20. Juli 2018, 15:17 Uhr

Filmkritik

Auf den Spuren des Regisseurs Ingmar Bergman

Margarethe von Trotta widmet dem 2007 verstorbenen Regisseur zu seinem 100. Geburtstag einen Dokumentarfilm, der viele Facetten des Künstlers zeigt.
20. Juli 2018, 15:17 Uhr
Filmszene (Foto: Foto: Börres Weiffenbach/Weltkino Filmverleih/dpa)

 

Zum 100. Geburtstag widmet Margarethe von Trotta dem schwedischen Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur Ingmar Bergman eine sehenswerte Dokumentation. Zu Wort kommen Regiekollegen wie Carlos Saura und Olivier Assayas, Schauspielerinnen wie Liv Ullmann und Gunnel Lindblom sowie weitere Weggefährten. Aus den Interviews entsteht ein vielstimmiges Porträt des 2007 gestorbenen Autorenfilm-Pioniers. Wohlgemerkt idealisieren die Gesprächspartner den einflussreichen Regisseur kaum, lassen vielmehr auch menschliche Schwächen deutlich werden. So betont sein Sohn Daniel, das Verhältnis zu ihm sei zwiespältig, immer eher distanziert gewesen. Kollegen unterstreichen einerseits seine Stärke, bei den Proben eine vertraute Atmosphäre zu schaffen, andererseits soll er bei Dreharbeiten öfters Teammitglieder wie Script Supervisors und Kamerassistenten rausgeworfen haben.

 

Archivmaterial verarbeitet

 

Bergman hatte eine besondere Gabe, Frauenfiguren stark in Szene zu setzen. Viel Beachtung schenkte er auch der ausgefeilten Bildkomposition. In düster-ernsten Filmen wie »Szenen einer Ehe« thematisierte er immer wieder gesellschaftliche Probleme. Daraus und aus weiteren Streifen wie »Persona« und »Wilde Erdbeeren« zeigt von Trotta Ausschnitte in der schwedischen Originalfassung und vermittelt damit eine genaue Vorstellung von der Sprachmelodie. Hinzu kommt Archivmaterial von Dreharbeiten, Interviews und Anlässen wie Preisverleihungen. Wegen einer Steueraffäre verließ Bergman 1976 vorübergehend Schweden, fühlte sich dabei wie ein politischer Flüchtling behandelt, in seiner Künstlerehre verletzt. In seinen Filmen arbeitet er auch persönliche Schicksalsschläge und Kindheitserlebnisse auf. Religiöse, traumartige wie sexuelle Momente nehmen inhaltlich breiten Raum ein.

Für Trotta war Bergman ein großes Vorbild. Sein im Spätmittelalter spielendes Drama »Das siebente Siegel« kam für sie gar einer Initialzündung gleich, selbst die Regisseurslaufbahn einzuschlagen. Mit fotografischem Gedächtnis beschreibt sie prägnante Szenen daraus. Im Ganzen entsteht ein differenziertes Bild des wegweisenden Perfektionisten, der es offenbar genau verstand, den Blick des Zuschauers stets auf zentrale Dinge zu lenken.

 

Manche Mystifizieren

 

Mit sicherem Instinkt hat die Regisseurin die Auswahl der Interviewpartner getroffen. Bei aller Bewunderung für Bergmans Lebenswerk gelingt es ihnen meist, mit gehörigem Abstand seine Arbeitsweise zu vergegenwärtigen. Zum Mystifizieren neigen manche indes etwa, wenn sie das Gefühl beschreiben, seinen Wohnort, die Insel Farö zu betreten, auf der sein Geist allgegenwärtig sei. Davon abgesehen hinterlässt das facettenreiche, wohlabgewogene Porträt einen starken Eindruck. Sascha Jouini

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