Kreis Gießen

Arnsburg spielt bedeutende Rolle

Nicht nur alle Augen, sondern auch zwei Kameras waren am Samstag im Muschenheimer Künstlerhof auf Peter Seharsch gerichtet. Zu seinem 75. Geburtstag am 27. September soll ein Film über den heimischen Maler entstehen. Ein Teil davon wird der Talk am Kamin sein, für den an der langen Tafel Freunde Platz genommen hatten, um über den Künstler zu sprechen. Der hat in diesem Jahr viel zu tun, denn es stehen Veränderungen an.
28. Januar 2019, 22:11 Uhr
Nastasja Akchour-Becker
Beim Talk am Kamin dreht ein Filmteam, was Freunde über Peter Seharsch (5. v. l.) zu sagen haben: (v. l.) Karsten Klipp, Ursula Bonke, Julien Neubert, Anita Schneider, Sabine Roth, Gisela Maier, Klaus Doll und Christel Klipp.	(Foto: nab)
Beim Talk am Kamin dreht ein Filmteam, was Freunde über Peter Seharsch (5. v. l.) zu sagen haben: (v. l.) Karsten Klipp, Ursula Bonke, Julien Neubert, Anita Schneider, Sabine Roth, Gisela Maier, Klaus Doll und Christel Klipp. (Foto: nab)

Nicht nur alle Augen, sondern auch zwei Kameras waren am Samstag im Muschenheimer Künstlerhof auf Peter Seharsch gerichtet. Zu seinem 75. Geburtstag am 27. September soll ein Film über den heimischen Maler entstehen. Ein Teil davon wird der Talk am Kamin sein, für den an der langen Tafel Freunde Platz genommen hatten, um über den Künstler zu sprechen. Der hat in diesem Jahr viel zu tun, denn es stehen Veränderungen an.

»Eigentlich war es für mich schon immer klar, dass ich Maler werde«, erzählte Seharsch im Gespräch mit Sabine Roth von der Bildungsakademie des Landessportbunds Hessen, die durch die Gesprächsrunde führte. Seit vielen Jahrzehnten sind seine Werke aus der Region nicht wegzudenken. Geboren 1944 im Sudetenland, kam er nach der Vertreibung als Zweijähriger mit der Mutter – der Vater war im Krieg gestorben – nach Oberhessen. Inzwischen Vollwaise, machte er eine handwerkliche Ausbildung zum Maler. Er bekam Aufträge zur Decken- und Wandmalerei. Berühmt für seine Bauernmalerei, gelang ihm der Durchbruch 1980 mit den sogenannten Hessentagstellern. Doch das ist lange her. Heute möchte der Maler nicht mehr so sehr mit seinen früheren Werken verglichen werden. In den vergangenen Jahren fokussierte er sich auf die abstrakte Malerei. In seinen Sylter Landschaftsbildern spiegelt sich die raue Naturgewalt seiner Lieblingsinsel wieder, und bei den Gletscherbildern attestierte Extrembergsteiger Reinhold Messner dem Hobbybergsteiger Seharsch: »So ein Bild kann nur jemand malen, der dort oben gewesen ist.«

Auszeit auf Sylt oder Mallorca

Schon früh schaffte es Seharsch, auch von seiner Kunst zu leben. »Es ist immer wieder Arnsburg gewesen«, sagte der Maler, der Ort habe eine bedeutende Rolle in seinem Leben eingenommen. Seit 43 Jahren hat er dort im Bursenbau seine eigene Galerie. Und auch künstlerisch hat das Kloster ihn immer wieder inspiriert. »Die Motive liegen vor der Haustür, man braucht gar nicht weit weg.«

Doch nun steht der Maler vor Veränderungen. Er und seine Lebensgefährtin, Galeristin Ursula Bonke, sitzen auf gepackten Koffern. Im Frühjahr verlassen sie den Künstlerhof und ziehen nach Lich. Dort soll ein Kunsthaus mit Atelier entstehen. Nicht mehr in diesem Jahr, aber bald möchte er für ein halbes Jahr ein Atelier auf Sylt oder Mallorca beziehen. Seharsch wird aber nicht ganz in den Norden auf seine Lieblingsinsel verschwinden, dafür liegen dem ehemaligen leidenschaftlichen Kletterer die Berge zu sehr am Herzen. Rückblickend ist er froh, dass er in jungen Jahren so viel erlebt hat. Im Kopf gespeichert, kann er jetzt in seinem Atelier viel davon auf der Leinwand wiedergeben.

Rund eine Dreiviertelstunde lang soll die Hommage werden, berichten die Busecker Filmemacher Karl-Heinz und Hiltrud Streich, die Seharsch dafür ein gutes Jahr lang begleiten. Liebhaber seiner Kunst dürfen sich zudem über einen neuen Katalog und eine Jubiläumsausstellung in Kloster Arnsburg zum 75. Geburtstag freuen. Und weil er in den vergangenen Jahren überwiegend Acryl gemalt hatte, werden seine neuesten Werke wieder Aquarelle sein.

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