24. April 2019, 22:18 Uhr

Auf der Weltausstellung in Chicago

24. April 2019, 22:18 Uhr
Die Belegschaft der Grube Eleonore am August-Stollen im oberen Biebertal im Jahr 1887.

Vor 90 Jahren – genau am 12. März 1929 – wurde in der Grube Eleonore in der Gemarkung Fellingshausen die letzte Tonne Brauneisenstein gefördert. Insgesamt wurden dort rund 1,7 Millionen Tonnen Erz abgebaut, eine Menge, die rund 17 000 Erzzügen der Biebertalbahn entspricht. Im Grubenfeld Eleonore befanden sich die qualitativ und quantitativ besten Lagerstätten am Fuße des Dünsberges.

Dr. Rainer Haus aus Bieber betreibt Quellenforschungen zur Entwicklung der Grube Eleonore schon seit Anfang der 70er Jahre mit Engagement und Herzblut. Dort war sein Großvater Jakob Haus als Fahrhauer (Aufsichtsperson) tätig. Wilhelm Haus, der Vater von Rainer Haus, lernte die Grube schon als Kind kennen, da er seinem Vater oft Essen dorthin brachte und viele Eindrücke über und unter Tage erhielt, die später zu seiner eigenen jahrzehntelangen Tätigkeit im Bieberer und Königsberger Erzbergbau von Mannesmann beitrugen.

Hoher Mangangehalt

Seine Jahrzehnte umfassenden Archivforschungen begann Rainer Haus im damaligen Bergamt Weilburg. Alle noch erhaltenen Bilddokumente sind heute in der Bergbauausstellung des Heimatmuseums in Rodheim zu sehen, integriert in eine von ihm verfasste Darstellung zur Geschichte des größten hiesigen Erzbergwerkes und des gesamten heimischen Erzbergbaus.

Die Entwicklung der Grube Eleonore begann mit der Verleihung des Grubenfeldes »Eleonore« an den Eisenhändler J. M. Bastert am 2. Mai 1856. Die Namensgebung dürfte zu Ehren seiner ältesten Tochter erfolgt sein, die Eleonore Elisabetha hieß. Das Eleonore-Erz wurde aufgrund seines hohen Mangangehaltes bereits um 1860 nach Luxemburg, an die Saar und sogar bis nach Frankreich geliefert, wo es zur Stahlproduktion eingesetzt wurde. Der Metallgehalt erreichte damals über 50 Prozent, wobei die Eisen- und Mangangehalte etwa gleich hoch waren.

Eine neue Ära für die Grube Eleonore begann am 1. Dezember 1872 mit der Übernahme durch die Gebrüder Stumm in Neunkirchen bei Saarbrücken. 1873 erwarb Ferdinand Eduard Stumm, ein Teilhaber des Montankonzerns, bei Rauischolzhausen in der Nähe von Amöneburg einen Adelssitz und ließ dort ein Schloss errichten, das seit 1949 von der Gießener Universität genutzt wird.

Ab 1874 wurde die Fortsetzung des Brauneisensteinvorkommens nach Westen bis hin zur Steinmühle im Biebertal nachgewiesen. Die »Eleonore-Mulde« konnte durch Tagebaue, später durch Stollen und in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch durch zwei Maschinenschächte weiter aufgeschlossen und abgebaut werden. 1893 wurde qualitativ besonders hochwertiges Eleonore-Erz sogar auf der Weltausstellung in Chicago gezeigt.

1890 war im Ortsbereich von Bieber mit dem Vortrieb des »Ida-Stollen« als künftigen Förder- und Wasserlösungsstollen begonnen worden. 1895 wurde das Ostlager der Grube bei einer Stollenlänge von 1052 Metern erreicht. 1897 wurde die Bergverwaltung von Stumm für das Lahnrevier nach Bieber verlegt. Hierfür diente zuerst in unmittelbarer Nähe des Ida-Stollens ein Gebäude, das zu Beginn der 1980er Jahre abgerissen wurde. In den 1890er Jahren waren im Bieberer Baumgarten weitere Betriebsgebäude errichtet worden und 1907 wurde dort ein betriebseigenes Elektrizitätswerk erbaut, da Bieber zu der damaligen Zeit noch nicht elektrifiziert war. Auch das Erz wurde im Baumgarten in die 1898 eröffnete Biebertalbahn verladen.

Durch den Manganerzmangel in der Stahlindustrie während des Ersten Weltkrieges aufgrund der gegnerischen Seeblockade erreichten die Belegschafts- und Förderzahlen der Grube Eleonore zwischen 1914 und 1918 ihren Höhepunkt. Insgesamt wurden in diesen Jahren mehr als 250 000 Tonnen Erz gefördert. Im Rahmen des Hindenburg-Programms hatte die Grube 1917 325 Beschäftigte, zu denen auch 57 kriegsgefangene Ukrainer gehörten.

Ein steter Rückgang der Erzqualität sowie ein Anstieg der Kosten – vor allem aufgrund verstärkter Wasserhaltung und schwierigerer Gewinnungsbedingungen – führten schließlich im März 1929 zum Ende der Grube Eleonore. (Foto: pm)

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