16. August 2018, 22:09 Uhr

Aus Zwei mach Vier

16. August 2018, 22:09 Uhr

Hans Kreuzinger eröffnet mit einem verträumten Intro und setzt damit einen wesentlichen Akzent: Sanft soll es zugehen, eingängig und sehr melodiös. Es ist am Mittwochabend im Kino Traumstern der Auftakt des Konzerts von »Poco Piu XL«, einer Formation um den Perkussionisten Markus Reich und der Harfenistin Cordula Poos. Später sollte sich noch Bassistin Nicole Badila anschließen und den harmonischen Abend abrunden.

Doch nicht uferlose Kuscheligkeit war das Ziel dieser erfahrenen Musiker, sondern eine ganz erhebliche Vielseitigkeit. Zunächst verblüfft die, fast möchte man sagen, erstaunliche Musikalität, mit der Reich neben den Perkussionsinstrumenten die Hang zu quicklebendiger Harmonie brachte. Sie klingt ein wenig wie eine Steeldrum; Reich spielt sie parallel zur Perkussion. Das ergab, gemeinsam mit Kreuzingers Sax und der Harfe, ein frisch anmutendes Klanggeschehen, das neben der Perfektion der Perkussion vor allem einen ungemein geschlossenen Gesamtklang aufwies. Mit diesem präsentierte das Ensemble noch diverse sehr unterschiedliche Titel, die eine angenehm ungezwungene Individualität besaßen. Badila, eine sehr wandelbare und handwerklich perfekte Bassistin, zeigte ebenfalls, dass sie stilistisch und expressiv nicht unnötig festgelegt ist. Zudem sang sie manchmal die zweite Stimme, ab und zu einen eigenen Titel.

Kreativ offene Plattform

Die größte Wandlungsfähigkeit bewies vielleicht Cordula Poos. Sie lässt bei solchen Gelegenheiten ihre Harfe auch mal wie eine Gitarre, dann wieder wie ein Klavier klingen und zeigt eine auffallende Variabilität der Spielweise. Zudem singt sie die meisten Titel. Auch da reicht ihre Bandbreite vom frechen flotten Hip-Hop (»Schnee von gestern«), wo sie bis an die Grenzen ihrer Stimme geht, bis zum sinnlich expressiven Jazzgesang (»Go Girl Go«). Poos hat zwar keine große, trainiert wirkende Stimme, aber was sie aus ihr macht, das ist bemerkenswert. Die gelegentlich hörbaren Grenzen traten hinter der offenkundigen, mannigfachen Ausdrucksfähigkeit weit zurück.

Bevor sich das Ensemble im Duo präsentierte, zeigte sich, wie sensibel die Gastmusiker sich ins perkussive Konzept einfügten: Kreuzingers Kompetenz auf Saxofonen und Querflöte und Badilas mit funkigem Daumen knallend akzentuierte Grundlinien oder eher weichen Standardlinien rundeten stets angemessen, zuweilen kongenial ab. So erwies sich Poco Piu als kreativ offene Plattform von wohltuender, zuweilen überraschender Vielseitigkeit; da machte eine gewisse Abnutzung der karibischen Harmonienseligkeit nichts aus. Schließlich gibt es in jedem Titel bei allen Instrumenten unzählige Details zu genießen. Im Duo gingen Reich und Poos noch tiefer aufeinander ein, erreichten zuweilen eine fast meditative Stimmung. Das Publikum spendete herzlichen, sehr reichlichen Beifall. (usw/Foto: usw)

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