05. April 2019, 21:33 Uhr

Als Druck – und im Original

05. April 2019, 21:33 Uhr
Pfarrer Christoph Schaaf an der gleichen Stelle mit der zugewachsenen Aussicht.

Diese Geschichte von zwei Bildern mit dem gleichen Motiv hat mehrere Aspekte und ist von glücklichen Zufällen begleitet: Zunächst gab es im März 2018 einen Anruf bei Pfarrer Christoph Schaaf. Es meldete sich der einstige Werdorfer Gert Apfelstedt, den es berufsbedingt nach Wiesbaden verschlagen hat, der aber an Wochenenden immer noch die Wetzlarer Neue Zeitung liest. Darin war ein großer Bericht über die Sanierungsbedürftigkeit der Gleiberger Katharinenkirche erschienen. Das erinnerte ihn an ein kleines gerahmtes Bild aus dem Familienbesitz seiner Frau, die aus der Marburger Region stammt. Er wolle das Bild der Denkmalstiftung schenken, damit der Verkaufserlös für die Kirchenrestaurierung genutzt werden könne.

Durch Zufall entdeckt

Das kleine Bild (etwa 20 mal 30 Zentimeter) zeigt eine ansprechende Komposition mit Blick auf die Gleiberger Kirche von oben, mit angeschnittenem Burggarten und einem weiß blühenden Baum. Dem Pfarrer gefiel es auf Anhieb. Bereits Jahre zuvor hatte ein Hochzeitspaar ein Foto aus ähnlicher Perspektive machen lassen. Von dem neu gefundenen Druck ließ der Kirchenvorstand mithilfe der Fotofreunde Krofdorf sogleich eine neue Klappkarte machen.

Dass es den Apfelbaum tatsächlich gegeben hat, das bestätigt die 97-jährige Gertrud Schlage. Sie ist als Tochter des Pächters der Burggastronomie auf der Gleiburg aufgewachsen. Um den Stamm des Bäumchens war ein Tisch herumgebaut, an den man Stühle stellen konnte. Ganz so, wie es auf dem Bild zu sehen ist.

Der Apfelbaum wurde durch einen Lindenbaum ersetzt, der Kirchturm ist unverändert. Daher ist der Standort des Malers leicht festzustellen: der Balkon des Rittersaals. Der Burg-Pächter war sofort begeistert und wollte das Bild kaufen, um damit den Gastraum zu schmücken. Eine vom Kirchenvorstand zurate gezogene Kunsthistorikerin erkannte es jedoch als Druck, der zwar gut erhalten, aber kein wertvolles Unikat ist. Geld für die Sanierung würde das nicht wirklich erbringen.

Wie der Zufall manchmal spielt, besuchte eben diese Kunsthistorikerin die vor der Auflösung stehende Sammler- und Hobbywelt in Buseck und entdeckte dort das Originalbild, das sie eindeutig als Vorlage für den Druck erkannte. Ein Foto und eine E-Mail später war der Kirchenvorstand von der Idee begeistert, das Bild anzuschauen und womöglich zu erwerben. Gemeinsam mit Pfarrer Schaaf suchte man das Gespräch mit den Besitzern und entschied sich dafür, das Bild als eindrückliches Zeitzeugnis für die Denkmalstiftung evangelische Kirchen Krofdorf und Gleiberg zu erwerben.

Aktuell ist es in der Restaurierungswerkstatt von Sabine Kuypers, die vor zehn Jahren schon für die Kirchengemeinde gearbeitet hat und die Bildepitaphe restaurierte, die der Kirchenvorstand bei der Auflösung von Hof Schmitte erworben hatte. Diese befand den Zustand des Gemäldes (67 mal 51 Zentimeter) für gut, empfahl eine Reinigung und einen Rahmen, der aus der Entstehungszeit stammt, damit das Motiv besser zur Geltung komme.

Der kleine, gerahmte Druck soll künftig im Rittersaal hängen, auf dass man dort den direkten Vergleich haben kann zwischen der heutigen Situation und der vor gut 100 Jahren. Das Gemälde ist signiert mit »C. Armbrust, 1911«.

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