27. Januar 2019, 18:47 Uhr

Aufruf zu mehr Toleranz

27. Januar 2019, 18:47 Uhr
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Von Harold Sekatsch
Ehrungen mit (v. l.) Marius Reusch, Rainer Finkernagel, Hannelore Reh, Bürgermeister Horst Röhrig, Ilona Roth, Angelika Mai, Martin Hanika und Finn Louis Naundorf. (Foto: se)

Es war so etwas wie ein Familientreffen, der Neujahrsempfang der Gemeinde Langgöns, zu dem Martin Hanika, der Vorsitzende der Gemeindevertretung, und Bürgermeister Horst Röhrig am Freitag in das Bürgerhaus Lang-Göns geladen hatten. Mehr als 60 Bürger hatten der Einladung Folge geleistet, und sie konnten bei einem kleinen Imbiss und den Klängen des Blechbläserquartetts Tiefblech 13, das Stücke aus mehreren Jahrhunderten präsentierte, den Abend genießen. Ergänzt wurde der Neujahrsempfang von einer Bilderausstellung mit Arbeiten von Dr. Hedwig Waldmann-Klement und Maria Bär.

Gute Prognosen für den Kreis

Im Mittelpunkt der Zusammenkunft stand einerseits die Ehrung ehrenamtlich wirkender Bürger der Gemeinde, andererseits ein Vortrag von Ilona Roth, Vorstandsmitglied der Sparkasse Gießen, die zu aktuellen Problemen der (Wirtschafts-) Politik im Allgemeine und vor Ort Stellung bezog. Sie bezeichnete den »von Trump ausgelösten Handelskonflikt, bei dem durch die seitens der USA auferlegten Zölle nicht nur China, sondern auch die EU und andere Partner ins Visier genommen« werden, als »öffentlich wirksames Kräftemessen«.

Beim Brexit fürchtet Roth einen ungeordnete Ausstieg, einen »harten Brexit«. »Es wird ein Chaos geben«, prophezeit sie, ergänzt aber: »Auch das wird sich legen.« Auch in anderer Hinsicht lässt sie sich von hin und wieder gezeigtem Pessimismus nicht anstecken: »Wir haben seit zehn Jahren eine gut konjunkturelle Stimmung. Aber: Die Dynamik wird abnehmen und der Aufschwung verlangsamt sich.« Positiv bewertet Roth, dass »weiter kräftig investiert« werde. Gerade für den Kreis Gießen gibt die Vorstandsfrau eine günstige Prognose ab. Und auch Langgöns erhält eine freundliche Bewertung. Die Gemeinde habe »eine hervorragende Infrastruktur« und werde durch ihr »Sport- und Vereinsangebot aufgewertet«.

Als Vorstandsmitglied der Sparkasse Gießen erinnerte sie an den Auftrag ihres Geldinstitutes, nämlich »die geldpolitische Versorgung sicherzustellen«. Dann trat die Rednerin Kritikern entgegen, die die Ausschüttungen an die einzelnen Träger als zu gering ansehen: »Sparkassen sind verpflichtet, Eigenkapital als Risikoschutz zu bilden. Für jeden Kredit müssen wir Eigenkapital hinterlegen, ohne Eigenkapital kein Kredit.« Der Vortrag war kurzweilig und wurde mit Beifall bedacht.

Auch Martin Hanika sprach zu den Gästen. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung warb anschaulich für mehr Toleranz. »Wir brauchen mehr Verständnis für unterschiedliche Auffassungen«, erklärte er, auch mit Blick auf das vereinte Europa. »Europa brachte Begegnungen«, sagte Hanika und erinnerte an die großen Gesten zwischen Angela Merkel und Frankreich Staatspräsident Emmanuel Macron im November 2018 sowie 1984 zwischen Francois Mitterrand und Helmut Kohl vor dem Gebeinhaus in Verdun. Hanika warb für die Teilnahme an der Europawahl am 26. Mai.

Für Bürgermeister Horst Röhrig war es das letzte Mal, dass er in dieser Funktion gemeinsam mit Hanika zum Neujahrsempfang eingeladen hatte. Er moderierte die Veranstaltung, sein Nachfolger Marius Reusch gehörte mit seiner Ehefrau ebenso zu den Gästen wie die Erste Beigeordnete des Landkreises Gießen, Dr. Christiane Schmahl, und Vertreter aus der Langgönser Lokalpolitik.



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