15. Januar 2018, 17:16 Uhr

Altes Handwerk

Bald mit Eintracht-Farben?

Erhard Schäfer flechtet in Daubringen Hausschuhe aus Garn. Um ausgefallene Fußballfanartikel für alle Bundesligisten herstellen zu können, fehlen ihm nur noch ein paar Farben.
15. Januar 2018, 17:16 Uhr
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Von Volker Heller
Die Besenbinderei hat Erhard Schäfer aufgegeben. Nun widmet er sich dem Flechten von Hausschuhen. (Foto: vh)

Reisigbesen zum Kehren sind in Daubringen vermutlich langsam Mangelware. Wenn künftig das letzte Birkenreisig abgewetzt sein wird, fehlt es nämlich an Nachschub. Besenbinder Erhard Schäfer in der Heidstraße 17 war einer der Letzten seiner Art. Vorigen November vollendete er das 90. Lebensjahr und sagte sich, irgendwann müsse Schluss sein. Seitdem haben Ahle, Draht, Nägel, Holzstiele, Zange und Reisig in Schäfers Garage ausgedient.

Doch Untätigkeit war und ist dem Fußballbegeisterten ein Gräuel. Im Vorgriff auf die beginnende Rückrunde der Bundesliga erinnerte er sich an ein altes Handwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Schäfer bereits Schuhe aus Roggenstroh hergestellt. Hierzu wurde das Getreide eingeweicht und dann verflochten. Diese Schuhe aus reinem Naturmaterial sorgten zusammen mit dicken Socken für warme Füße, taugten aber wegen rund fehlender Besohlung nur als Hausschuh. Moderne Flechtstrohschule kommen etwa aus dem Schwarzwald und haben heutzutage eine Sohle aus Leder oder Gummi.

Aus sieben Strängen ein Seil

Schäfer verwendet mittlerweile Pressengarne, die man aus der Landwirtschaft zum Binden von Heu-, Stroh- und Silageballen kennt. Die gelblichen Garne sind aus dem Naturprodukt Sisal, die farbigen aus Synthetik. Schwarz und Blau verwendet Schäfer bisher. Damit sind etwa die Vereinsfarben von Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig darstellbar. Die Garnfarben Rot und Weiß würden das Vereinsspektrum um ein Vielfaches erweitern. Schäfer ist deshalb zur Zeit auf Garnsuche.

In der nun besenreinen Garage liegen neue Arbeitsutensilien: Garne am Stück, Garnrollen und Bindekordel. Das genügt. Um der Schuhsohle ausreichend Stärke zu geben, flechtet Schäfer aus sieben Strängen ein Seil – fertig ist das Baumaterial. Für den Schaft reichen fünf Fäden pro Seil. Schäfer stellt die Garnschuhe einzeln oder paarweise her sowie in verschiedenen Größen.

Aufgrund der vorhandenen und künftigen Farbkombinationen eignen sich die originellen Teile zunächst für Fußball-Fans und Fanclubs. Es muss ja nicht nur die Bundesliga sein. In einem größeren Schuhe lässt sich etwa auch in kleiner Blumentopf mit Pflanze drin verstauen. Andere Schuhe hängen an der Wand, entweder zur Dekoration oder mit Kleiderbürste, Haarbürste oder Kamm. Im Auto könnte der Garnschuh gar die Stelle der umhäkelten Klopapierrolle einnehmen. Der kleinste Schuh kostet fünf Euro und einen Besuch bei Erhard Schäfer in der Daubringer Heidstraße 17 (Tel. 0 64 06/39 25).



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