17. Januar 2018, 18:30 Uhr

Forschung im Krofdorfer Forst

Alles für die Katz

Das deutschlandweit einzigartiges Wildkatzen-Forschungsprojekt wirbt um Unterstützung. Benötigt werden rund 10 000 Euro im Jahr.
17. Januar 2018, 18:30 Uhr

»Nehmen Sie bitte mit, dass Sie uns etwas mitbringen dürfen«, flachste Hans-Richard Wegener in Richtung Eva Goldbach, als sich die grüne Landtagsabgeordnete über Wildkatzen im Krofdorfer Forst und deren Erforschung informierte. Der Wunsch des Wettenberger NABU-Vorsitzenden ist durchaus ernst gemeint. Denn die Studie bedarf weiterer Förderung.

Noch nie ist in Deutschland eine Population dieser seltenen und scheuen Tiere so lange und gründlich untersucht worden wie hier: Seit 2013 betreut der BUND, der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, im Dialog mit Hessen-Forst, dem NABU und zahlreichen Ehrenamtlichen ein ambitioniertes Projekt, das nun ins sechste Jahr geht. Das Ziel: Eine Untersuchungsreihe über zehn Jahre. Doch dafür braucht es per anno zwischen 7000 und 10 000 Euro. Angesichts ihrer Langfristigkeit werden der Studie bundesweite Aufmerksamkeit und ein hoher Wert beigemessen – Fachleute sprechen von einer Leuchtturmfunktion.

Geld für weitere fünf Jahre nötig

Die Finanzierung stützt sich aktuell auf Mittel vom BUND und vom Naturschutzzentrum Hessen sowie einen Gewinn aus der hessischen Umweltlotterie »GENAU«. Das freut die Grüne Landtagsabgeordnete Goldbach ganz besonders. Die Grünen sprechen von einem »fairen Gewinn für Mensch, Umwelt und Natur«. Woche für Woche profitiert ein anderes Naturschutzprojekt von 5000 Euro aus dem Erlös der Lotterie. Gleichwohl braucht es für die Wildkatzen weitere Mittel in den kommenden Jahren.

Großes Interesse der Bürger

Wie hoch das Interesse an den Tieren hierzulande ist, zeigt die Resonanz auf eine 2015 angebotene Wildkatzen-Exkursion: Der lokale BUND und die Forstleute hatten mit vielleicht 15 bis 20 Interessierten gerechnet. 130 kamen – für eine naturkundliche Wanderung, bei der von vorneherein klar ist, das man keines der scheuen Tiere zu sehen bekommt, war das ein respektabler Zuspruch.

Es war schon eine kleine Sensation vor etwa 15 Jahren, als es erste gesicherte Beobachtungen von Wildkatzen in dem großen Waldgebiet im Westen des Kreises Gießen gab. Den genetischen Nachweis erbrachte ein totes Tier an der Autobahn nahe dem Hangelstein im Norden von Gießen. Der zeigte zudem: Die Tiere wandern aus dem Krofdorfer Forst ab. Nicht etwa, weil es ihnen dort nicht gefällt, sondern weil die Population mittlerweile so groß ist, dass die eher einzelgängerischen Tiere sich von dort aus neue Reviere suchen. Denn jeder Kuder, so werden die männlichen Wildkatzen genannt, besetzt einen Lebensraum von etwa zehn bis zwölf Quadratkilometern. Reviere von Weibchen sind etwa halb so groß. Dass sich im Krofdorfer Forst mittlerweile also eine sogenannte »Quellpopulation« entwickelt hat, freut Forscher und Forstleute ganz besonders. Denn es zeigt, dass die Tiere dort einen intakten Lebensraum vorfinden mit strukturreichen Wäldern, Wiesentälern, Wasserläufen – und dies ungeachtet (oder gerade wegen?) der Waldbewirtschaftung, wie sie vom Forstamt Wettenberg aus betrieben wird. Darauf sind Forstamtsleiter Harald Voll und Revierförster Udo Steiger schon ein wenig stolz.

Stabile Population

348 Haarproben von Tieren wurden seit 2013 untersucht – und man hat 284 Nachweise von Wildkatzen erhalten. 45 unterschiedliche Individuen sind identifiziert, berichtet Susanne Schneider, Wildkatzen-Projektkoordinatorin beim BUND. Heißt andersherum gerechnet: Man hat eine stete Population von neun bis 16 Tieren im Krofdorfer Forst. Weitere Besonderheit: Der Raum ist Mischgebiet und mithin Bindeglied der sogenannten mitteldeutschen und der südwestdeutschen Wildkatzen-Population. Auch das haben die genetischen Analysen aufgezeigt.

Wie wird untersucht? Während der Ranzzeit der Tiere, also den Monaten der Paarungwilligkeit zwischen Januar und April, werden Holzpfosten im Wald mit Baldrian beträufelt, um Tiere anzulocken. Sogenannte Lockstockbetreuer sammeln regelmäßig die feinen Haare ein, die die Tiere zurücklassen, wenn sie sich an den Stöcken reiben.

Von weiteren Untersuchungen erwarten sich die Fachleute Erkenntnisse zu Verwandtschaftsverhältnissen der Katzen, zur Populationsdichte, zur Qualität ihrer Lebensräume und eben zu Fragen der Ausbreitung.



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