20. Juni 2017, 13:00 Uhr

Raub

Angeklagter beschimpft Presse im Gerichtssaal

Ein 35-Jähriger steht vor Gericht, weil er der Drahtzieher eines Raubüberfalls gewesen sein soll. Bei der Verhandlung kam es zu denkwürdigen Szenen.
20. Juni 2017, 13:00 Uhr
(Foto: Schepp)

Der 35-jährige Angeklagte hat bei der Prozessfortsetzung am Montag wie bereits zuvor bestritten, der Drahtzieher eines Raubüberfalls auf Studenten in Heuchelheim zu sein (die GAZ berichtete).

Im September 2016, kurz nach Mitternacht, hatte es an einer Haustür eines Mehrfamilienhauses in der Gießener Straße in Heuchelheim geklingelt. Ein 22-jähriger Student öffnete die Tür zum Treppenhaus, da er annahm, es handele sich um Nachbarn. »Mach mal auf«, schallte es dann durch den Hausflur, so dass der ahnungslose 22-Jährige auch die Wohnungstür öffnete. Vor ihm stand nicht der Nachbar, sondern zwei maskierte Männer. Sie bedrohten ihn und seine 21-jährige Freundin mit einer Schusswaffe und einem Schlagstock. Die Räuber entwendeten Handys, Geldbörsen, einen Laptop, eine Uhr und eine Spielkonsole.

Der Angeklagte und sein Strafverteidiger erklärten eingangs der Verhandlung vor der Neunten Großen Strafkammer, dass es ein Fehler gewesen sei, Teile des Diebesguts zu kaufen und aufzubewahren. Diesen strafrechtlichen Folgen stelle man sich, nicht jedoch den Anklagepunkten der Staatsanwaltschaft, nach denen der Angeklagte selbst der Drahtzieher gewesen sein soll.

Der Angeklagte, bereits mehrfach vorbestraft, korrigierte seinen Strafverteidiger immer wieder pedantisch genau, wenn es um Daten und Uhrzeiten ging. Fast nichts von dem, was im Gerichtssaal verhandelt wurde, ließ der junge Mann, der seit seinem 16. Lebensjahr Cannabis konsumiert, unkommentiert. Der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Bergmann musste ihn zu Ruhe ermahnen.

 

Voll schuldfähig

 

Das Gericht verlas die Vorstrafen des Angeklagten, unter anderem Verstoß gegen das Waffengesetz, Fahren ohne Fahrerlaubnis mit Fahrerflucht, Urkundenfälschung und Betrug. Hinzu kommen noch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Auch nach einer Bewährungsstrafe wurde der Angeklagte rückfällig und saß bereits eine Haftstrafe in einer Vollzugsanstalt in Wiesbaden ab.

Das Ergebnis des medizinisch-psychologische Gutachtens thematisierte das Gericht mehrfach. Demnach habe der »Bewährungsversager« eine Borderline-Störung. Vieles in seiner Kindheit verlief »desolat«, erklärte der zuständige Gutachter, dies sei offensichtlich. Er diagnostizierte aber eine volle Schuldfähigkeit beim Angeklagten, der zum Tatzeitpunkt zwar unter Drogen stand, deswegen aber nur vermindert steuerungsfähig gewesen sein soll.

Am Ende der über dreistündigen Verhandlung war es dem Angeklagten offensichtlich zu viel, er reagierte höchst emotional und aufgebraust, er wolle doch sein Leben in die richtige Bahn bekommen, aber andere hätten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch den Pressevertretern drohte der junge Mann beim Verlassen des Saales in Handschellen: »Ich verklag euch alle«. Der Prozess wird fortgesetzt.

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