt werden. Das heißt, die Stadt als Träger muss sich auch beteiligen. In welcher Höhe, das ist gesetzlich nicht festgelegt. Bislang beteiligt sich Pohlheim mit 15 Prozent, also rund 25 000 Euro. In Zukunft will die Stadt 20 Prozent tragen, knapp 29 000 Euro.

Im Rahmen der Gebührenkalkulation ist aufgefallen, dass es in den vergangenen Jahren nur wenige Grabnutzungsverlängerungen gab. Das liege daran, dass in der bisherigen Friedhofsordnung bei Beisetzungen einer Urne in bereits vorhandene Reihengräber die Ruhefrist des Erstverstorbenen maßgebend ist. Die gesetzliche Regelung besagt aber, dass dabei eine Ruhefrist von 15 Jahren nicht unterschritten werden darf. Auch aus diesem Grund wird nicht nur die Gebührensatzung überarbeitet, sondern auch die Friedhofsordnung angepasst werden. Die größten Veränderungen werden neue Wiesenreihengräber für Erdbestattungen sein, ein Friedpark für Urnenbestattungen und die Mindestruhezeit von 15 Jahren für Urnen. Unter anderem soll es künftig auch Bestattungen an Samstagen geben.

Um sich über die Neuerungen zu beraten, haben die Fraktionen bis Freitagabend vor der Stadtverordnetensitzung Zeit. Dann findet eine Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses statt, bei der die Neufassung der Friedhofsordnung und -gebühren abgestimmt werden soll. Ein konkreter Vorschlag des Magistrats zur Höhe der Gebühren wurde noch nicht veröffentlicht.

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