11. November 2017, 09:00 Uhr

Modellbau

Auf 25 Meter Schienennetz fährt die Lumdatalbahn längst wieder

In der Politik wird über die Lumdatalbahn heiß diskutiert. Bei Jörg Reinsberg und Co. fährt sie längst wieder, aber nur im Miniaturformat. Die Modellbauer haben auf 300 Quadratmeter noch weit mehr erschaffen.
11. November 2017, 09:00 Uhr
Auch der rote Schienenbus wird am Wochenende auf den Gleisen unterwegs sein und im Bahnhof Londorf einfahren. (Foto: isa)

Am Bahnhof in Londorf herrscht reges Treiben. Viele Passagiere warten am Bahnsteig, einige unterhalten sich, andere sind alleine mit ihren Koffern unterwegs. Ein Mann beobachtet das Geschehen aus der Ferne von einer Parkbank aus. Auf Gleis zwei fährt eine Dampflok vorbei, bevor der rote Schienenbus endlich einrollt und seine Türen öffnet.

Das alles passiert auf einer Modellbahnanlage in der Garage von Jörg Reinsberg in Ruttershausen. Er ist Mitglied der Modellbahnfreunde Lollar und hat den Bahnhof Londorf mit dazugehörigem Lokschuppen, wie er in den 1950er Jahren aussah, im Maßstab 1:87 nachgebaut. Ein Passagier schrumpft dabei auf die Größe eines Daumennagels, eine Lok misst noch zehn bis 15 Zentimeter.

Auf 300 Quadratmetern im Lollarer Bürgerhaus

Die Anlage von Reinsberg ist Teil der Ausstellung der Modellbahnfreunde Lollar und des Modelleisenbahnfreunde-Clubs Marburg (MEC), die am Wochenende im Bürgerhaus in Lollar stattfindet. Dort gibt es auf rund 300 Quadratmetern Lollar und das Lumdatal im Miniaturformat zu sehen.

Der Londorfer Bahnhof bekommt zur Zeit in der Werkstatt von Reinsberg den letzten Schliff. Er überprüft die Beleuchtung und kontrolliert, dass alle Schienen sauber laufen. Bei seinen Modellen hat Reinsberg immer den Anspruch, alles so originalgetreu wie möglich abzubilden. »Wenn sich jemand das Modell anschaut, soll er sich auskennen und das Gefühl haben, wirklich an dem gezeigten Ort zu stehen«, sagt er.

 

Eigentlich ist ein Modell nie richtig fertig, man ist ständig dabei, es zu verbessern

Jörg Reinsberg

Damit das funktioniert, orientiert sich Reinsberg zunächst an den Originalplänen, die er aus Archiven bekommt. Danach sucht er die Bauten vor Ort auf, um das Aussehen möglichst genau nachbilden zu können. »Ich messe zum Beispiel am Bahnhofsgebäude in Londorf die Größe der Klinker an der Außenwand und ritze sie dann zu Hause in mein Modell«, erzählt Reinsberg.

Um den Zustand vergangener Jahre nachzubilden dienen auch alte Fotos als Hilfe. Mittels digitaler Programme kann Reinsberg aus den Fotos Maße ermitteln. »Oft kommen aber auch Besucher bei den Ausstellungen auf mich zu und erzählen zum Beispiel, dass es eine Treppe, die ich in meinem Modell angebracht habe, gar nicht gab. So erfahre ich viele Details, die man auf Fotos und Plänen nicht sehen kann.« Die Bauten passt er dann entsprechend an. »Eigentlich ist ein Modell nie richtig fertig, man ist ständig dabei, es zu verbessern.«

Lahnbrücke stammt aus Reinsbergs Werkstatt

Reinsberg ist Modellbauer aus Leidenschaft, das merkt man an den vielen liebevoll gestalteten Details in seinen Modellen. Eine Reifenspur im Wald, die andeutet, dass es sich um einen Forstweg handelt oder ein kleines Blumenbeet im Park. »Für mich steht die Erinnerung im Vordergrund. Ich will die Orte so darstellen, wie ich sie in meiner Kindheit kennengelernt habe, um das zu zeigen, was heute vielleicht nicht mehr da ist.«

Auch ein Nachbau der Lahnbrücke in Ruttershausen gehört zur Ausstellung und stammt ebenfalls aus Reinsbergs Werkstatt. Ursprünglich fertigte er das Modell zum 100-jährigen Jubiläum der Brücke im Jahr 2001 an. Für die Ausstellung wurde sie mit dem Schrankenposten 69 der Main-Weser-Bahn in das Streckennetz eingefügt. Das umfasst auch ein 17 Meter langes Modell des Bahnhofs Lollar.
 


Lumdatalbahn "immer pünktlich und ökonomisch"
 

Außerdem erwecken die Modellbahnfreunde am Wochenende die Lumdatalbahn zwischen Lollar und Londorf wieder zum Leben. Auf 25 Metern Länge fährt sie »immer pünktlich und ökonomisch.«, sagt Reinsberg.

Damit wolle man, im Angesicht der aktuellen Diskussionen, zeigen, »wie der Verkehr im Lumdatal aussehen könnte«, erklärt er. Von der ursprünglichen Strecke der Lumdatalbahn seien nur die Bahnhöfe Daubringen und Staufenberg-Mainzlar nicht dargestellt. Der Grund ist simpel: »Dazu reicht einfach der Platz nicht aus.«

 

Bahnhöfe im Stil der 50er Jahre

 

Um die Ausstellung zu organisieren, arbeiten die Modellbahnfreunde Lollar mit dem MEC Marburg zusammen. »Eine so große Ausstellung ist sowohl für die Marburger als auch für uns nur gemeinsam realisierbar«, sagt Reinsberg.

Die Marburger Kollegen steuern zum Beispiel einen Schattenbahnhof zur Ausstellung bei. Der sei quasi ein »Parkplatz« für alle Züge, die auf ihren Auftritt warten. Solche »Fantasiestellen« braucht man, damit der Verkehr in der Miniaturwelt reibungslos läuft.

Die nachgebauten Bahnhöfe, Gebäude und Gleise der Lollarer sind im Stil der 50er und 60er Jahre gehalten, und auch die Zugkompositionen orientieren sich an dieser Zeit. Fachleute wissen genau, welche Farben und Bauarten damals zum Beispiel die Wagen der Lumdatalbahn hatten und wie viele aneinander gehängt wurden.

Aber nicht nur zeitgemäße Züge befahren die Strecke, »wir wollen ein Stück deutscher Geschichte auf die Bahn bringen«, erklärt Reinsberg. Deshalb werden am Wochenende auch Züge aus der preußischen Zeit und dem ersten Weltkrieg unterwegs sein. Gleichzeitig erhalten aber auch moderne Züge Einzug in die Ausstellung. Täglich zwischen 13 und 14 Uhr übernehmen dann ICEs die Miniaturwelt und rasen durch das Gelände.

Am Wochenende

Ausstellung und Börse

Geöffnet ist das Bürgerhaus in Lollar am Samstag von 12 bis 20 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Angeschlossen an die Ausstellung ist eine Börse, auf der Händler neue und gebrauchte Waren rund um den Modellbau anbieten.

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