21. Oktober 2018, 09:00 Uhr

Brandkatastrophe

Als Allendorf in Flammen stand

Es war eine Katastrophe, die Allendorf an den Rand des Ruins brachte: 1728 brannte der Ort fast komplett nieder. An diesen und weitere Brände erinnert nun eine Schautafel in der Kirchstraße.
21. Oktober 2018, 09:00 Uhr
Die neue Info-Tafel im alten Ortskern gibt einen Überblick über die großen Brände in Allendorfs langer Geschichte. (Grafik: Gerd Höricht)

Verheerende Brände haben auch in der jüngeren Vergangenheit in dem Lumdatalstädtchen gewütet: Vor dreieinhalb Jahren fielen zwei Kinder einem Hausbrand in der Lindengasse zum Opfer. Erst vor zwei Wochen wurde ein Nordecker Haus zum Raub der Flammen. Doch die Wirkung des Feuers, das in Allendorf vor 290 Jahren um sich griff, war ungleich größer. Es hätte die Stadt beinahe komplett ausgelöscht.

Seit Mittwoch erinnert eine Tafel an der Kirchstraße nahe der evangelischen Kirche an acht Brände zwischen 1479 und 1911. Ein ums andere Mal wurde die alte Stadt auf diese Weise mehr oder weniger verwüstet und musste teils wieder aufgebaut werden. Die Informationen für die Infotafel hat die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte zusammengetragen, grafisch gestaltet wurde sie von Gerd Höricht, finanziert von der Sparkassen-Stiftung.

Eine Stadt vor dem Nichts

Per Fernbedienung bringt Pfarrer Stefan Schröder die kleinste Glocke der evangelischen Kirche zum Klingen. Es ist nicht mehr das Original von damals, allerdings sei wohl auch vor knapp 300 Jahren die kleinste Glocke als »Brandglocke« geläutet worden. Nur wenige Allendorfer sind zur Einweihung der Tafel gekommen. Schröder gibt sich Mühe, sie in die Stunde der Katastrophe zurückzuversetzen: »Wir stellen uns vor, dass die für den Brandschutz abgestellten Bürger sich nun versammeln.«

Am Mittwochnachmittag lacht die herbstliche Sonne über dem Ort, kein Lüftchen geht. Wäre das Wetter am 17. Oktober 1728 ähnlich gewesen, dann würde heute wohl niemand mehr an dieses Datum erinnern. Es wäre ein Tag wie jeder andere geblieben. Doch es lief anders, wie Pfarrer Schröder berichtet: Damals wehte ein starker Westwind, der das Feuer von seinem Ausgangsort im Südwesten des Dorfs durch den Ort peitschte. Eng aneinandergebaut boten die Fachwerkhäuser der damals noch von einer Wehrmauer eingerahmten Stadt reichlich Zunder. Das Vieh weidete außerhalb. Die Ernte war frisch eingefahren, die Kornspeicher voll. Mit einem Schlag standen die rund 700 Allendorfer vor dem Nichts. Der Brand hatte sie überrascht, während sie andächtig im Gottesdienst saßen. Nur wenige Häuser trotzdem dem Feuer, 260 Gebäude sollen abgebrannt sein. Heute steht nur noch ein Haus aus der Zeit vor dieser Katastrophe. Auch die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder, die Archive waren für immer dahin. Dass offenbar höchstens fünf Menschen bei dem Brand starben, grenzt schon fast an Glück im Unglück.

Große Hilfsbereitschaft

Auch über weitere Brände informiert die Tafel und zeigt auf einem Grundriss der Stadt im 18. Jahrhundert, wo die Feuer jeweils ausbrachen. Bereits 1479 hatte ein Brand nach Blitzschlag den Ort fast komplett vernichtet. Schon damals hatte Allendorf Stadtrechte, auch das Rathaus samt Akten brannte nieder. Das informative Schild ist an einem Trafo-Häuschen angebracht – an jener Stelle, wo nach dem Brand von 1728 neue Glocken gegossen wurden.

Nach dem großen Brand vor 290 Jahren sprach sich die Not der Allendorfer bald weit herum, wie in der Chronik zur 1200-Jahr-Feier nachzulesen ist. Gießen zum Beispiel spendete demnach 400 Laib Brot, ähnlich wie viele Orte in der Umgebung. Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreichte die Bürger des Städtchens. Ohne diese Unterstützung wäre der mühsame Neuanfang wohl kaum möglich gewesen. Dann gäbe es Allendorf nicht mehr. Und auch keine Infotafel zu den großen Bränden.

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