07. November 2017, 20:52 Uhr

Ansteckende Liebe zur Musik

07. November 2017, 20:52 Uhr
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Von Saskia Elisa Sophie Nagel
Leon Wenzel stellt dem Publikum die ausgewählten Werke einzeln vor und erklärt die Intention der Komponisten. (Foto: sis)

Bach, Beethoven, Schumann. Einen grauen Novembernachmittag können Freunde der Klassischen Musik wohl kaum schöner verbringen. Der Freundeskreis Schloss Hungen hatte am Sonntag zum letzten Konzert seiner Veranstaltungsreihe des endenden Jahres eingeladen und einen Klavierabend mit dem Nachwuchskünstler Leon Wenzel organisiert.

Der Primus, geboren 1997 in Kassel, erhielt mit neun Jahren seinen ersten Klavierunterricht bei Alexander Weht an der Musikschule Baunatal. Ab 2011 wurde Wenzel am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover von Prof. Roland Krüger unterrichtet, wo er 2014 das IFF-Studium mit der Note »sehr gut« abschloss und sein Studium als Jungstudent fortführen durfte.

Besonders begeisterte am Sonntag im Blauen Saal des Hungener Schlosses wie sehr die Liebe eines jungen Menschen zur Musik auf ein Publikum überschwappen kann. Wenzel ließ es sich nehmen, eingangs die erarbeiteten Werke genau vorzustellen und dem Publikum die Beweggründe der einzelnen Komponisten zu verdeutlichen.

Im ersten Teil des Konzerts spielte der junge Mann aus Kassel, der bei »Jugend musiziert« sowohl solistisch als auch in der Duo-Wertung bereits mehrere Preise auf Landes- und Bundesebene erhielt, die »Französische Suite Nr. 2 in c-Moll BWV 813« von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie zwischen 1722 und 1724 als Kapellmeister für seine zweite Ehefrau Anna Magdalena. Wenzel bot eine hochkarätige Performance. Dramatische Momente wechselten sich mit heftigem Staccato ab, wobei man jede musikalische Regung auch in der Körperspannung des Pianisten ablesen konnte. Es folgte Beethovens »Sonate Nr. 26 in Es-Dur op. 81A«. Hier überzeugte Wenzel mit sehr gut pointierten Tempiwechseln.

Das Erstaunen zeichnete sich im Spiel markant in des Künstlers Gesicht ab. Das Staunen über die Energie, die von den Tasten transportiert wurde. Souverän meisterte der 20-jährige Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben auch diese Hürden. Ekstatisch verstärkte Wenzel das Allegro und spielte sich frei aus der Dunkelheit der melancholischen Sequenzen. Fast wirkte er ein wenig »high« von der Musik – im positiven Sinn aufgeladen von der Hingabe zu seiner Kunst. Nach der Pause dann der »Carnaval op. 9« von Schumann, den der Laie dank Wenzels Ausführungen sehr gut vor dem inneren Auge nachempfinden konnte. 19 klingende Miniaturen, inspiriert von der Commedia dell’Arte, von Chopin und anderen Zeitgenossen Schumanns. Das Gegenspiel von Spiel und Ernst, Begierde, Verzweiflung und Hoffnung wusste Wenzel perfekt zu transportieren. Das Publikum dankte mit frenetischem Applaus. Da wird noch einiges kommen.



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